Boltzmann-Konstante
Physikalische Konstante | |
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Name | Boltzmann-Konstante |
Formelzeichen | |
Wert | |
SI | |
Unsicherheit (rel.) | |
Gauß | |
Quellen und Anmerkungen | |
Quelle SI-Wert: CODATA 2010, Direktlink: NIST |
Die Boltzmann-Konstante (Formelzeichen
Die Ideen von Ludwig Boltzmann präzisierend,[2] lautet die von Max Planck gefundene[3] fundamentale Beziehung für die Entropie:
Die Entropie S eines Makrozustandes ist proportional zu
- dem natürlichen Logarithmus der Zahl Ω der entsprechend möglichen Mikrozustände (bzw. anders ausgedrückt)
- dem Maß seiner „Unordnung“.
Eine Entropiezunahme entspricht einem Übergang in einen neuen Makrozustand mit einer größeren Zahl möglicher Mikrozustände. In einem abgeschlossenen (isolierten) System nimmt die Entropie stets zu (Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik).
Die dabei auftretende Proportionalitätskonstante
Der Wert der Boltzmann-Konstante beträgt:[4][5]
mit:
Ideales Gasgesetz
Die Boltzmann-Konstante erlaubt die Berechnung der mittleren thermischen Energie eines Teilchens aus der Temperatur und tritt beispielsweise im Gasgesetz für ideale Gase auf:
Die Boltzmann-Konstante ist eine der möglichen Proportionalitätskonstanten des idealen Gasgesetzes
.
Bedeutung der Formelzeichen:
Aus der Boltzmann-Konstante berechnet sich die auf ein Mol bezogene Universelle Gaskonstante R = NA · k mittels der Avogadro-Konstanten NA.
Die Gasgleichung kann auch bezogen auf Normalbedingungen mit der Temperatur T0 und dem Druck p0 mit der Loschmidt-Konstante NL umformuliert werden zu
.
In 3 Dimensionen gilt für die mittlere Kinetische Energie eines (klassischen) punktförmigen Teilchens im thermischen Gleichgewicht:
Allgemeiner ergibt sich für die Energie eines Teilchen mit f Freiheitsgraden, die quadratisch in die Hamiltonfunktion eingehen (Äquipartitionstheorem):
So hat beispielsweise ein punktförmiges Teilchen 3 Translationsfreiheitsgrade, ein zweiatomiges Molekül hat zusätzlich 2 Rotationsfreiheitsgrade (durch Rotation entlang der 3. Achse − der Symmetrieachse − kann keine Energie gespeichert werden, da das Trägheitsmoment hier vergleichsweise klein ist). Ein Molekül ohne eine solche Symmetrie hat 3 Rotationsfreiheitsgrade, also insgesamt 6. Dazu kommen bei ausreichend hohen Temperaturen noch Schwingungen der Bindungen. So hat Wasser eine extrem hohe Wärmekapazität durch eine große Zahl solcher Schwingungsfreiheitsgrade.
Durch die Boltzmann-Konstante wird also die mittlere kinetische Energie eines Teilchens im thermischen Gleichgewicht angegeben, mit einem Wert von 1/2 k T pro Freiheitsgrad.
Rolle der Boltzmann-Konstante in der statistischen Physik
Allgemeiner tritt die Boltzmann-Konstante in der Wahrscheinlichkeitsdichte beliebiger Systeme der Statistischen Mechanik im thermischen Gleichgewicht auf: Die thermische Wahrscheinlichkeitsdichte solcher Systeme bei der Thermodynamischen Temperatur
Zusammenhang mit der Entropie
In der statistischen Physik kann die Entropie S eines abgeschlossenen Systems im thermischen Gleichgewicht definiert werden als der natürliche Logarithmus aus dem statistischen Gewicht Ω, welches ein Maß für die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Realisierungsmöglichkeit, somit eines Mikrozustandes ist, als:
Diese Gleichung verknüpft über die Boltzmannkonstante die mikroskopischen Zustände Ω des abgeschlossenen System in Bezug zu der makroskopischen Größe der Entropie S und stellt die zentrale Grundlage der statistischen Physik dar. Diese Gleichung, in leicht abgewandelter Nomenklatur, ist im Grabstein von Ludwig Boltzmann am Wiener Zentralfriedhof eingraviert.
Die Entropieänderung
In Bezug zu der mikroskopischen Zustandssumme kann die Entropie auch als dimensionslose Größe festgelegt werden als:
In dieser „natürlichen“ Form der Entropie korrespondiert sie mit der Definition der Entropie in der Informationstheorie und stellt ein zentrales Maß in der Informationstheorie dar. Der dabei auftretende Term kBT mit der Boltzmannkonstante stellt jene Energie dar, um die Entropie S′ um ein Nit anzuheben.
Beispiel aus der Festkörperphysik
In Halbleitern besteht eine Abhängigkeit der Spannung über einen p-n-Übergang, der mit Hilfe der Temperaturspannung
Dabei ist
Anwendungsbereiche
- Plancksches Strahlungsgesetz
- Maxwell-Boltzmann-Verteilung
- Nernst-Gleichung
- Gibbs-Thomson-Effekt
- Johnson-Rauschen
- Rauschzahl
- Desorption
- Rauschtemperatur
- Heißleiter
- Fugazität
- Dopplertemperatur
- Curie-Konstante
- Debye-Temperatur
- Debye-Länge
- Jeans-Kriterium
- Hawking-Strahlung
- Durchbruchspannung
- Lawson-Kriterium
Siehe auch
Quellen
- ↑ „… where k is Boltzmann’s constant, introduced at that time by Planck, …“, wobei sich that time auf die Formulierung des Rayleigh-Jeans-Gesetzes (dem Grenzfall seiner Strahlungsformel für kleine Frequenzen) im Jahr 1900 bezieht. M. Jammer, The Conceptual Development of Quantum Mechanics, New York, 1966, S. 17. Dieses Gesetz ermöglichte auch die erste experimentelle Bestimmung der Boltzmann-Konstante.
- ↑ Die untenstehende Formel für die Entropie findet sich zwar auf Boltzmanns Grabstein, steht aber nirgendwo explizit in seinen Werken. Er hat aber den Zusammenhang zwischen Entropie und der Zahl der Zustände klar erkannt, z. B. in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie 1877 oder den Vorlesungen über Gastheorie, Bd.1, 1895, S. 40, siehe Ingo Müller A history of thermodynamics, Springer, S.102
- ↑ M. Planck: „Zur Theorie des Gesetzes der Energieverteilung im Normalspektrum“, Verhandlungen der Deutschen physikalischen Gesellschaft 2 (1900) Nr. 17, S. 245, Berlin (vorgetragen am 14. Dezember 1900) Onlinedokument (deutsch, pdf) archiviert vom Original am 7. April 2012.
- ↑ CODATA Recommended Values. National Institute of Standards and Technology, abgerufen am 16. Juni 2011. Wert für die Boltzmann-Konstante in der Einheit J/K
- ↑ CODATA Recommended Values. National Institute of Standards and Technology, abgerufen am 16. Juni 2011. Wert für die Boltzmann-Konstante in der Einheit eV/K