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Salicylsäure (o-Hydroxybenzoesäure) kommt in Form ihres Methylesters in ätherischen Ölen und als Pflanzenhormon in den Blättern, Blüten und Wurzeln verschiedener Pflanzen vor und ist für die pflanzliche Abwehr von Pathogenen von Bedeutung. Ihren Namen bekam sie, da sie früher vor allem durch die oxidative Aufbereitung von Salicin, das in der Rinde verschiedener Weiden (wissenschaftlich Salix spec.) enthalten ist, gewonnen wurde.
Sie ist auch unter dem Namen Spirsäure bekannt, da sie aus dem Saft der Spierstaude, auch Mädesüß, gewonnen werden kann. Von der Bezeichnung Spirsäure leitet sich auch der Markenname Aspirin® für die Acetylsalicylsäure ab: Acetylspirsäure. Die Salze der Salicylsäure heißen Salicylate.
Chemische Klassifizierung
Die Salicylsäure zählt aufgrund des enthaltenen Benzolrings zu den Aromaten. Da sie eine Carboxy- und Hydroxygruppe enthält, gehört sie zu den Hydroxycarbonsäuren. Wegen der β-Ständigkeit der Carboxy- zur Hydroxygruppe kann sie auch als β-Hydroxycarbonsäure bezeichnet werden. Da die Hydroxygruppe direkt an den aromatischen Benzolring gebunden ist, gehört sie ebenfalls zu den Phenolen.
Darstellung und Gewinnung
Technisch wird sie durch die Kolbe-Schmitt-Reaktion (vereinfacht auch als Salicylsäure-Synthese bezeichnet) aus Kohlenstoffdioxid und Natriumphenolat hergestellt. Diese künstliche Herstellung hat die Gewinnung aus Weidenrinde weitestgehend verdrängt.
Darstellung von Salicylsäure durch die Kolbe-Schmitt-Reaktion
Bereits 1874 wurde die Synthese der Salicylsäure nach einer Idee von Hermann Kolbe vom Labor in die fabrikmäßige Produktion übertragen, wobei der Schmitt-Schüler Friedrich von Heyden die Salicylsäurefabrik Dr. F. von Heyden in Dresden gründete, die ein Jahr später nach Radebeul übersiedelte.
Eigenschaften und Verwendung
Bei schnellem, starkem Erhitzen decarboxyliert Salicylsäure unter Bildung von Phenol.
Die – im Vergleich zu anderen Hydroxybenzoesäuren – hohe Acidität liegt an der Stabilisierung ihres Anions durch eine Wasserstoffbrücke mit der benachbarten Hydroxygruppe.
Salicylsäure dient zur Herstellung von Farb- und Riechstoffen und der Acetylsalicylsäure (ASS, besser bekannt unter dem Markennamen Aspirin®), die als schmerzstillender, entzündungshemmender und blutverdünnenderArzneistoff Verwendung findet. In Form des unlöslichen Salzes Bismutsubsalicylat wird sie gegen Durchfall und Störungen des Gastrointestinaltraktes eingesetzt.
Salicylsäure stellt formal das Enol (in diesem Fall ein Phenol) einer β-Ketocarbonsäure dar und bildet daher mit Eisen(III)-chlorid-Lösung einen violett gefärbten Komplex, den Tris-Salicylat-Eisen(III)-Komplex:
Dieser Nachweis ist nicht spezifisch, da ähnliche Verbindungen wie Acetessigester die gleiche Reaktion aufweisen.
Unerwünschte Wirkungen und Toxizität
Auf der Haut, für Schleimhäute und Augen wirkt Salicylsäure akut reizend bis gewebsschädigend. Weiterhin verursacht die Säure bei oraler oder sonstiger Einnahme eine Dämpfung des Atemzentrums und eine Störung wichtiger Stoffwechselprozesse sowie des Zentralnervensystems. Bei chronischer Einwirkung zeigen sich Störungen des Magen-Darm-Trakts.[2]
Die Salicylsäure ist das Wirkprinzip vieler analgetischer Medikamente wie der Acetylsalicylsäure. Diese werden im Organismus rasch zur Salicylsäure hydrolysiert. Nebenwirkungen sind vor allem allergische Reaktionen, Blutungsneigung, Bronchokonstriktionen (Asthma bronchiale), Magenschleimhautschädigung mit Blutungen, in Einzelfällen Leberschädigung. Auch Harnsäureretention, Hyperurikämie und Nierenschädigung wurden beobachtet.[16] Ein wichtiger Stoffwechselweg in der Leber führt über die Umwandlung in Salicylursäure.
Im Tierversuch zeigte Salicylsäure bei oraler und dermaler Gabe verschiedenste Wirkungen auf Tiere (Katze, Maus, Kaninchen und Ratte) wie Schläfrigkeit, Muskelschwäche und Organschäden bei Leber und Nieren. Die akute Toxizität LD50 lag oral zwischen 400 und 1300 mg/kg, dermal bei der Ratte bei 2 g/kg.[6][7][8][9]
Beim Menschen wurden bei dermaler Verabreichung TDLo-Werte von 57 bis 111 mg/kg ermittelt.[10][11]
↑Claudia Synowietz und Klaus Schäfer (Hrsg.): Chemiker Kalender. 3. Auflage. Spinger, Berlin Heidelberg New York Tokyo 1984, ISBN 3-540-12652-X.
↑ Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
↑ 6,06,16,2Handbook of Toxicology 4 Vols., Philadelphia, W. B. Saunders Co., 1956–59; Vol. 5, 1959, S. 148.
↑ 8,08,1BIOFAX. Industrial Bio-Test Laboratories Inc., Data Sheets. Vol. 21-3/1971.
↑ 9,09,1Acute Toxicity Data. Journal of the American College of Toxicology, Part B. Vol. 15 (Suppl.)
↑ 10,010,1P. A. Soyka, L. F. Soyka: Absorption of salicylic acid. In: Journal of the American Medical Association (JAMA), 1980, 244 (7), S. 660–661; PMID 7392165; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)
↑ 11,011,1C. M. Dwyer, R. H. McCloskey, R. E. Kerr: Poisoning from topical salicylic acid. In:Postgraduate Medical Journal, 1994, 70 (820), S. 146; PMID 8170891; PMC 2397637.
↑A. A. Hartmann: The influence of various factors on the human resident skin flora, in: Semin Dermatol, 1990, 9 (4), S. 305–308; PMID 2285575.
↑Die Salicylsäure als Conservirmittel für Consumartikel : deren Werth, Nutzen und Unschädlichkeit, begründet durch das Urtheil sachkundiger Autoritäten und gerichtlicher Erkenntnisse. - Radebeul-Dresden : Chemische Fabrik von Heyden, 1896.
↑ 14,014,1Fanta, Messeritsch-Fanta, Steyr: Akne 1999: brauchen wir den Hautarzt noch?, in: Der Hautarzt, 12/1999; S. 900–911; doi:10.1007/s001050051009.
↑A. W. Frahm, H. H. J. Hager, F. v. Bruchhausen, M. Albinus, H. Hager: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Folgeband 4: Stoffe A-K., Birkhäuser, 1999, ISBN 978-3-540-52688-9, S. 42.