Wärmekapazität
Physikalische Größe | |||||||
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Name | Wärmekapazität | ||||||
Formelzeichen der Größe | |||||||
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Siehe auch: Spezifische Wärmekapazität, Wärmespeicherzahl |
Die Wärmekapazität gibt an, wie viel thermische Energie
Die Einheit ist
Folgende Begriffe sind zu unterscheiden:
- Spezifische Wärmekapazität
, die auf die Masse bezogen wird - Molare Wärmekapazität
(auch Molwärme), die auf die Stoffmenge bezogen wird - Wärmespeicherzahl
, die auf das Volumen bezogen wird
Definition
Die Wärmekapazität ist ein Begriff aus der Thermodynamik und bezeichnet das Vermögen eines Körpers, Energie in Form von thermischer Energie statistisch verteilt auf die Freiheitsgrade zu speichern. Die Wärmekapazität gilt nicht über Phasengrenzen hinweg (siehe Schmelzwärme und Verdampfungswärme) und ist innerhalb eines Aggregatzustandes mehr oder weniger von der Temperatur abhängig, was eine differenzielle Betrachtung sinnvoll macht.
Man beachte, dass die Wärme
Dabei ist es vonnöten, dass der Prozess der Erwärmung quasi-statisch (d. h. sehr langsam) erfolgt, so dass während des Prozesses irreversible Erscheinungen keine wesentliche Rolle spielen. Präziser sollte man deshalb von der Gleichgewichtswärmekapazität sprechen.
Im Allgemeinen spielen die äußeren Bedingungen, unter denen der Körper erwärmt wird (Druck, Temperatur etc.), eine Rolle. Bei konstantem Druck wird beispielsweise gleichzeitig Arbeit in Form der thermischen Ausdehnung des Körpers geleistet, was auf Grund der Energieerhaltung zu einer größeren Wärmeaufnahme pro Temperatureinheit führt. Man unterscheidet deshalb die Wärmekapazität für ein konstantes Volumen, die isochore Wärmekapazität
Dabei ist
Ist der Körper physikalisch homogen, so ist es sinnvoll, die Wärmekapazität pro Masseneinheit (oder Stoffeinheit) anzugeben, welche dann als spezifische Wärmekapazität c (beim Bezug auf 1 kg eines Stoffs) oder Molwärme oder molare Wärmekapazität
Die physikalische Einheit der Wärmekapazität ergibt sich aus ihrer Definition als [J/K], die der spezifischen Wärmekapazität je nach bezogener Stoffeinheit als [J/(kg·K)] oder [J/(mol·K)].
Auch die Temperatur des Stoffes hat einen Einfluss auf die (spezifische) Wärmekapazität. Dies sieht man an folgendem Beispiel:
- Wasser bei 20 °C:
- Wasser bei 15 °C:
Für feste Stoffe kann man in kleinen Temperaturbereichen eine mittlere spezifische Wärmekapazität verwenden. Bei sehr tiefen Temperaturen sind die Werte äußerst gering und gehen in der Nähe des absoluten Nullpunktes gegen null.
Bestimmung
Die Wärmekapazität eines Stoffes wird mit Hilfe eines Kalorimeters bestimmt, zum Beispiel mit der Dynamischen Differenzkalorimetrie (DSC). Wichtig für die Messung ist dabei, dass die zu untersuchende Probe in dem zu untersuchenden Temperaturbereich keine mit einer Wärmetönung einhergehende Reaktion aufweist. Üblicherweise erfolgt zur exakten Berechnung eine Vergleichsmessung mit einem Saphir. Stehen keine experimentellen Messwerte zur Verfügung, kann auch eine Abschätzung der Wärmekapazität vieler Stoffe mit Hilfe von Gruppenbeitragsmethoden wie der Benson-Methode erfolgen.
Allgemeine Beziehungen
Die allgemeine Gleichung für die Wärmekapazität lautet:
Die Gleichung, die Wärme, Masse, Temperaturänderung und spezifische Wärmekapazität in Zusammenhang bringt, ist:
Und die Gleichung für die molare Wärmekapazität ist:
dabei ist
Die verschiedenen Wärmekapazitäten hängen zusammen über:
Über die Beziehung zwischen Masse und Stoffmenge
mit der molaren Masse
Am Beispiel Kupfer ergibt sich:
Verknüpfung mit anderen thermodynamischen Größen
Wie weiter unten beschrieben ist stets
Hierbei ist
Wärmekapazität von Festkörpern
Material | Debye-Temperatur |
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Aluminium | 426 K |
Magnesium | 406 K |
Eisen | 464 K |
Kupfer | 345 K |
Zinn | 195 K |
Blei | 96 K |
Bei Festkörpern ist für schwere Elemente und hohe Temperaturen in guter Näherung das Dulong-Petit-Gesetz erfüllt, das eine konstante molare Wärmekapazität von
Bei niedrigen Temperaturen versagt dieses Modell. In diesem Bereich sagt das Debye-Modell eine
Der Vorläufer des Debye-Modells ist das Einstein-Modell, welches insbesondere bei tiefen Temperaturen für praktische Anwendungen zu ungenau ist.
Bei Leitern liegt im Niedertemperaturlimes eine lineare Abhängigkeit der Wärmekapazität von der Temperatur vor. Um das zu verstehen, kann man die wärmeleitenden Leitungselektronen als ideales Fermigas auffassen. Mit Hilfe der Fermiverteilung und der Zustandsdichte eines freien Elektrons lässt sich daraus für niedrige Temperaturen die Temperaturabhängigkeit von Energie und folglich auch Wärmekapazität berechnen. Die resultierende Ergebnis ist weit geringer als eine erste Abschätzung der Wärmekapazität der Leitungselektronen als ideales Gas (siehe unten) erwarten lassen würde und gilt als ein wesentlicher Fortschritt in der Festkörperphysik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Wärmekapazität idealer Gase
Verknüpfung der Wärmekapazität C bei konstantem Druck und konstantem Volumen
Insbesondere bei Gasen hängt die Wärmekapazität von den äußeren Zwangsbedingungen ab. Man unterscheidet die Wärmekapazität bei konstantem Druck Cp und bei konstantem Volumen CV. Bei isochoren Zustandsänderungen wird die zugeführte Wärmemenge komplett zur Erhöhung der Temperatur des Gases (also zur Erhöhung der kinetischen Energie der Gasteilchen) aufgewendet. Bei isobaren Prozessen hingegen muss Volumenarbeit verrichtet werden, da sich das Gas beim Erwärmen ausdehnen muss, wenn der Druck konstant bleiben soll. Das heißt, bei konstantem Druck wird ein Teil der zugeführten Wärmeenergie in Form von Volumenarbeit „verbraucht“. Deshalb muss bei isobaren Zustandsänderungen mehr Energie in Form von Wärme zugeführt werden um ein Gas um ein Grad zu erwärmen als bei isochoren Zustandsänderungen.
Für ideale Gase gilt:
.
Hierbei ist
bzw.
.
Nach Einführen der spezifischen Gaskonstante
.
Beispiel - Wasserstoff (
- bei gleichbleibendem Druck:
- bei gleichbleibendem Volumen:
Die Differenz der experimentell gemessenen Größen
Ab initio Berechnung von
Um die Wärmekapazität idealer Gase zu überschlagen, gibt es die Möglichkeit, sie über die Freiheitsgrade zu berechnen. Nach dem Gleichverteilungssatz ist die Gesamtenergie
bzw.
wobei
, drei Freiheitsgrade für die Translation, , Null bis drei Freiheitsgrade für die Rotationsenergie und Freiheitsgrade für die innere Schwingungsenergie. A ist dabei die Gesamtzahl der Atome des Moleküls.
Ein zweiatomiges Molekül
Für Gase, deren Bestandteile einzelne Atome sind, gilt:
Für Gase, deren Bestandteile
mit
Jeder Translations- bzw. Rotationsfreiheitsgrad trägt also mit
1-atomige Gase | |||
2-atomige Gase | |||
3-atomige Gase |
Beispiel - Wasserstoff (
Es wird die spezifische Gaskonstante
- ohne Vibrationen:
und - mit Vibrationen:
und
Durch Vergleich dieser Zahlen mit den gemessenen Werten
Isentropenexponent
Der Isentropenexponent
Sollte der Isentropenexponent
Negative Kapazität (Sterne)
Die meisten physikalischen Systeme zeigen eine positive Wärmekapazität. Auch wenn das Gegenteil zunächst absurd erscheint, können Systeme auch eine negative Wärmekapazität aufweisen. Dazu zählen gravitierende Objekte wie zum Beispiel kollabierende Sterne, die sich beim Zusammenziehen (innere Energie verringert sich) erhitzen, oder sehr kleine Systeme (englisch Cluster) aus einigen hundert Atomen nahe an einer Phasenumwandlung. Diese merkwürdige Eigenschaft steht im Zusammenhang mit der thermodynamischen Stabilität. Nur Systeme mit einer positiven Wärmekapazität können im thermodynamischen Sinne als stabil und diese damit auch als extensive Größe betrachtet werden.
Literatur
- G. R. Stewart: Measurement of low-temperature specific heat. In: Rev. Sci. Instrum. Nr. 54, 1983, S. 1–11 (doi:10.1063/1.1137207)
- Michael Tausch: Chemie SII, Stoff - Formel - Umwelt. C.C. Buchners Verlag, Bamberg 1993, ISBN 978-3766164537
- Gustav Kortüm: Einführung in die chemische Thermodynamik. Verlag Chemie, Basel 1981, ISBN 3-527-25881-7 (bzw. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-42310-1)
- Walter J. Moore, Dieter O. Hummel: Physikalische Chemie. Verlag de Gruyter, Berlin/New York 1986, ISBN 3-11-010979-4
- David R. Lide: Handbook of Chemistry and Physics. 59. Ausgabe. CRC Press, Boca Raton 1978, ISBN 9780849304866, Seite D-210, D-211.
- Callen: Thermodynamics and an Introduction to Thermostatistics. Wiley & Sons. ISBN 978-0471862567
Weblinks
Verzeichnis von Datenbanken und Nachschlagewerken mit Wärmekapazitäten: