Acebutolol

Strukturformel
Strukturformel von Acebutolol
1:1-Gemisch von zwei Stereoisomeren
Allgemeines
Freiname Acebutolol
Andere Namen
  • (±)-Acebutolol
  • (RS)-Acebutolol
  • DL-Acebutolol
  • rac-Acebutolol
  • (RS)-3-Acetyl-4-(2-hydroxy-3-
    isopropylaminopropoxy)butyranilid
  • (±)-3-Acetyl-4-(2-hydroxy-3-
    isopropylaminopropoxy)butyranilid
  • DL-3-Acetyl-4-(2-hydroxy-3-
    isopropylaminopropoxy)butyranilid
  • rac-3-Acetyl-4-(2-hydroxy-3-
    isopropylaminopropoxy)butyranilid
Summenformel C18H28N2O4
CAS-Nummer
  • 37517-30-9 (Racemat))
  • 68107-81-3 ((R)-Enantiomer)
  • 68107-82-4 ((S)-Enantiomer)
  • 34381-68-5 (Racemat, Hydrochlorid)
PubChem 1978
ATC-Code

C07AB04

DrugBank DB01193
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Betablocker

Wirkmechanismus

Blockade von β-Rezeptoren mit geringer β1-Selektivität und vorhandener intrinsischer Aktivität

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 336,43 g·mol−1
Schmelzpunkt

119–123 °C [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 312-332
P: 280 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 20/21/22
S: 36
LD50
  • 75,2 mg·kg−1 (Maus i.v.) (Racemat)[4][5]
  • 4 mg·kg−1 (Hund i.v.) (Racemat)[5]
  • 185 mg·kg−1 (Maus i.p.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 4050 mg·kg−1 (Maus p.o.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 53 mg·kg−1 (Maus i.v.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 291 mg·kg−1 (Maus s.c.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 222 mg·kg−1 (Ratte i.p.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 6620 mg·kg−1 (Ratte p.o.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 103 mg·kg−1 (Ratte i.v.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 1310 mg·kg−1 (Ratte s.c.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 41 mg·kg−1 (Kaninchen i.v.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
  • 296 mg·kg−1 (Kaninchen p.o.) (Racemat, Hydrochlorid)[5]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Acebutolol ist eine organische chemische Verbindung, die zu den Aromaten und Amiden zählt. Die Substanz wird als Arzneistoff der Gruppe der Betablocker eingesetzt.

Darstellung und Gewinnung

Die Herstellung von Acebutolol erfolgt in fünf Schritten.[5][6] Die Synthese geht vom 4-Aminophenol aus, dass im ersten Schritt mit Buttersäureanhydrid zum Säureamid 4-Butyramidophenol[7] und im zweiten Schritt mit Acetylchlorid zum O-Acetyl-4-butyramidophenol umgesetzt wird. Nach der Isomerisierung der Phenylacetatstruktur zur 2-Hydroxyacetophenonstruktur bei 140 °C in Gegenwart von Aluminiumchlorid erfolgt eine Veretherung mit Epichlorhydrin. Die Zielverbindung ergibt sich durch die Ringöffnung der Epoxyfunktion mit Isopropylamin. Die Synthesesequenz ergibt das Racemat.

Acebutolol synthesis 01.svg

Klinische Angaben

Acebutolol gehört zu der Gruppe der mittellangwirksamen Betablocker, mit einer Halbwertszeit von 4 bis 12 Stunden und einer Wirkdauer von bis zu 24 Stunden. Die Bioverfügbarkeit von Acebutolol beträgt 60 % und es weist eine geringe Selektivität für β1-Adrenozeptoren gegenüber anderen β-Adrenozeptoren auf. Es wird über die Niere ausgeschieden und sollte daher nicht bei Patienten mit Niereninsuffizienz gegeben werden.

Intrinsische sympathominetische Aktivität

Die Besonderheit von Acebutolol und einigen anderen Betablockern (Oxprenolol und Pindolol) besteht in der intrinsischen sympathomimetischen Aktivität (ISA).

Sonstige Informationen

Stereochemie

Acetolol hat ein chirales Zentrum, arzneilich verwendet wird das Racemat. Die beiden Enantiomere eines chiralen Arzneistoffes zeigen fast immer eine unterschiedliche Pharmakologie und Pharmakokinetik, was früher aus Unkenntnis über stereochemische Zusammenhänge oft ignoriert wurde.[8] Das aktive Stereoisomer (Eutomer) ist (S)-Form von Acebutolol.[9]

Literatur

  • T. Karow / R. Lang-Roth Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2003 S.62 - S.66
  • G. Herold Innere Medizin 2004

Einzelnachweise

  1. Thieme Chemistry (Hrsg.): Römpp Online. Version 3.1. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007.
  2. 2,0 2,1 2,2 Datenblatt Acebutolol hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 18. März 2011.
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. Acebutolol bei ChemIDplus
  5. 5,00 5,01 5,02 5,03 5,04 5,05 5,06 5,07 5,08 5,09 5,10 5,11 5,12 A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances - Synthesis, Patents, Applications, 4. Auflage (2000), Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9
  6. Patent GB 1247384 (May & Baker, 1967)
  7. Verma, K.K.; Tyagi, P.: in Anal. Chem. 56 (1984) 2157.
  8. Ariëns, EJ. (1984): Stereochemistry, a basis for sophisticated nonsense in pharmacokinetics and clinical pharmacology. In: Eur J Clin Pharmacol. 26(2); 663–668; PMID 6092093.
  9. Joni Agustiana, Azlina Harun Kamaruddina, Subhash Bhatiaa: Single enantiomeric -blockers—The existing technologies, Process Biochemistry 45 (2010) 1587–1604.

Handelsnamen

Monopräparate

Prent (D)

Kombinationspräparate

Acebutolol in Kombination mit Mefrusid: Sali-Prent (D), Acebutolol in Kombination mit Nifedipin: Tredalat (D)

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