Hollandit

Erweiterte Suche

Hollandit
Hollandite-95021.jpg
Traubiger Hollandit aus der „Grube Sauberg“ bei Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirge (Sichtfeld: 5 mm)
Chemische Formel

Ba(Mn4+,Mn2+)8O16[1]

Mineralklasse Oxide und Hydroxide
4.DK.05 (8. Auflage: IV/D.08) nach Strunz
07.09.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch 2/m[2]
Farbe schwarz, grauschwarz bis silbergrau
Strichfarbe schwarz
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,95 ; berechnet: [4,93][1]
Glanz Halbmetall- bis Metallglanz, erdig matt
Transparenz undurchsichtig
Bruch spröde
Spaltbarkeit deutlich, prismatisch
Habitus prismatische Kristalle; radialstrahlige, faserige, traubige, nierige, massige Aggregate
Zwillingsbildung üblicherweise nach {101} oder {lO1}

Hollandit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung Ba(Mn4+,Mn2+)8O16[1], genauer BaMn2+Mn4+7O16[3].

In der Natur kommt Hollandit allerdings immer mit geringen Anteilen anderer Metallionen vor, daher wird die Formel in verschiedenen Quellen mit (Ba,K)(Mn,Ti,Fe)8O16[4] oder mit (Ba,K,Ca,Sr)(Mn4+,Mn3+,Ti,Fe3+)8O16[5] angegeben, wobei die in den Klammern angegebenen Elemente Kalium, Calcium und Strontium bzw. Titan und Eisen sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten können (Diadochie), jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen.

Hollandit ist in jeder Form undurchsichtig und entwickelt meist radialstrahlig-faserige, traubige bis nierige oder massige Mineral-Aggregate, aber auch prismatische Kristalle mit flachen, pyramidalen Enden von mehreren Zentimetern Länge. Auch in Form stalaktitischer Aggregate und als sternförmige Einschlüsse in Quarz kann Hollandit gefunden werden. Die Farbe von Hollandit schwankt zwischen schwarz, grauschwarz bis silbergrau, die Strichfarbe ist allerdings immer schwarz. Auf den Oberflächen frischer Proben zeigt sich ein halbmetallischer bis metallischer Glanz. Ältere und verwitterte oder massige Proben sind dagegen erdig matt.

Mit einer Mohshärte von 6 gehört Neptunit zu den mittelharten bis harten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Apatit mit einem Messer gerade noch ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Hollandit in der „Kajlidongri Mine“ (Jhabua Distrikt) im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh und beschrieben 1906 durch den Briten Lewis Leigh Fermor (1880–1954), der das Mineral nach Thomas Henry Holland (1868-1947) benannte, dem damaligen Direktor der „Geological Survey of India“.

Typmaterial des Minerals wird unter anderem in der Mineralogischen Sammlung der Ruhr-Universität Bochum aufbewahrt.[6]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hollandit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2“, wo er zusammen mit Ankangit, Cesàrolith, Coronadit, Henrymeyerit, Kryptomelan, Mannardit, Manjiroit, Priderit, Redledgeit und Strontiomelan eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Hollandit ebenfalls in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Akaganéit, Ankangit, Coronadit, Henrymeyerit, Manjiroit, Mannardit, Priderit und Redledgeit die nach ihm benannte „Hollanditgruppe“ mit der System-Nr. 4.DK.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hollandit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“, dort allerdings in die Abteilung der „Mehrfachen Oxide“ ein. Hier ist er zusammen mit Kryptomelan, Manjiroit, Coronadit, Strontiomelan und Henrymeyerit in der „Kryptomelangruppe (Hart, schwarz, feinkörnig)“ mit der System-Nr. 07.09.01 innerhalb der Unterabteilung der „Mehrfachen Oxide“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Beeindruckende Mehrfachparagenese aus Hollandit (schwarz), Baryt (weiß) und Vanadinit (rot) aus El Kwal am Moulouya bei Midelt in der marokkanischen Region Meknès-Tafilalet (Größe: 14,3 x 9,6 x 7,9 cm)
Netzwerkartiges, stalaktitisches Hollandit-Aggregrat aus Bisbee (Arizona), USA (Größe: 7,8 x 6,0 x 5,6 cm)
Sternförmige Hollanditinklusion in Quarz aus Madagaskar

Hollandit bildet sich als Primärmineral in kontaktmetamorph veränderten Manganerz-Lagerstätten, kann aber auch sekundär als Verwitterungsprodukt früher entstandener Manganminerale entstehen. Begleitminerale sind unter anderem Bixbyit, Braunit, Piemontit, Scheelit und Vanadinit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Hollandit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Insgesamt sind bisher (Stand: 2011) rund 200 Fundorte bekannt.[7] Neben seiner Typlokalität „Kajlidongri Mine“ bei Jhabua in Madhya Pradesh trat das Mineral in Indien noch in mehreren Lagerstätten in der Umgebung von Vizianagaram in Andhra Pradesh; bei Balaghat, Bhandara und Chhindwara im Typgebiet Madhya Pradesh; bei Bahdra und Nagpur in Maharashtra sowie bei Sundargarh in Orissa.

In Deutschland wurde Hollandit vor allem im Schwarzwald gefunden, so unter anderem bei Langenbrand, Wittichen, Eisenbach, Hammereisenbach und in der bekannten Grube Clara bei Oberwolfach. Des Weiteren konnte das Mineral auch bei Wölsendorf (Oberpfalz) in Bayern, Ober-Rosbach in Hessen, Allendorf (Sundern) und Müsen in Nordrhein-Westfalen, am Königsberg in Rheinland-Pfalz sowie bei Ehrenfriedersdorf in der historischen Bergbaulandschaft Graul und bei Kamenz in Sachsen nachgewiesen werden.

In Österreich fand sich das Hollandit bisher bei Badersdorf im Burgenland; im Friesacher Bürgergiltsteinbruch, am Hüttenberger Erzberg und am Sonntagsberg bei Sankt Veit an der Glan in Kärnten sowie auf der Huteralm im Tiroler Ködnitztal.

In der Schweiz trat das Mineral bisher nur bei Falotta in der Bündner Gemeinde Tinizong-Rona und bei Pipjitälli am Pipji-Gletscher im Turtmanntal (Kanton Wallis) auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Australien, Belgien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, China, Costa Rica, Fidschi, Frankreich, Griechenland, Irland, Israel, Italien, Japan, Jordan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Norwegen, Pakistan, Polen, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[8]

Kristallstruktur

Hollandit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe I2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 10,01 Å; b = 2,87 Å; c = 9,75 Å und β = 91,2° sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[4]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Handbook of Mineralogy - Hollandite (englisch, PDF 66,6 kB)
  2. Webmineral - Hollandite (englisch)
  3. Database-of-Raman-spectroscopy - Hollandite (Probe aus der Tangen Mine, Hurdalsjoen, Nannestad, Akershus, Norwegen von James Shigley)
  4. 4,0 4,1  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 226.
  5. IMA/CNMNC List of Mineral Names - Hollandite (englisch, PDF 1,8MB; S. 122)
  6. Ruhr-Universität Bochum - Publikationen unter Verwendung von Materialien aus der Mineralogischen Sammlung (W. Schreyer, A.-M. Fransolet, H.-J. Bernhardt (2001): Hollandite-strontiomelane solid solutions coexisting with kanonaite and braunite in late quartz veins of the Stavelot Massif, Ardennes, Belgium, in: Contributions to Mineralogy and Petrology, Band 141, S. 560-571)
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Hollandit
  8. Mindat - Hollandite (englisch)

Literatur

Weblinks

 Commons: Hollandite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference
  • Mineralienatlas:Hollandit (Wiki)

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.09.2021
Quantenoptik | Teilchenphysik
Lichtinduzierte Formänderung von MXenen
Licht im Femtosekundenbereich erzeugt schaltbare Nanowellen in MXenen und bewegt deren Atome mit Rekordgeschwindigkeit.
30.08.2021
Astrophysik | Optik
Neue mathematische Formeln für ein altes Problem der Astronomie
Dem Berner Astrophysiker Kevin Heng ist ein seltenes Kunststück gelungen: Auf Papier hat er für ein altes mathematisches Problem neue Formeln entwickelt, die nötig sind, um Lichtreflektionen von Planeten und Monden berechnen zu können.
31.08.2021
Quantenoptik | Thermodynamik
Ein Quantenmikroskop „made in Jülich“
Sie bilden Materialien mit atomarer Präzision ab und sind vielseitig einsetzbar: Forschende nutzen Rastertunnelmikroskope seit vielen Jahren, um die Welt des Nanokosmos zu erkunden.
30.08.2021
Quantenphysik | Thermodynamik
Extrem lang und unglaublich kalt
Bei der Erforschung der Welleneigenschaften von Atomen entsteht am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen für wenige Sekunden einer der „kältesten Orte des Universums“.
25.08.2021
Quantenoptik
Laserstrahlen in Vakuum sichtbar gemacht
Einen Lichtstrahl kann man nur dann sehen, wenn er auf Materieteilchen trifft und von ihnen gestreut oder reflektiert wird, im Vakuum ist er dagegen unsichtbar.
18.08.2021
Quantenphysik
Suprasolid in eine neue Dimension
Quantenmaterie kann gleichzeitig fest und flüssig, also suprasolid sein: Forscher haben diese faszinierende Eigenschaft nun erstmals entlang zweier Dimensionen eines ultrakalten Quantengases erzeugt.
18.08.2021
Teilchenphysik
Verwandlung im Teilchenzoo
Eine internationale Studie hat in Beschleuniger-Daten Hinweise auf einen lang gesuchten Effekt gefunden: Die „Dreiecks-Singularität“ beschreibt, wie Teilchen durch den Austausch von Quarks ihre Identität ändern und dabei ein neues Teilchen vortäuschen können.
18.08.2021
Plasmaphysik
Ein Meilenstein der Fusionsforschung
Am Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) in Kalifornien ist in diesen Tagen ein Durchbruch in der Fusionsforschung geglückt.
16.08.2021
Festkörperphysik | Quantenoptik
Ultraschnelle Dynamik in Materie sichtbar gemacht
Ein Forschungsteam hat eine kompakte Elektronen-„Kamera“ entwickelt, mit der sich die schnelle innere Dynamik von Materie verfolgen lässt.
16.08.2021
Elektrodynamik | Teilchenphysik
Wie sich Ionen ihre Elektronen zurückholen
Was passiert, wenn Ionen durch feste Materialien geschossen werden?