Fritzscheit
Fritzscheit | |
Chemische Formel |
Mn[UO2|VO4]2 • 4 H2O[1] |
Mineralklasse | Oxide und Hydroxide (8. Auflage: Phosphate, Arsenate und Vanadate) 4.HB.15 (8. Auflage: VII/E.01) nach Strunz 40.02a.25.01 nach Dana |
Kristallsystem | orthorhombisch |
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin | orthorhombisch-dipyramidal 2/m 2/m 2/m[2] |
Farbe | rötlichbraun bis rot |
Strichfarbe | bräunlichweiß |
Mohshärte | 2,5 bis 3[3] |
Dichte (g/cm3) | 3,504 [3] |
Glanz | Glasglanz, Perlglanz |
Transparenz | durchscheinend bis durchsichtig |
Bruch | |
Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}; deutlich nach {100} |
Habitus | blättrige, tafelige Kristalle |
Weitere Eigenschaften | |
Radioaktivität | sehr stark |
Fritzscheit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ (ehemals „Phosphate, Arsenate, Vanadate“). Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Mn[UO2|VO4]2 • 4 H2O[1]. Da allerdings der Vanadatkomplex VO4 teilweise durch einen entsprechenden Anteil des Phosphatkomplexes PO4 diadoch ersetzt werden kann, wird in verschiedenen Quellen auch die Formel Mn2+(UO2)2(VO4,PO4)2 • 4 H2O[4] angegeben.
Fritzscheit entwickelt meist durchscheinende bis durchsichtige Kristalle von blättrigem bis tafeligem Habitus und rötlichbrauner bis roter Farbe bei bräunlichweißer Strichfarbe. Die Kristallflächen weisen einen glas- bis perlmuttartigen Glanz auf.
Besondere Eigenschaften
Das Mineral ist durch seinen Urangehalt radioaktiv und weist eine spezifische Aktivität von etwa 85 kBq/g [5] auf (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde das Mineral 1865 in der zur Gewerkschaft Vereinigt Feld im Fastenberg gehörigen Georg-Wagsfort-Fundgrube bei Johanngeorgenstadt im Erzgebirge (Sachsen) und beschrieben durch August Breithaupt, der es zu Ehren von Carl Julius Fritzsche (1808–1871), einem deutschen Chemiker und Professor der Universität St. Petersburg, Fritzscheit nannte. [6]
Klassifikation
In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehörte der Fritzscheit noch zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Uranylphosphate und Uranylvanadate“, wo er zusammen mit Autunit, Heinrichit, Kahlerit, Metanatroautunit, Novácekit, Sabugalit, Saléeit, Torbernit, Trögerit, Uranocircit, Uranospinit und Zeunerit eine eigene Gruppe bildete.
Seit der Überarbeitung des Strunz'schen Mineralsystematik in der (9. Auflage) sind jedoch viele Abteilungen neu definiert und präziser nach der Zusammensetzung und Struktur unterteilt worden, so dass sich das Mineral jetzt in der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und der Abteilung „V[5,6] (koordinierten) Vanadate“ befindet, wo es aufgrund seiner Kristallstruktur der Unterabteilung „Uranyl-Gruppenvanadate (Sorovanadate)“ zugeordnet ist. Hier bildet der Fritzscheit zusammen mit Curienit und Francevillit eine eigene Gruppe.
Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Fritzscheit nach wie vor in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Dort findet er sich als einziger seiner Gruppe in der unbenannten Unterabteilung 40.02a.25 der Abteilung der „Hydratisierten Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) • (H2O), mit (UO2)2+“.
Bildung und Fundorte
Über die genauen Bildungsbedingungen ist nichts bekannt, gefunden wurde der Fritzscheit allerdings in Hämatit-Lagerstätten.
Bisher wurde das Mineral nur an drei Fundorten nachgewiesen: Die Georg-Wagsfort-Fundgrube bei Johanngeorgenstadt in Deutschland, die auch als Typlokalität ausgewiesen wird; Autun in der französischen Region Burgund, sowie Nejdek im tschechischen Erzgebirge als zweite ausgewiesene Typlokalität.
Kristallstruktur
Fritzscheit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62) mit den Gitterparametern a = 10,59 Å; b = 8,25 Å und c = 15,54 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]
Vorsichtsmaßnahmen
Fritzscheit ist als radioaktives Mineral sehr gefährlich, da seine Strahlung im menschlichen Organismus krebserregend wirkt. Im Umgang mit dem Mineral ist daher größte Vorsicht geboten und Proben nur in staub- und stahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufzubewahren.
Da radioaktives Material nicht in den Körper gelangen darf, sollte jeglicher direkte Kontakt mit dem Mineral vermieden und zum Schutz gegen Berührung und unbeabsichtigtes Einatmen von Mineralstaub Mundschutz und Handschuhe getragen werden.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
- ↑ Webmineral - Fritscheite (englisch)
- ↑ 3,0 3,1 Mineraldatenblatt - Fritzscheite (englisch, PDF 60,7 kB)
- ↑ IMA/CNMNC List of Mineral Names - Fritzscheite (englisch, PDF 1,8 MB)
- ↑ Webmineral - Fritzscheite (englisch)
- ↑ tw.strahlen.org - Fritzscheit
Weblinks
Mineralienatlas:Fritzscheit (Wiki)