Chemiestudium


Chemiestudium

Als Chemiestudium wird die Ausbildung zum Diplom-Chemiker oder Lehramtskandidaten an einer Universität oder Hochschule bezeichnet. Zudem gibt es neue Bachelor- und Masterstudiengänge in der Chemie als weitere Ausbildungsmöglichkeit.

Geschichtliches zum Chemiestudium

Das reine wissenschaftliche Chemiestudium entwickelte sich erst unter den Lehrern Justus Liebig (Theoretiker der Düngelehre) und Karl Wilhelm Gottlob Kastner um 1844 aus gewerblich-handwerklichen Disziplinen bzw. aus chemischen Unterbereichen des Medizinstudiums zu einem reinem Chemiestudium mit Laboratoriumsunterricht an Universitäten. [1]

Zwischen 1848–1854 traten schwere Missernten in der Landwirtschaft in Deutschland auf; die Regierungen meinten, dass die revolutionären Stimmungen, die in der Revolution von 1848 zum Ausdruck kamen, in der Bevölkerung durch die Verschlechterung der landwirtschaftlichen Erträge mit ausgelöst worden seien. Darauf erfolgte eine stetige Unterstützung der Hochschulchemie nach den Ideen von Justus Liebig.[2]

Für die ersten Hochschullehrer war der innere Drang zur Wahrheitsfindung für eine Befähigung zu einem Chemiestudium ausschlaggebend. Eine innovative Einstellung, die auf wissenschaftlichem Arbeiten und Beobachten sowie logischem Ableiten und Hypothesenbildungen basierte, war Grundvoraussetzung für den Zugang zum Chemiestudium. Die Vorstellung durch eine chemische Erfindung viel Geld zu verdienen, war zwar ausgeprägt, jedoch nicht alleiniges Ziel der Studenten.

Justus von Liebig kritisierte die Gedanken von Francis Bacon, die Wissenschaft nur als nutzorientiert, zum wirtschaftlichen Vorteil zu betrachten:

„Der Grundsatz, der nach Zwecken der Nützlichkeit fragt, ist der offene Feind der Wissenschaft, welche die Wahrheit und nach Gründen sucht, und wir wissen mit Bestimmtheit, welche Stufe der Civilisation ein sonst begabtes Volk erreichen kann, welches die praktischen Ziele höher, als die der Wissenschaft gestellt hat. … Selbst ein Schuhmacher, sei er noch so geschickt, wird, wenn er einen schlechten Charakter besitzt seinen Kunden schlechte Schuhe machen, weil es sehr viel schwerer ist gute als schlechte Schuhe zu machen, denn für gute Schuhe muß er gutes Leder wählen, und mit Sorgfalt auf die Arbeiten sehen, und so wird er stets nur nach seinem Nutzen fragen; sein Talent und seine Geschicklichkeit werden sich gegen uns wenden, die ihm vertrauen schenken, und er wird es vorziehen, wo er kann, den schlechten Schuhen das Aussehen guter zu geben, und uns im Stoff und in der Arbeit betrügen.“

Justus Liebig: [3]

Andere Chemiker - wie beispielsweise Friedrich Bergius - hatten jedoch durchaus eine wirtschaftliche Sicht zur Chemie und Wissenschaft.

Zwischen 1870 und 1900 gab es Diskussionen um die Inhalte des Chemiestudiums. Industrievertreter wünschten eine praxisnahe Ausbildung und vergleichbare Abschlüsse. Hochschullehrer wie Adolf von Baeyer oder Wilhelm Ostwald wünschten sich die Bewahrung der Freiheit in der Forschung.

Der Physikochemiker Paul Günther schrieb 1963: „Erkennen gilt als der edelste und menschlichste Akt, sofern dabei Gehalte erfaßt werden, in denen sich der Mensch entfaltet und an denen er sich innerlich bereichert.“[4]

Bis zum heutigen Tage schult das anorganisch-analytische Praktikum logisches Denken und exaktes wissenschaftliches Arbeiten und ist damit der erste große praktische Befähigungsnachweis für ein Chemiestudium.

In der Frühphase der Chemie (nach 1872) waren die Berufsaussichten für Chemiker noch keineswegs günstig, viele ausgebildete Chemiker lagen auf der Straße und das Fach war als Wissenschaft noch keineswegs anerkannt. So lebte Friedrich August Kekulé als Privatdozent bei Bunsen in Heidelberg völlig vom eigenen Geld und bezahlte seine Forschungen und die Miete für das Labor aus eigener Tasche.[2] Von 1888 bis 1914 stieg die Zahl der Chemiestudenten drastisch an. Die Chemiestudenten kamen fast ausnahmslos aus dem Bürgertum, Söhne aus dem Adel oder der Arbeiterschaft gab es kaum. Ein zehnsemestriges Studium kostete 1913 mit Prüfungsgebühren etwa 10.000 Mark.

Datei:Chemisches Labor1898.jpg
Chemisches Labor der Universität Leipzig, 1898

Im Jahr 1888 gab es in Deutschland 20 Universitäten mit einem Chemiefachbereich und 9 Technische Hochschulen. Zwischen den mehr wissenschaftlich orientierten Hochschulen und den stärker praxisorientierten Technischen Hochschulen – insbesondere bei der Einführung des Lehrfaches Technische Chemie – entzündete sich damals ein Disput über die Vorzüge der Hochschultypen.[5]An den Technischen Hochschulen wurde zusätzlich auch Maschinenlehre, Baukonstruktion und Maschinenzeichnen unterrichtet.

Schon um 1900 umfasste das Chemiestudium die klassische Laborarbeit mit qualitativen und quantitativen anorganischen Analysen und organisch-präparativen Praktika. Auch Physik, Biologie, Mathematik und später auch verstärkt physikalische Chemie wurden gelehrt. Nach durchschnittlich zwei Jahren wurde das mündliche Vordiplom absolviert, nach einem oder zwei weiteren Jahren wurde die Diplomarbeit abgeschlossen. Abschluss des Chemiestudiums war die Promotion zum Doctor philosophiae (Dr. phil.) oder zum Doctor rerum naturalium (Dr. rer. nat.) wozu man 8–10 Semester benötigte.

Im Jahr 1913 waren 3240 Chemiestudenten an den deutschen Universitäten immatrikuliert. Jährlich verließen etwa 320 Chemiker die Universitäten. Nach dem Rückgang der Chemiestudenten im Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Chemiestudenten schnell an und erreichte im Jahr 1922 mit 7325 Studenten und 1923 mit 1000 Chemieabsolventen einen Höhepunkt. 1927 verdüsterten sich die Aussichten für junge Chemiker, 2000 Chemiker waren arbeitslos – auch wenn Industriechemiker wie Carl Bosch betonten, dass Chemiker auch in schlechten Wirtschaftsjahren eingestellt und sie mitunter für eine Weile „auf Eis gelegt“ würden.

Von 1950 bis 1985 war die Arbeitslosigkeit bei Chemikern sehr gering. 1969 gab es in den alten Bundesländern über 8800 Chemiker, die eine Anstellung in der Chemieindustrie gefunden hatten. Weitere 8000 hatten eine Anstellung an den Universitäten im Bereich Forschung und Lehre. Auch in anderen Bereichen der Wirtschaft sowie in staatlichen und kommunalen Untersuchungsämtern fanden Chemiker Beschäftigung. Die Gesamtzahl der Chemiker lag damals – in den alten Bundesländern – bei 20.000.[6]

In den alten Bundesländern studierten mehr Männer als Frauen, auch in der Chemieindustrie wurden aufgrund der nötigen Anforderungen im Beruf männliche Bewerber bevorzugt. In den sechziger und siebziger Jahren lag der prozentuale Anteil der Chemiestudentinnen bei nur ca. 10 %. Noch im Jahr 1989 gab es nur 17,5 % Doktorandinnen in Chemie. In der DDR (bzw. den neuen Bundesländern) war die Zahl der männlichen Studenten (1325) und weiblichen Studentinnen (1350) in der Chemie im Jahr 1990 ausgeglichen; die Studentenzahl war jedoch planerisch festgelegt worden. In den alten Bundesländern lag die Zahl der Chemiestudenten im gleichen Jahr 1990 – auch bedingt durch die geburtenstarken Jahrgänge - bereits bei 36.400 (etwa ein Faktor 15 im Vergleich zu den neuen Bundesländern).

Seit Mitte der achtziger Jahre hatten sich die Arbeitsmarktchancen für Chemiker in den alten Bundesländern verschlechtert. 1983 lag die Zahl der Promotionen noch um 1000 pro Jahr, 1992 schon bei über 2200 pro Jahr. Anfang der neunziger Jahre blieben über 20 % der bei der GDCh gemeldeten Chemieabsolventen stellungssuchend.[7] Die exakte Zahl war vermutlich noch höher – wie dies auch die Arbeitslosenquoten der Bundesanstalt für Arbeit zeigten –, da nicht alle Absolventen Mitglieder der GDCh waren, bzw. eine Untererfassung beim Arbeitsmarktzugang von 200–300 Absolventen auftrat.

Im Jahr 1993, der schwersten Arbeitsmarktkrise für Deutschlands Chemiker seit 1929, gab es eine Diskussionsrunde bei der GDCh über „Berufsperspektiven und Studienanfänger“.[8]. Der Tenor der Diskussion war, dass die Neueinstellungen der Chemieindustrie auf 50 % gesenkt werden müssten, neue Tätigkeitsfelder für Chemiker erschlossen werden sollten (zum Beispiel bei Banken und Versicherungen), vorab eine stärkere Selektion und der „Mut zum Studienwechsel“ für weniger talentierte Chemiestudenten gestärkt werden sollte.

Im Jahr 2005 lag die Arbeitslosigkeit für Chemiker in den alten Bundesländern bei 9,1 %, in den neuen Bundesländern jedoch bei 24,3 %. 2009 lag die Arbeitslosenquote für promovierte Chemiker laut GdCh bei 8 %.[9]

Allgemeines

Voraussetzungen

Chemiestudenten sollten keine besondere Empfindlichkeit gegenüber gängigen Laborchemikalien besitzen und in der Lage sein, mehrere Stunden im Stehen zu arbeiten.

Beim Studiengang Biochemie kann es sein, dass im Grund- oder Hauptstudium zoologische Übungen vorgesehen sind, was unter Umständen die Sektion (fast immer) und Tötung (sehr selten) von Versuchstieren beinhaltet.

Zeitaufwand

Der Studiengang Chemie ist bekannt für den hohen Zeitaufwand, der vor allem durch die verschiedenen Laborpraktika bedingt ist. Die Arbeitstage umfassen oft die Zeit von 8 Uhr bis 18 Uhr. Häufig schließt sich daran noch die Erstellung von Versuchsprotokollen zu besagten Laborpraktika und die Bearbeitung von Übungsaufgaben an; daneben fordern semesterweise durchgeführte Klausuren weiteren Lernaufwand.

Zulassungsbeschränkungen

Bundesweite Zulassungsbeschränkungen existieren nicht. Das Chemiestudium (Diplom, Staatsexamen, Bachelor) ist auch in den letzten 10 Jahren nicht durch Numeri clausi belegt gewesen, allerdings wurde in Bochum aufgrund hoher erwarteter Bewerberzahlen durch das Abitur ab 2013 ein Zulassungsbeschränkung beantragt, welche ab dem Wintersemester 2011/2012 in Kraft tritt.[10] An der RWTH Aachen gibt es seit dem Wintersemester 2009/2010 einen Numerus clausus für den Bachelor-Studiengang.[11] Lebensmittelchemie ist an einigen Hochschulen zugangsbeschränkt. Jedoch wird hier auch ein Großteil der Bewerber zugelassen, da die Bewerberzahl relativ niedrig ist.

Studienrichtungen wie Biochemie oder Wirtschaftschemie haben häufig lokale, d. h. von der Hochschule festgelegte, Zulassungsbeschränkungen. Informationen hierzu sind von der Wunschhochschule (Chemiefakultät, Studienberatung) zu erfahren.

Studiengang Diplom-Chemie

Der Studiengang Chemie existiert in Deutschland an Universitäten und Fachhochschulen. Üblicherweise wird er mit dem akademischem Grad Diplom-Chemiker oder neuerdings mit dem Bachelor/Master of Science abgeschlossen. Daneben kann man Chemie meist auch als Nebenfach in einem Magisterstudium belegen. Besonders bei Technischen Hochschulen/Universitäten ist auch der Abschluss Diplom-Ingenieur Chemie (in der Regel in Verbindung mit Pflichtvorlesungen und einer Diplomprüfung in Technischer Chemie) möglich. Neben Vorlesungen und Übungen sind die chemischen Praktika wesentlicher Bestandteil des Chemiestudiums. Durch eine Vielzahl von Klausuren (je Fach etwa zwei), mündlichen Zwischenprüfungen und erfolgreich bestandenen Praktika wird der Chemiestudent in seinen Leistungen von Hochschulprofessoren bewertet. Viele Jungstudenten haben Schwierigkeiten bei den chemischen Praktika. Insbesondere die komplexen Vollanalysen, durch die der Student lernt, sorgfältig und gewissenhaft zu arbeiten und die Beobachtungen detailliert zu analysieren und Hypothesen zu stellen, sind eine gewisse Hürde für einige Chemiestudenten. In den Semesterferien bereiten sich Chemiestudenten intensiv auf die mündlichen Hauptprüfungen in Anorganischer Chemie, Organischer Chemie, Physikalischer Chemie, Experimentalphysik, Analytischer Chemie, Biochemie vor. Bei jeder dieser Prüfungen muss der Student die Kenntnisse des gesamten jeweiligen Fachspektrums (etwa ein Lehrbuch mit 300-400 Seiten) nachweisen können. Das Grundstudium schließt mit der Diplomvorprüfung, nach der der Student ein Vordiplomzeugnis erhält, ab. Üblicherweise ist die Reihenfolge der Lehrveranstaltungen im Grundstudium größtenteils festgelegt. Das Vordiplom dauert normalerweise vier Semester.

Mit Abschluss des Vordiploms erhält der Student ein Vordiplomzeugnis. Anschließend folgt das Hauptdiplom, welches ebenfalls normalerweise vier Semester dauert. Im Hauptdiplom kann sich der Student auf ein Fachgebiet spezialisieren und dort seine Diplomarbeit anfertigen. In der Diplomarbeit muss der Student innerhalb von eines halben bis ganzen Jahres seine wissenschaftlichen Fähigkeiten in der Chemie nachweisen.

Im Jahr 2005 wurde die Studienzeit von neun Semestern von vielen Studenten überschritten. Besonders lange Durchschnittsstudienzeiten (teilweise über 12 Semester) weisen beispielsweise die Chemiefakultäten der Universitäten von Essen, Frankfurt, TU-Berlin, Duisburg auf.

Studienfächer

Die Inhalte im Grund- und Hauptstudium variieren je nach Hochschulort etwas. Manches was unter Grundstudium wiedergegeben wird, ist an einem anderen Hochschulort Stoff des Hauptstudiums und umgekehrt.

Außerdem sind die Pflichtfächer im Hauptstudium unterschiedlich festgelegt. An einigen Universitäten ist in der Regel Technische Chemie ein Pflichtfach oder es gibt besondere fachübergreifende Synthesepraktika. Außerdem ist an manchen Universitäten Theoretische Chemie in die Physikalische Chemie integriert, an anderen ist es eigenständiges (Pflicht)fach. Ferner gibt es eine große Fülle an Wahlpflichtfächern, das Angebot an den einzelnen Hochschulorten variiert jedoch sehr stark in Abhängigkeit von den sonst gelehrten Fächern.

Allgemeine und Anorganische Chemie wird in der Regel zusammen gelehrt und nicht als getrennte Fächer.

In der Regel kommen noch Rechtsgebiete für Chemiker und Toxikologie hinzu. Damit wird die Sachkunde nach der Chemikalien-Verbotsverordnung erworben, wenn die Vorlesungen von der zuständigen Landesbehörde anerkannt sind und der Besuch im Vor- oder Hauptdiplomzeugnis vermerkt wird.

Statistik der Chemiestudierenden

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker führt Jahr für Jahr sehr umfangreiche Erhebungen über die Zahl von Chemiestudenten und der diplomierten und promovierten Chemiker an Universitäten und Technische Hochschulen durch.[12] Ferner werden Statistiken über den beruflichen Verbleib von Chemieabsolventen geführt.

Durch die Umstellung der Diplomstudiengänge in Bachelor-, Masterabschlüsse ab dem Jahre 2000 ist die Auswertung jedoch schwieriger geworden, da einige Chemiestudenten sowohl den Diplom- wie auch den Masterstudiengang gewählt haben, bzw. Studenten die vor der Reform ihr Diplomstudium begonnen haben in das neuen Bachelor-, Mastersystem überwechseln. Zukünftig wird es jedoch nur Bachelor-, Masterstudiengänge in Chemie geben, so dass die Statistik wieder klarer wird.

Zwischen 1980 – 1985 hatte die Zahl der Chemiestudenten – bedingt durch die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1960 – 1965 – stark zugenommen. Da in diesen Jahren Lehramtsstudenten für Schulen weniger gefragt waren, wählten Abiturienten andere Studiengänge wie Informatik, Rechts-,Wirtschaftswissenschaften, Chemie. Die Zahl der Studienanfänger in Chemie blieb zwischen 1980 – 1991 sehr hoch (teilweise über 6500 Anfänger pro Jahr), schwächte sich seit 1993 ab. Zwischen 1993 – 1999 begannen jährlich nur noch ca. 3000 Abiturienten und Sonstige ein Chemiestudium.

Die Aufnahmekapazität bei den Arbeitgebern (Chemieindustrie, übrige Wirtschaft, Hochschulen, Öffentlicher Dienst) war begrenzt, so dass es Anfang 1990 bis 1998 zu einer hohen Beschäftigungslosigkeit bei Chemieabsolventen kam.

An 56 Universitäten und Technischen Hochschulen kann Chemie studiert werden.

Im Jahr 2008 begannen 4229 Abiturienten und Sonstige ihr Chemiestudium in einem Bachelor-Studiengang, 722 in einem Diplomstudiengang. 41 % der Studienanfänger waren weiblich, 8 % waren Ausländer.

Die Gesamtzahl aller Studenten in Chemie betrug am 31. Dezember 2008 26.978.

Im Jahr 2008 bestanden 1549 Studenten ihr Vordiplom, 1607 bestanden ihr Diplom. Die Studiendauer bis zum Diplom betrug durchschnittlich (exklusiv Extremstudenten mit sehr langer Studienzeit) 10,5 Semester. 89 % der Diplomchemiker begann mit der Anfertigung einer Doktorarbeit, 8 % nahmen eine Beschäftigung auf. 602 Studenten erhielten den Bachelorabschluss, 246 Studenten erreichten einen Masterabschluss in Chemie.

Im Jahr 2008 gab es 1384 Promotionen in Chemie. Die durchschnittliche Studiendauer bis zur Promotion lag bei 18,6 Semestern. Seit dem Jahr 1999 ist die Zahl der ausländischen Doktoranden kräftig angestiegen. Zwischen 2003 - 2006 lag der prozentuale Anteil um 25 % (im Vergleich zu ca. 5 % in den neunziger Jahren).

Von den promovierten Chemikern fanden 36 % eine Anstellung in der chemischen Industrie, 9 % in der übrigen Wirtschaft, 18 % erhielten eine zunächst befristete Stelle in der Industrie, 20 % gingen ins Ausland, 5 % blieben im Forschungsbereich an der Universität, 4 % bekamen eine Stelle im öffentlichen Dienst, 6,7 % waren noch stellungssuchend.

Die Vorstellung, dass der Übergang von der Promotion in einen sicheren Arbeitsplatz in der chemischen Großindustrie, in den Öffentlichen Dienst problemlos verläuft, entpuppte sich in den letzten Jahren als Illusion. Viele Unternehmen sind umstrukturiert worden und die Konzerne investieren auch verstärkt im Ausland. Vom Jungchemiker wird erwartet, dass er unternehmerisch denken kann, möglicherweise Ideen zur Gründung eines eigenen Unternehmens hat. An der Universität in Karlsruhe gibt es sogar das Unterrichtsfach "Chemical-Entrepreneurship" zur Verbesserung der Gründermentalität bei Chemikern.[13]

Statistik der Chemiestudenten an Fachhochschulen

An 21 Fachhochschulen kann Chemie- und Chemieingenieurwesen studiert werden. Die 1644 Studienanfänger beginnen ihr Studium im Bachelor-Studiengang. An den Fachhochschulen studieren 5836 Personen, davon 43% Frauen. 734 Studenten bestanden die Diplomprüfung, 130 Studenten legten ihre Bachelorprüfung ab, 69 Studenten ihre Masterprüfung. Die durchschnittliche Studienzeit bis zum Diplom betrug 8,8 Semester.

Vom Verbleib der Chemieingenieure in der Wirtschaft gibt es nur unsichere Daten (von ca. 45% der Absolventen). 70% fanden sofort einen Berufseinstieg (58% in der chemischen Industrie, 29% in der übrigen Wirtschaft), 12% waren stellensuchend, weitere 12% begannen ein Zweitstudium, 6% begannen an einer Universität mit ihrer Doktorarbeit.

Studiengang Biochemie

Diplom-Studiengang

Grundstudium

Das Grundstudium im Diplom-Studiengang Biochemie ähnelt dem Grundstudium Chemie (Diplom) sehr.

Es sind folgende Fächer durch Lehrveranstaltungen enthalten.

  • Allgemeine Chemie
  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Physikalische und Theoretische Chemie
  • Biochemie
  • Experimentalphysik mit Mathematischen Grundlagen
  • Biologie

Der Umfang der Physik und der Theoretischen und Physikalischen Chemie ist hierbei gegenüber dem Diplomstudiengang Chemie etwas reduziert, Biochemie und Grundlagen der Biologie kommen dafür hinzu.

Hauptstudium

Im Hauptstudium sind enthalten

  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Biochemie
  • Vertiefungen

Die Diplomarbeit dauert 6 Monate.

Bachelorstudium

Im Bachelor of Science sind ebenfalls die klassischen Elemente des Grundstudiums enthalten:

  • Allgemeine und Analytische Chemie
  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Physikalische und Theoretische Chemie
  • Makromolekulare Chemie
  • Experimentalphysik mit Mathematischen Übungen
  • Grundlagen der Biologie
  • Biochemie (Grundlagen)

Masterstudium

Die Curricula der Masterstudiengänge Biochemie sind alle sehr forschungsorientiert und spiegeln so die örtlichen Gegebenheiten wider. Eine vertiefende Ausbildung in Biochemie ist dabei die einzige Konstante. Die anderen Schwerpunkte in den Pflicht- und Wahlmodulen weisen dann eine Vielfalt auf, wie sie den Biowissenschaften entspricht, die vor Ort vertreten sind. Entsprechend gibt es mittlerweile auch viele Masterstudiengänge, deren Namengebung auf die entsprechenden Schwerpunkte hinweist. So ist es für Bachelorabsolventen, die einen für sie passenden Masterstudiengang suchen, schwierig, das ganze Angebot zu überblicken. Deshalb pflegt der Arbeitskreis „Studium Molekularer Biowissenschaften“ der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie eine Liste entsprechender Studiengänge (siehe Links).

Statistik der Studierenden in Biochemie und Life Sciences

Die Zahl der Studienanfänger in Biochemie betrug 1059 Personen, darunter 855 Personen mit Bachelor-, Masterstudiengang. Die Gesamtzahl der Studierenden in Biochemie betrug 4.953 Personen, der Frauenanteil lag bei 58%. Es gab im Jahr 2008 in Biochemie 332 Bachelorabschlüsse, 114 Masterabschlüsse, 387 Diplomabschlüsse und über 170 Promotionen. Die Zahl der ausländischen Doktoranden lag bei 17%. Die Studiendauer bis zum Diplom beträgt durchschnittlich (ohne Studenten mit extrem langen Studiendauern) 10,3 Semester, bis zur Promotion 18,2 Semester.

Nach der Promotion fanden 19% eine Anstellung in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie, 9% in der übrigen Wirtschaft, 34% der Absolventen blieben noch an der Hochschule, 23% gingen ins Ausland (wahrscheinlich als Postdocs).

Studiengang Lebensmittelchemie

Hauptartikel: Lebensmittelchemie

Der Studiengang ist dem Diplom-Studiengang sehr eng verwandt. An Universitäten an welchen Diplom- und Lebensmittelchemiker ausgebildet werden, werden Praktika im Grundstudium oft gemeinsam durchgeführt.

Der Studiengang endet mit einer staatlichen Prüfung, der Abschluss ist "staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker". Die meisten Hochschulen vergeben zusätzlich noch den Grad "Diplom-Lebensmittelchemiker", da außer der mündlichen Prüfung auch eine praktische Abschlussarbeit angefertigt werden muss. Diese wird dann einer Diplomarbeit gleich gestellt.

Studienfächer

  • Grundstudium
    • Anorganische, Allgemeine und Analytische Chemie
    • Organische Chemie
    • Physikalische Chemie
    • Physik
    • Biologie (Schwerpunkt Botanik)
    • Mathematik
    • spezielle Rechtsgebiete für Chemiker
  • Hauptstudium
    • Chemie der Lebensmittel
    • Chemie der Bedarfsgegenstände
    • Technologie der Lebensmittel und Bedarfsgegenstände (entspricht zu großen Teilen der Technischen Chemie)
    • Biochemie
    • Ernährungslehre
    • Mikrobiologie und Hygiene
    • Toxikologie und Umweltchemie

Die Prüfung ist ein Staatsexamen. Auf dieser Seite findet man auch Näheres zum Ablauf der Prüfungen und zu den Prüfungsfächern.

Sind die Fächer Rechtskunde und Toxikologie von der zuständigen Landesbehörde als Prüfung im Sinne der Chemikalien-Verbotsverordnung anerkannt und wird dies im Abschlusszeugnis vermerkt, so wird Sachkunde zum Handel mit Gefahrstoffen erworben.

Statistik der Studenten in Lebensmittelchemie

In der Lebensmittelchemie begannen 451 Abiturienten ihr Studium in Lebensmittelchemie, davon 79 als Bachelorstudiengang. Die Gesamtzahl der Studenten in Lebensmittelchemie beträgt 1877, der Frauenanteil liegt bei 75%. 308 Studenten schlossen die Vordiplomprüfung ab, 317 die Hauptprüfung, 59 die Promotion. Bis zur Hauptprüfung wurden durchschnittlich 9,6 Semester benötigt.

Studiengang Wirtschaftschemie

Hauptartikel: Wirtschaftschemie

Studiengänge in Wirtschaftschemie tragen der Tatsache Rechnung, dass in Unternehmen der Chemischen Industrie neben der Qualifikation für chemische Forschung und Entwicklung zunehmend auch Kompetenzen an der Schnittstelle zwischen Chemie und Betriebswirtschaftslehre gesucht werden, etwa in Produktion, Vertrieb und Controlling.

Diplom- und konsekutive Bachelor-Master-Studiengänge

Den Studiengang Wirtschaftschemie gibt es zusätzlich zum normalen Chemiestudiengang an verschiedenen Hochschulen. Erst im Hauptstudium unterscheidet er sich durch die zusätzliche Integration von betriebswirtschaftlichen und Chemiewirtschaftlichen Inhalten vom reinem Chemiestudium. Abschlussarbeiten behandeln ein integriertes Problem der Wirtschaftschemie. Nach Abschluss des Studiums ist eine Promotion im Bereich Chemie (Dr. rer. nat.), eine im Bereich Betriebswirtschaftslehre (Dr. rer. pol.) oder im Bereich Wirtschaftschemie (Dr. rer.pol.) möglich.

Eine andere Herangehensweise ist es von vornherein auf die Integration betriebswirtschaftlicher und chemischer Inhalte ein zu gehen, d.h., es werden vom ersten Semester an nahezu gleichgewichtig Lehrveranstaltungen in beiden Fächern besucht. Dadurch ergeben sich das Einfinden in die unterschiedlichen Kulturen der Fächer, in ihre Arbeitsweisen und Denkstrukturen und die Entwicklung der Fähigkeit, an der Schnittstelle der Fächer zu arbeiten wie von selbst. Dieses Lehrangebot wird meist gemeinsam von Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten getragen. Ebenso kann die Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit an beiden Fakultäten angefertigt werden.

Master-Studiengänge

Auch gibt es einen Masterstudiengang in Wirtschaftschemie. Man kann ihn an fünf Hochschulen studieren: An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen), an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, Kaiserslautern, Kiel und Ulm. Zugangsvoraussetzung ist ein Bachelor of Science in Chemie oder ein äquivalenter Abschluss. In diesem Master wird ein Schwerpunkt in einem aktuellen Chemie-Forschungszweig (zum Beispiel Nanochemie) mit starken Anwendungsbezug gesetzt (es werden mehrere angeboten). Daneben wird ein Schwerpunkt im insbesondere den Bereich der Chemie betreffenden interdisziplinären betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt gesetzt, der um Rechtswissenschaftliche Aspekte ergänzt wird. Die Masterarbeit beinhaltet ein integriertes Problem der Wirtschaftschemie. Das Masterprogramm bereitet auf Top-Management-Positionen oder Positionen in Unternehmensberatungen und Banken vor. Weiter ist eine Promotion im Bereich Wirtschaftschemie, Chemie oder Betriebswirtschaftslehre möglich (PhD oder Doktor).

Lehramtsstudium

Das Lehramtsstudium ist in Deutschland durch Landesrecht geregelt und kann daher von Land zu Land sehr unterschiedlich sein.

Lehramt an Gymnasien

Das Lehramtsstudium schließt in Deutschland mit dem 1. Staatsexamen ab und dauert 9 Semester, es existieren zudem Modellversuche mit Bachelor und Masterstudiengängen, zum Beispiel in Bochum. Das Lehramtsstudium für das Lehramt an Gymnasien weist bundesweit noch eine gewisse Ähnlichkeit auf und gliedert sich in ein 4-semestriges Grundstudium und ein 5-semestriges Hauptstudium. Hierbei müssen beide Fächer zu je 40 % und Erziehungswissenschaften zu 20 % studiert werden.

In Österreich ist das Chemie-Lehramtsstudium ein Magisterstudium.

Chemie ist in der Regel (nicht alle Länder) frei kombinierbar, zumeist wird es jedoch in Kombination mit Mathematik, Biologie oder Physik belegt.

Bestandteile des Studiums im Grund- und Hauptstudium sind:

Daneben werden noch Grundlagen in Höherer Mathematik und Experimentalphysik vermittelt, jedoch in deutlich komprimierterer Form als im Diplomstudiengang.

Das Chemiestudium zeichnet sich durch eine Vielzahl sehr intensiver Praktika aus und eignet sich nur für Studierende, die auch 10 und mehr Stunden hintereinander im Labor stehen können. Zudem sollten keine Allergien vorliegen.

Sonstige Lehrämter

In der Grundschule (Primarstufe) existieren kein eigenes Fach Chemie (alle Länder), sondern lediglich der Sachunterricht mit naturwissenschaftlicher Ausprägung, wobei jedoch biologische und physikalische Aspekte dominieren.

In der Sekundarstufe I (Hauptschulen, Realschulen, Unter- und Mittelstufe der Gesamtschulen, Regelschulen, Mittelschulen,…) existiert Chemie als eigenes Unterrichtsfach.

Das Studium findet in Baden-Württemberg und in Österreich (alle Länder) an Pädagogischen Hochschulen statt, in den übrigen deutschen Ländern an Universitäten.

Inhalte des Studium sind ebenfalls

  • Allgemeine und Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Physikalische Chemie
  • Chemiedidaktik

Die Ausgestaltung und Tiefe des Studiums ist dabei stark landesabhängig und nicht vergleichbar. In einigen Ländern, zum Beispiel Schleswig-Holstein, existieren zudem Überlegungen zu einem fusioniertem Fach Naturwissenschaften. Dies stößt jedoch bei Fachverbänden auf Kritik.

Statistik Lehramt Chemie

Es gibt 56 Universitäten und pädagogische Hochschulen mit dem Studiengang Lehramt Chemie. Die Anfängerzahlen (2008) für die Sekundarstufe I lagen bei 505 Personen, für die Sekundarstufe II bei 865 Personen, 1138 studierten einen Zweifach-Bachelor-Studiengang. Es gab 277 Abschlüsse für die Sekundarstufe I, 516 Abschlüsse für die Sekundarstufe II, 97 Abschlüsse im Zweifach-Bachelor-Studiengang.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Otto Krätz: Der Chemiker im Wandel der Zeiten. Verlag Chemie, 1972, S. 263, ISBN 3-527-25518-4
  2. 2,0 2,1 Otto Krätz: Der Chemiker im Wandel der Zeiten. Verlag Chemie, 1972, S. 264, ISBN 3-527-25518-4
  3. Hans-Werner Schütt: Der Chemiker im Wandel der Zeiten. Verlag Chemie, 1972, S. 285, ISBN 3-527-25518-4
  4. Hans-Werner Schütt: „Der Chemiker im Wandel der Zeiten“, Verlag Chemie, 1972, S. 308, ISBN 3-527-25518-4
  5. Hans-Werner Schütt: Der Chemiker im Wandel der Zeiten. Verlag Chemie, 1972, S. 288, ISBN 3-527-25518-4
  6. Hans-Wolfgang Fritzsche: Der Chemiker im Wandel der Zeiten. Verlag Chemie, 1972, S. 334–336, ISBN 3-527-25518-4
  7. Homepage GDCh: „Chemiestudiengänge in Deutschland“, Statistische Daten 2006, S. 11.
  8. Summa cum laude und keine Chance. In: Nachrichten aus Chemie Technik und Laboratorium Band 41, 1993, S. 728–729
  9. Bericht zum Jahr der Chemie 2009
  10. Vorabinformationen der RUB
  11. Informationen zum Numerus Clausus an der RWTH Aachen
  12. Fakten und Trends: Chemiestudiengänge 2008, Karin Schmitz, Nachrichten aus der Chemie, Juli/August 2009, S. 822-833
  13. Nachrichten aus der Chemie: "Unternehmerisch denken und handeln lernen", 07/08.2008


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