Triamteren

Triamteren ist eine Pteridinverbindung also eine organisch-chemische Substanz mit mehreren Ringen aus Kohlenstoff und Stickstoff, die in der Medizin als Arzneistoff aus der Gruppe der kaliumsparenden Diuretika eingesetzt wird. Es fördert die Natrium-Ausscheidung über die Nieren, und hält durch seinen Wirkansatz am spätdistalen Tubuluslumen und am Sammelrohr, - also im letzten Teil der Harnproduktion -, Kalium im Körper zurück. Natrium bindet Wasser in einer Hydrathülle, so dass durch Einnahme von Triamteren vermehrt Wasser ausgeschieden wird.[1]

Strukturformel
Struktur von Triamteren
Allgemeines
Freiname Triamteren
Andere Namen
  • 6-Phenylpteridin- 2,4,7-triamin
  • 2,4,7-Triamino-6- phenylpyrazino[2,3-d]pyrimidin
  • Latein: Triamterenum
Summenformel C12H11N7
CAS-Nummer 396-01-0
PubChem 5546
ATC-Code

C03DB02

DrugBank DB00384
Kurzbeschreibung

Gelber Feststoff[2]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Kaliumsparendes Diuretikum

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 253,26 g·mol−1
Schmelzpunkt

316 °C [3]

Siedepunkt

>300 °C [2]

pKs-Wert
Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [7]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302-315-319-335
P: 261-​305+351+338 [7]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [8][2]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22-36/37/38
S: 26-36/37
LD50

285 mg·kg−1 (Maus, peroral) [3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Wirkweise

Es hemmt ebenso wie die Substanz Amilorid den aldosteronabhängigen epithelialen Natriumkanal im spätdistalen Tubulus. [9] In diesem Abschnitt des Tubulussystems werden Natriumionen passiv aus dem Harn resorbiert. Da diese Ionen eine positive Ladung besitzen, müssen im Austausch wieder positive Ladungen an den Harn abgegeben werden. Dies geschieht in Form von Kaliumionen. Wird nun die Natriumresorption durch Blockade des Kanals gehemmt, so wird sekundär die Kaliumausscheidung verringert.

Kombination mit anderen Medikamenten

Triamteren und andere kaliumsparende Diuretika werden in der Regel gemeinsam mit Thiazid-Diuretika angewandt. Je mehr Natriumionen hier im Harn vorliegen, desto mehr werden normalerweise resorbiert und desto mehr Kalium geht an dieser Stelle verloren. Da andere Diuretika größtenteils über eine Erhöhung der Natriumausscheidung (zu einem früheren Zeitpunkt im Tubulussystem) in den Harn wirken geht hier viel Kalium verloren - was durch Triamteren wie auch Amilorid verhindert werden kann. Deshalb wirken diese Diuretika auch umso stärker je mehr Natrium im Lumen vorliegt. verstärken also die Wirkung der Thiazid-Diuretika.

Der Wirkansatz ist am gleichen Kanal wie der der Aldosteron-Antagonisten. Trotzdem kann es sinnvoll sein sie in der Therapie zu kombinieren.

Handelsnamen

Kombinationspräparate

Beta-Turfa (D), Confit (A), Dehydro Sanol tri (D), Diucomb (D), Diuretikum Verla (D), Diu Venostasin (D), Dociteren (D), Dyrenium (CH, USA), Dytide H (D, A), Neotri (D), Nephral (D), Propra comp. (D), Triampur comp. (D), Triarese (D), Tri-Thiazid (D), Turfa gamma (D), zahlreiche Generika (D, A)

Einzelnachweise

  1. Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz Hofmann, Klaus Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 10, München ; Jena: Elsevier, Urban & Fischer 2009, ISBN 978-3-437-42522-6.
  2. 2,0 2,1 2,2 Datenblatt Triamteren bei AlfaAesar, abgerufen am 23. März 2010 (JavaScript erforderlich).
  3. 3,0 3,1 3,2 Triamteren bei ChemIDplus.
  4. 4,0 4,1  Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online - Version 3.1. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008.
  5. Pubchem: Triamterene - Compound Summary
  6. Sean Sweetman (Editor): Martindale: The Complete Drug Reference, 35th Edition: Book and CD-ROM Package. Pharmaceutical Press, ISBN 978-0-85369-704-6.
  7. 7,0 7,1 Datenblatt Triamterene bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 24. April 2011.
  8. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  9. Busch AE; Suessbrich H; Kunzelmann K; et al. (September 1996). "Blockade of epithelial Na+ channels by triamterenes - underlying mechanisms and molecular basis". Pflugers Arch. 432 (5): 760–6. doi:10.1007/s004240050196. PMID 8772124.
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