Pauli-Matrizen

Pauli-Matrizen

Die Pauli-Matrizen σ1,σ2,σ3 (nach Wolfgang Pauli) bilden zusammen mit der 2×2-Einheitsmatrix, die in diesem Zusammenhang mit σ0 bezeichnet wird, eine Basis des 4-dimensionalen reellen Vektorraums der komplexen hermiteschen 2×2-Matrizen. In der Quantenphysik stellen sie die Wirkung der Spindrehimpulsoperatoren, Si=2σi, i{1,2,3}, auf Spin-½-Zuständen, beispielsweise auf Elektronen, dar.

Die Pauli-Matrizen lauten

σ1=(0110),σ2=(0ii0),σ3=(1001).

(An dieser Stelle ist der Index i von der imaginären Einheit i zu unterscheiden.)

Darstellung

Die Pauli-Matrizen können neben der Darstellung als Matrizen mit Hilfe der Dirac-Notation dargestellt werden: Dabei können für die Linearkombination entweder die Standard-Basisvektoren oder die Eigenvektoren der Pauli-Matrizen verwendet werden.

Pauli-Matrix Matrix Linearkombination (Standard-Basisvektoren) Linearkombination (Eigenvektoren)
σ1=σx (0110) |01|+|10| |++|||
σ2=σy (0ii0) i(|10||01|) |ϕ+ϕ+||ϕϕ|
σ3=σz (1001) |00||11| |00||11|

Die verwendeten Vektoren sind wie folgt definiert:

|0=(10),|1=(01),|+=12(11),|=12(11),|ϕ+=12(1i),|ϕ=12(1i)

Eigenschaften

Die Pauli-Matrizen sind hermitesch und unitär. Daraus folgt

σ12=σ22=σ32=σ02=σ0

wobei σ0 wie erwähnt die 2×2-Einheitsmatrix ist.

Die Determinanten und Spuren der Pauli-Matrizen sind

detσi=1trσi=0für i=1,2,3.

Aus Obigem folgt, dass jede Pauli-Matrix σi die Eigenwerte +1 und -1 besitzt.

Des Weiteren:

σ1σ2σ3=iσ0

Die Pauli-Matrizen erfüllen die Algebra

σiσj=δijσ0+ik=13ϵijkσkfür i,j=1,2,3

(ϵijk ist das Levi-Civita-Symbol), also insbesondere bis auf einen Faktor 2 die Drehimpulsalgebra

[σi,σj]=σiσjσjσi=2ik=13ϵijkσkfür i,j=1,2,3.

und die Clifford- oder Dirac-Algebra Cl(0,3,R)

{σi,σj}=σiσj+σjσi=2δijσ0für i,j=1,2,3.

Die Pauli-Matrizen gehören zum Spezialfall l=1/2 von Drehimpulsoperatoren, die auf Basisvektoren Λm eines Drehimpuls-l-Multipletts mit Quantenzahlen m in Maßsystemen mit =1 folgendermaßen wirken:

L3Λm=mΛm, m{l,l+1,,l},
L+Λm=(lm)(l+m+1)Λm+1,
LΛm=(l+m)(lm+1)Λm1.

Dabei ist 2l+1 eine natürliche Zahl und für m treten die 2l+1 verschiedenen Quantenzahlen m=l,l+1,,l auf. Für l=1/2 wirken die Drehimpulsoperatoren auf die Komponenten von Linearkombinationen der beiden Basisvektoren Λ1/2 und Λ1/2 demnach durch Multiplikation mit den folgenden Matrizen

L3=12(1001), L+=(0100), L=(0010).

Mit L1=12(L++L) und L2=12i(L+L) ergibt sich dann, dass die Drehimpulsoperatoren auf die Komponenten von Spin-1/2-Zuständen durch Multiplikation mit den halben Pauli-Matrizen wirken.

Zugeordnete Drehgruppe, Zusammenhang mit Spin-1/2-Systemen

Die lineare Hülle der mit i multiplizierten[1] Pauli-Matrizen iσ1,iσ2,iσ3 ist mit der üblichen Matrizenmultiplikation eine Lie-Algebra, und aufgrund der mit nσ:=n1σ1+n2σ2+n3σ3 für jeden Einheitsvektor nR3 und alle reellen α geltenden Identität[2]

exp(iα2nσ)=σ0cosα2i(nσ)sinα2

sind diese drei Matrizen die Generatoren der komplexen Drehgruppe SU(2).

Der Faktor 1/2 in der obigen Gleichung ist zwar mathematisch verzichtbar. Die Gleichung wird jedoch in der physikalischen Anwendung häufig in genau dieser Form benötigt. Denn (wie in der Einleitung erwähnt) stellen in der Quantenphysik die Matrizen Si=2σi, i{1,2,3} Operatoren dar, die die Veränderung des Zustands eines Spin-1/2-Systems (beispielsweise eines Elektrons) bei Messung der verschiedenen Spinkomponenten beschreiben. Andererseits beschreibt die durch den Exponentialausdruck gegebene Matrix die Veränderung des Spinzustands bei einer räumlichen Drehung. α entspricht dabei dem gerichteten Drehwinkel um die durch den Einheitsvektor nR3 gegebene orientierte Drehachse. Für α=2π ergibt sich exp(iπnσ)=σ0 ; d. h. ein Spin-1/2-System wird nicht durch Drehung um den Winkel 2π, sondern erst durch Drehung um den Winkel 4π wieder in den Ausgangszustand übergeführt („Spinordrehungen“).

Eigenvektoren

Die Matrix σ3 hat die Eigenvektoren

χ31=(10),χ32=(01)

wie man leicht erkennen kann:

σ3χ31=(1001)(10)=(10),σ3χ32=(1001)(01)=(01)=1(01)

entsprechend den Eigenwerten ±1. Die Eigenvektoren von σ1 sind

χ11=(11),χ12=(11):
σ1χ11=(0110)(11)=(11),σ1χ12=(0110)(11)=(11)=1(11)

und die Eigenvektoren von σ2

χ21=(1i),χ22=(i1):
σ2χ21=(0ii0)(1i)=(1i),σ2χ22=(0ii0)(i1)=(i1)=1(i1)

Hier zeigt sich, dass die Eigenzustände der Spinoperatoren S1 und S2 Superpositionen der Eigenzustände von S3 sind.

Isomorphie zu den Quaternionen

Die mit der imaginären Einheit multiplizierten Pauli-Matrizen zusammen mit der Einheitsmatrix, also die Menge {σ0,iσ1,iσ2,iσ3}, spannen eine 4-dimensionale R-Algebra auf, die zu den Quaternionen H isomorph ist. Eine isomorphe Zuordnung ist beispielsweise:

1σ0,iHiσ1,jHiσ2,kHiσ3,

mit iH,jH,kH als den bekannten Einheitsquaternionen. Vor diese Zuordnung lässt sich jeder der 24 Automorphismen der Quaternionengruppe Q8 schalten. So kann auch ein Isomorphismus „in umgekehrter Ordnung“ gebaut werden:[3]

1σ0,iH+iσ3,jH+iσ2,kH+iσ1.

Siehe auch

  • Gell-Mann-Matrizen

Weblinks

Einzelnachweise und Kommentare

  1. Durch die Multiplikation mit ±i entstehen aus hermiteschen Matrizen schiefhermitesche Matrizen. Eine Darstellung mit Hilfe von Hermiteschen Operatoren und Matrizen wird von Physikern bevorzugt, weil in der Quantenmechanik messbare Größen (sog. Observablen) stets durch Hermitesche Operatoren beschrieben werden.
  2. Charles Misner, Kip S. Thorne, John. A. Wheeler: Gravitation. S. 1142, W. H. Freeman, San Francisco 1973, ISBN 0-7167-0344-0
  3. Mikio Nakahara: Geometry, topology, and physics, CRC Press, 2003, Seiten xxii ff (Google Books).