Leopold Gmelin

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Leopold Gmelin

Leopold Gmelin (* 2. August 1788 in Göttingen; † 13. April 1853 in Heidelberg) war ein deutscher Chemiker. Gmelin war Professor an der Universität Heidelberg und arbeitete unter anderem über Ferricyankalium, das gelbe Blutlaugensalz.

Leben und Werk

Gmelin war ein Sohn des Mediziners, Botanikers und Chemikers Johann Friedrich Gmelin und dessen Ehefrau Rosine Schott. Er studierte an der Universität Tübingen u.a. bei Ferdinand Gottlieb von Gmelin (ein Cousin) und Carl Friedrich Kielmeyer (Ehemann einer Cousine). Mit Unterstützung Kielmeyers wechselte Gmelin an die Universität Göttingen und wurde später dort Assistent im Labor von Friedrich Stromeyer. 1812 absolvierte er bei letzterem erfolgreich sein Examen.

Gmelin kehrte nach Tübingen zurück und wurde 1811 von Joseph Franz von Jacquin an die Universität Wien geholt. Schwerpunkt von Gmelins Forschung war u.a. das Schwarze Pigment von Ochsen- und Kälberaugen; Ergebnis dieser Arbeiten war dann auch Thema seiner Dissertation. 1812 kehrte Gmelin erneut nach Tübingen zurück. 1813 unternahm Gmelin eine ausgedehnte Studienreise nach und durch Italien. Nach seiner Rückkehr wirkte er aushilfsweise als Privatdozent an der Universität und konnte Ende 1813 in Göttingen seine Habilitation vorlegen. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres übernahm er dort auch eine Professur.

Im Frühjahr 1815 reiste er studienhalber nach Paris an die Sorbonne. Durch seinen Cousin Christian Gottlob Gmelin, der dort lehrte, machte er die Bekanntschaft von René-Just Haüy, Joseph Louis Gay-Lussac, Louis Jacques Thénard und Louis-Nicolas Vauquelin.

1816 heiratete Gmelin in Kirchheim (Heidelberg) Luise, eine Tochter des Kirchheimer Pastors Johann Conrad Maurer; der Jurist Georg Ludwig von Maurer wurde sein Schwager. Aus dieser Ehe kamen drei Töchter und ein Sohn, darunter Auguste, die spätere Ehefrau des Mediziners Theodor von Dusch.

Als 1817 der Chemiker Martin Heinrich Klaproth in Berlin starb, sollte eigentlich Gmelin seine Nachfolge antreten. Allerdings lehnte er ab und wurde dafür Ordinarius für Chemie an der Universität Heidelberg. Dort entwickelte sich mit der Zeit eine enge Zusammenarbeit mit Friedrich Tiedemann. Die beiden veröffentlichten 1826 „Die Verdauung nach Versuchen“ und legten damit den Grundstein der physiologischen Chemie. Auf dem Gebiet der Verdauungschemie entdeckte Gmelin später mehrere Bestandteile der Galle und führte einen nach ihm benannten Gallenfarbstofftest ein. Als Friedrich Wöhler 1825 an komplexen Cyanverbindungen arbeitete, assistierte ihm Gmelin und entdeckte dabei das Blutlaugensalz.

1817 konnte Gmelin den ersten Band seines Handbuchs der Chemie veröffentlichen. 1843 war das Werk in der vierten Auflage auf 9 Bände angewachsen. In dieser Auflage nahm Gmelin die Atomtheorie an und widmete wesentlich mehr Raum der an Bedeutung gewinnenden organischen Chemie. Die Begriffe Ester und Ketone wurden von Gmelin eingeführt.

Mit beinahe 65 Jahren starb Leopold Gmelin am 13. April 1853 in Heidelberg und fand dort auf dem Bergfriedhof seine letzte Ruhestätte. Die Grabanlage befindet sich in der (Abt. E). Hier ruhen auch seine Frau Luise Gmelin geb. Maurer und weitere Anverwandte.

Grabanlage Leopold Gmelin auf dem Heidelberger Bergfriedhof in der (Abt. E)

Trivia

  • 1822 wurde Gmelin vom Maler Jakob Wilhelm Roux porträtiert; Carl Barth schuf davon einen Kupferstich, der dann auch größere Verbreitung fand.
  • 1957 schuf der Bildhauer Rudolf Daudert (1903-1988) eine Büste von Leopold Gmelin für das nach diesem benannten Gmelin-Institut.

Werke (Auswahl)

Gmelin gab das Handbuch der theoretischen Chemie heraus, das als Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie bis 1997 in ca. 800 Bänden, produziert vom Gmelin-Institut, erschien und von der Gesellschaft Deutscher Chemiker als Datenbank fortgeführt wird.

Literatur

  • Claude K. Deischer: Gmelin, Leopold. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band 5, Charles Scribner’s Sons, Detroit 2008, S. 429-432 (online).
  • August Hirsch: Gmelin, Leopold. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9. Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 272 f.
  • Erich Pietsch: Gmelin, Leopold. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, S. 480 f.
  • Friedrich Rosmäsler: Gallerie der vorzüglichsten Ärzte und Naturforscher Deutschlands. Perthes, Gotha 1831 (2 Bde.; darin Dauderts Gemälde).
  • Bernd Wöbke: Das Portrait: Leopold Gmelin (1788-1853). In: Chemie in unserer Zeit. 22, Nr. 6, 1988, S. 208–216. doi:10.1002/ciuz.19880220605.
  • Petra Renate Stumm: Leopold Gmelin (1788 - 1853). Leben und Werk eines Heidelberger Chemikers. Universität Heidelberg, Dissertation, 2011 (online)
  • Petra Stumm: "Leopold Gmelin (1788 - 1853). Leben und Werk eines Heidelberger Chemikers. Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Centaurus Verlag & Media, Quellen und Studien Bd.33, 2012. 800 S. 35 Abb. 210 mm, kartoniert

Weblinks

 Commons: Leopold Gmelin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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