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Uracil (U, Ura) ist eine heterocyclischechemische Verbindung, die hauptsächlich biologische Bedeutung als Bestandteil mehrerer Nukleotide und von RNA in allen Lebewesen hat. Im reinen Zustand handelt es sich um ein farbloses Pulver, chemisch eine so genannte Pyrimidin-Base.
Uracil ist eine schwache Säure (pKa = 9,45). Die Aciditätskonstante liegt im Bereich von Phenol (pKa = 10,0) und anderen Enolen. Im Uracil-Anion ist die negative Ladung delokalisiert (mesomere Grenzstrukturen). Daher löst sich Uracil in wässrigen Alkalien und wässrigem Ammoniak.
Uracil kommt im Körper hauptsächlich an Ribosephosphat gebunden vor, entweder als eines der Nukleotide Uridinmonophosphat (UMP), Uridindiphosphat (UDP) oder Uridintriphosphat (UTP) oder als Bestandteil der Ribonukleinsäure (RNA).
Bestandteil der RNA
Uracil ist eine der vier Nukleinbasen der Ribonukleinsäure (RNA) und bildet dort die Basenpaarung zu Adenin aus. Uracil bildet mit Ribosen zwei verschiedene Nukleoside, das Uridin (U) (Verknüpfung über das N1-Atom) und das Pseudouridin (Ψ) (Verknüpfung über das C5-Atom).
In der DNA tritt Thymin an die Stelle von Uracil. Uracil kann relativ einfach durch Desaminierung und Hydrolyse aus Cytosin gewonnen werden, was einer Veränderung des genetischen Codes gleichkäme. Thymin hingegen unterscheidet sich vom Uracil durch eine zusätzliche Methylgruppe und kann so auch nicht ohne weiteres aus Cytosin entstehen. In der DNA vorhandenes Uracil kann somit als Mutation erkannt und durch Basenexzisionsreparatur gegen Cytosin ausgetauscht werden. Die Vermeidung von Mutationen rechtfertigt hier den Aufwand, der zur Synthese von Thymin aus Uracil notwendig ist. Im Gegensatz zu DNA ist RNA relativ kurzlebig, mutierte Basen in einzelnen RNAs werden vom Organismus problemlos toleriert, was eine Verwendung des einfacher herzustellenden Uracils zweckmäßig erscheinen lässt.
Aktivierung von Zuckern
Uracil spielt als UTP auch eine wichtige Rolle beim tierischen Zuckermetabolismus. Die Umesterung von UTP und Glucose-1-phosphat zu UDP-Glucose und Pyrophosphat aktiviert die D-Glucose für den Einbau in Glycogenpolymere (überzähliger Zucker wird in Tieren als Glycogen gespeichert).
Bei der Isomerisierung von D-Galactose in Glucose wird zunächst UDP-Galactose gebildet, welche dann in UDP-Glucose umgewandelt wird. Diese gibt ihr UDP an die nächste Galactose weiter.
Datei:Cycle Synthesis dTMP.svgSynthese von dTMP (1b) aus dUMP (1a). Bei der Reaktion wird N5,N10-Methylentetrahydrofolat (4) zu 7,8-Dihydrofolat (2) umgesetzt, was die Thymidylat-Synthase (EC2.1.1.45) (A) katalysiert. Dieses wird unter NADPH-Verbrauch zu Tetrahydrofolat (3) durch die Dihydrofolat-Reduktase (EC1.5.1.3) (B) reduziert. Die Serinhydroxymethyl-Transferase (EC2.1.2.1) (C) regeneriert N5,N10-Methylentetrahydrofolat schließlich unter Verbrauch von Serin.
Durch Aminierung der 4-Ketogruppe wird aus Uracil Cytosin. Diese Reaktion verbraucht ein Äquivalent ATP, die Aminogruppe stammt von Glutamin.
UDP ist auch der Ausgangsstoff für die Synthese von dTTP (Desoxythymidintriphosphat), das für die DNA-Synthese gebraucht wird. Hierbei wird zunächst UDP durch die Ribonukleotid-Reduktase zu dUDP umgesetzt. Nach Dephosphorylierung zum dUMP wird dieses durch die Thymidylat-Synthase zum dTMP methyliert (vgl. Abbildung rechts). Als Methylgruppendonor fungiert hier N5,N10-Methylentetrahydrofolat. Das entstehende dTMP wird zum Triphosphat (dTTP) phosphoryliert und kann zur DNA-Synthese genutzt werden.