Adelit

Adelit

Adelit
Chemische Formel

CaMg[OH|AsO4][1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.BH.35 (8. Auflage: VII/B.26) nach Strunz
41.05.01.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dispenoidal; 222[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)
Farbe Farblos, Weiß, Grau, Bläulichgrau bis Gelblichgrau, Gelb, Hellgrün, Rosabraun bis Braun
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,71 bis 3,76 ; berechnet: [3,78][3]
Glanz Harzglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch uneben bis muschelig, spröde
Spaltbarkeit undeutlich
Habitus tafelige Kristalle; halbkugelige, körnige, massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {100}, {001}, {110}, {011}, {221}
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,712 ; nβ = 1,721 ; nγ = 1,731[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,019[4] ; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 68° bis 90°[4]

Adelit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaMg[OH|AsO4][1] und stellt damit das Arsenat-Analogon des Gottlobit (CaMg[OH|(VO4,AsO4)]) dar.

Adelit entwickelt zwar gelegentlich tafelige, nach der a-Achse gestreckte Kristalle, findet sich aber meist in Form halbkugeliger, körniger oder massiger Mineral-Aggregate. Die Kristalle sind spröde, brechen uneben oder muschelig wie Glas und ihre Flächen weisen einen harzähnlichen Glanz auf. Mit einer Mohshärte von 5 gehört Adelit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Apatit mit einem guten Messer noch ritzen lassen.

Reiner Adelit ist durchsichtig und farblos. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder multikristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Verunreinigungen bzw. Ionenaustausch in der Verbindung eine graue, bläulichgraue bis gelblichgraue, gelbe, hellgrüne oder rosabraune bis braune Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte

Benannt wurde Adelit nach dem griechischen Wort άδηλος [ˈaðilɔs] für verborgen, unbestimmt oder ungewiss (auch undeutlich) in Anlehnung an seine oft mangelhafte Transparenz.

Adelite wurde erstmals 1878 oder 1888 in der „Kittel Mine“ bei Nordmark in der schwedischen Gemeinde Filipstad entdeckt. Da allerdings für die Analyse des Minerals auch Material aus dem benachbarten Långban verwendet wurde, gilt auch dieser Ort als Typlokalität. Erstmals beschrieben wurde es 1891 durch Hjalmar Sjögren (1856-1922).[5]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Adelit zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er als Namensgeber die „Adelit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/B.26 und den weiteren Mitgliedern Austinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Kobaltaustinit, Konichalcit, Nickelaustinit und Tangeit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Adelit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen (OH usw.) : RO4 = 1 : 1“ zu finden ist, wo es ebenfalls die nach ihm benannte „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BH.35 und den weiteren Mitgliedern Arsendescloizit, Austinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Kobaltaustinit, Konichalcit, Nickelaustinit und Tangeit bildet.

Auch in der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana ist Adelit bei den „Wasserfreien Phosphaten etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ als Namensgeber der „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 41.05.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Adelit bildet sich, in metamorphen Eisen-Mangan-Erzkörpern, wo er meist in einer vom Eisenerz getrennten Schicht zusammen mit Hausmannit und anderen Mangan-Erzen auftritt. Je nach Fundort kann Adelit auch mit weiteren Mineralen in Paragenese gefunden werden, wie unter anderem mit Arsenoklasit, Braunit, Hedyphan, Fredrikssonit und Sarkinit in Långban; Hausmannit, Magnetit und gediegen Kupfer in der „Kittel Mine“ sowie Allaktit, Alleghanyit, Baryt, Calcit, Chlorophoenicit, Franklinit, Hodgkinsonit, Johnbaumit, Kraisslit, Rhodochrosit, Sphalerit, Svabit, Willemit und Zinkit in Franklin bzw. Sterling Hill im US-Bundesstaat New Jersey.[3]

Als seltene Mineralbildung konnte Adelit bisher nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, von denen gelten bisher (Stand: 2011) etwa 10 als bekannt gelten können. Neben seinen Typlokalitäten „Kittel Mine“ und Långban fand sich das Mineral noch in der „Jakobsberg Mine“, der „Moss Mine“ und der „Harstigen Mine“, die alle in der Gemeinde Filipstad liegen.

In Deutschland trat das Mineral bei Sankt Andreasberg im niedersächsischen Harz und in der „Grube Glücksstern“ am Gottlob bei Friedrichroda in Thüringen und in den USA neben den bereits erwähnten Fundorten Franklin und Sterling Hill in New Jersey noch in der „Mercur Mine“ im Oquirrh-Gebirge in Utah zutage.[4]

Kristallstruktur

Adelit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19) mit den Gitterparametern a = 7,52 Å, b = 8,89 Å und c = 5,85 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Hj. Sjögren: Contributions to Swedish mineralogy Part I: 8. Adelite a new basic arseniate from Nordmarken, Jakobsberg and Långban, Vermland, in: Bulletin of the Geological Institution of the University of Upsala, Vol. 1 (1892), S. 56-64 (PDF 365,9 kB)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 458.
  2. Webmineral - Adelite (englisch)
  3. 3,0 3,1 Handbook of Mineralogy - Adelite (nglisch, PDF 63,4 kB)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Mindat - Adelite (englisch)
  5. Naturhistoriska riksmuseet - Biographie über Hjalmar Sjögren von Ulf Hålenius (englisch)