Strictosidin-Synthase

Strictosidin-Synthase (Rauvolfia serpentina)

Strictosidin-Synthase (Rauvolfia serpentina)

Bändermodell nach PDB 2FP9
Vorhandene Strukturdaten: s. UniProt
Masse/Länge Primärstruktur 322 Aminosäuren
Sekundär- bis Quartärstruktur Monomer
Bezeichner
Externe IDs UniProtP68175 CAS-Nummer: 69669-72-3
Enzymklassifikation
EC, Kategorie 4.3.3.2  Lyase
Reaktionsart Pictet-Spengler Kondensation
Substrat Tryptamin und Secologanin
Produkte Strictosidin und H2O

Strictosidin-Synthase ist ein pflanzliches Enzym, das die Mannich-artige Kondensation von Tryptamin und Secologanin nach Strictosidin katalysiert. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Biosynthese der Indolalkaloide. Das Enzym ist in den Vakuolen der Wurzeln lokalisiert.[1]

Der nächste Schritt im anabolischen Stoffwechselweg von Strictosidin ist die Deglykolysierung durch Strictosidin-Glucosidase und ergibt Cathenamin.[2]

Strictosidin-Synthase besitzt eine molekulare Masse von ungefähr 34 kDa und wurde erstmals 1979 aus Zellkulturen von in C. roseus isoliert und von Johannes Treimer und Meinhart Zenk an der Ruhr-Universität Bochum beschrieben.[3] Seither wurde das Enzym auch aus anderen Pflanzen der Familie der Hundsgiftgewächse isoliert und das Enzym der Arten Catharanthus roseus, Rauvolfia serpentina[4] und Ophiorrhiza pumila[5] wurde kloniert. Obwohl Strictosidin-Synthase eine hohe Substratspezifität[3] und eine hohe Substrataffinität aufweist (KM von 2.3 mM für Tryptamin und 3.4 mM für Secologanin[3]), toleriert es verschieden substituiertes Tryptophan und Secologanin ebenfalls als Substrate.[6]

Strictosidin-Synthese: Tryptamin (links), Secologanin (mitte), Strictosidin (rechts).

Das Enzym gehört in die Klassen der Amin-Lyasen (EC 4.3), welche Kohlenstoff-Stickstoff Bindungen synthetisieren. Das Enzym spielt in der Synthese der Indolalkaloide eine wichtige Rolle, da Strictosidin der Vorläufer von etwa 3000[7] unterschiedlichen Indol-Terpen-Alkaloiden ist, darunter auch die beiden wichtigen Krebsmedikamente Vincristin und Vinblastin, das Malariamedikament Chinin, der Blutdrucksenker Reserpin und das Antiarrhythmikum Ajmalin.[8]

2006 gelang es Forschern der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, die Struktur des Enzymes aus Rauvolfia serpentina aufzuklären. Dabei lösten die Forscher sowohl die Struktur des nativen[9] Pflanzenproteins als auch die Struktur eines mutierten[10] Proteins.[8] Strukturell handelt es sich bei dem Enzym um einen Beta-Propeller mit einer sechsfacher pseudo-Symmetrieachse. Die sechs Untereinheiten bestehen aus vier antiparallelen Beta-Faltblättern. Das Protein kristallisiert als Dimer, ist jedoch als Monomer aktiv.[8]

Einzelnachweise

  1. UniProt P68175
  2. McCoy E, Galan MC, O'Connor SE: Substrate specificity of strictosidine synthase. In: Bioorg Med Chem Lett.. 16(9), 2006, S. 2475–8. PMID 16481164. PMID 16481164
  3. 3,0 3,1 3,2 Treimer JF, Zenk MH: Purification and properties of strictosidine synthase, the key enzyme in indole alkaloid formation. In: Eur J Biochem. 101, 1979, S. 225–33. doi:10.1111/j.1432-1033.1979.tb04235.x. PMID 510306.
  4. Kutchan TM, Hampp N, Lottspeich F, Beyreuther K, Zenk MH: The cDNA clone for strictosidine synthase from Rauvolfia serpentina. DNA sequence determination and expression in Escherichia coli.. In: FEBS Lett.. 237(1-2), 1988, S. 40–44. PMID 3049153.PMID 3049153
  5. Yamazaki Y, Sudo H, Yamazaki M, Aimi N, Saito K: Camptothecin biosynthetic genes in hairy roots of Ophiorrhiza pumila: cloning, characterization and differential expression in tissues and by stress compounds.. In: Plant Cell Physiol.. 44(4), 2003, S. 395-403. PMID 395-403.. PMID 12721380
  6. O'Connor SE, Maresh JJ: Chemistry and biology of monoterpene indole alkaloid biosynthesis.. In: Nat Prod Rep.. 4, 2006, S. 532-47. PMID 16874388. PMID 16874388
  7. van Der Heijden R, Jacobs DI, Snoeijer W, Hallard D, Verpoorte R: The Catharanthus alkaloids: pharmacognosy and biotechnology. In: Curr. Med. Chem.. 11(5), 2004, S. 607–28. PMID 15032608. PMID 15032608
  8. 8,0 8,1 8,2 Ma X, Panjikar S, Koepke J, Loris E, Stöckigt J: The Structure of Rauvolfia serpentina Strictosidine Synthase Is a Novel Six-Bladed b-Propeller Fold in Plant Proteins. In: Plant Cell.. 4, 2006, S. 907-20. PMID 16531499. PMID 16531499 Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Ma2006“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  9. PDB 2FP8, PDB 2FP9 und PDB 2FPC
  10. PDB 2FPB

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