Trifluornitrosomethan

Strukturformel
Struktur von Trifluornitrosomethan
Allgemeines
Name Trifluornitrosomethan
Summenformel CF3NO
CAS-Nummer 334-99-6
PubChem 67630
Kurzbeschreibung

intensiv blaues Gas[1]

Eigenschaften
Molare Masse 99,012 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Siedepunkt

−86,6 °C[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Trifluornitrosomethan (TFNM) ist ein hochreaktives giftiges Gas. Es ist bei Raumtemperatur intensiv blau.

Geschichte

TFNM wurde 1936 erstmals von Otto Ruff und Manfred Giese an der Universität Breslau hergestellt.[3] Sie erhielten es bei der Fluorierung von Silbercyanid in Gegenwart von Silbernitrat und Silber(I)-oxid.

Eigenschaften

Trifluornitrosomethan hat eine – für Gase äußerst ungewöhnlich – intensiv blaue Farbe. Unter (UV-Strahlung) dimerisiert TFNM zum gasförmigen blassgelben 1,2-Bis(trifluormethyl)-diazen-1,2-dioxid.[4]

Der Bindungswinkel am Stickstoffatom des TFNM beträgt 112,4°.[5] Die Absorptionsmaxima liegen bei 665 und 683 nm.[1] Mit Wasserstoffperoxid oder molekularem Sauerstoff bei 100 °C lässt sich TFNM zum ebenfalls gasförmigen farblosen Trifluornitromethan oxidieren. Mit Aktivkohle oder im alkalischen disproportioniert Trifluornitrosomethan zu Hexafluorazoxymethan und Trifluornitromethan.

An Doppelbindungen, beispielsweise perhalogenierter Alkene, addiert sich TFNM unter Bildung von hochmolekularen Polymeren.[6]

Herstellung

Trifluornitrosomethan lässt sich aus Trifluormethyliodid (CF3I) und Stickstoffmonoxid (NO) mit UV-Licht und katalytischen Mengen an Quecksilber herstellen. Bei Normaldruck beträgt die Ausbeute bis zu 90 %. Im Plasma lässt sich CF3NO auch aus Hexafluorethan oder Methylbromid und Stickstoffmonoxid herstellen.[7] Auch aus Nitrosylchlorid und Trifluoressigsäureanhydrid oder Silbertrifluoracetat lässt sich TFNM gewinnen. Dabei bildet sich zunächst CF3COONO, das beim Erhitzen in Kohlenstoffdioxid und TFNM zerfällt.[6][8][9]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 J. Jander und R. N. Haszeldine: Über das CF3NO und einige seiner Reaktionen. In: Die Naturwissenschaften 40, 1953, S. 579–579. doi:10.1007/BF00594731
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. O. Ruff und M. Giese: Das Trifluor-nitroso-methan, CF3NO (III.) In: Ber dtsch Chem Ges 69, 1936, S. 684–689. doi:10.1002/cber.19360690411
  4. B. C. Haynie u. a.: Matrix Isolation and Density Functional Theory Study of Bis(trifluoromethyl)dioxodiazine: A Photodimer of Trifluoronitrosomethane. In: J Phys Chem A 109, 2005, S. 5307–5315. doi:10.1021/jp050730z
  5. K. Kuchitsu: CF3NO Trifluoronitrosomethane . In: Landolt-Börnstein - Group II Molecules and Radicals 25, 1999, S. 1615–1852. doi:10.1007/10653318_100
  6. 6,0 6,1 A. Senning: N-, 0-, AND S-trihalomethyl compounds. In: Chemical Reviews 65, 1964, S.  385–412.
  7. M. Schmeisser u. a.: Die Plasmachemische Darstellung von Trifluorjodmethan, Bromtrifluormethan und Trifluornitrosomethan. In: Zeitschrift für anorganische und allgemeine Chemie 418, 1975, S. 109–115. doi:10.1002/zaac.19754180204
  8. C. W. Taylor u. a.: The Preparation of Polyfluoronitrosoalkanes from Nitrosyl Polyfluoroacylates. In: The Journal of organic chemistry 27, 1962, S.  1064–1066. doi:10.1021/jo01050a523
  9. J. D. Park u. a.: Preparation of Perfluoronitrosoalkanes. Reaction of Trifluoroacetic Anhydride with Nitrosyl Chloride. In: The Journal of organic chemistry 27, 1962, S. 1642. doi:10.1021/jo01051a519

Literatur

  • Mit organischen Aminen imprägnierte Aktivkohle Patentschrift DE69420079
  • J. S. Spasov und J. I. Cline: Scalar and angular correlations in CF3NO photodissociation: statistical and nonstatistical channels. In: Journal of Chemical Physics 110, 1999, S. 9568–9577.
  • E. O. John u. a.: Difluorodinitrosomethane, ONCF2NO, and Hexafluorodinitrosopropane, ONCF2CF2CF2N0. In: Inorg Chem 31, 1992, S. 329–331.
  • R. C. White und L. J. Parcell: The Photolysis of Trifluoronitrosomethane. In: The Journal of Physical Chemistry 69, 1965, S. 4409–4410.
  • J. E. Boggs u. a.: The Dipole Moment of Trifluoronitrosomethane. In: The Journal of Physical Chemistry 68, 1964, S. 2383–2384.
  • M. I. Davis u. a.: An Electron Diffraction Study of Trifluoronitrosomethane. In: The Journal of Physical Chemistry 69, 1965, S. 3727–3730.

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.04.2021
Teilchenphysik
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte.
01.04.2021
Planeten - Elektrodynamik - Strömungsmechanik
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
30.03.2021
Kometen_und_Asteroiden
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
25.04.2021
Raumfahrt - Astrophysik - Teilchenphysik
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen.
25.03.2021
Quantenoptik
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
24.03.2021
Schwarze_Löcher - Elektrodynamik
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Astrophysik
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
23.03.2021
Supernovae - Teilchenphysik
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
23.03.2021
Teilchenphysik
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
19.03.2021
Festkörperphysik - Teilchenphysik
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.