Hermann Blau

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Hermann Blau, 1871-1944

Hermann Blau (* 21. Januar 1871 in Graben bei Karlsruhe; † 18. Februar 1944 in Stephanskirchen bei Rosenheim) war ein deutscher Ingenieur und Chemiker und Erfinder des Blaugases, welches zunächst als Leuchtgas und später in der Luftschifffahrt eingesetzt wurde.

Blau, ein Schüler des Chemikers und Nobelpreisträgers Adolf von Baeyer, war ursprünglich Pharmazeut, widmete sich später jedoch ganz der Chemie. Seine Versuche zur Trennung von Gasgemischen auf physikalischem Wege führten schließlich zur großen Erfindung seines Lebens, zur Herstellung eines flüssigen und versandfähigen Leuchtgases aus Destillationsgasen. Der Fabrikant Ludwig August Riedinger war es, der den Erfinder veranlasste, seine erste Fabrikationsstätte, die nachmals so bekannte Blaugasfabrik, im Jahre 1903 in Augsburg an der Auerstraße zu errichten.

Aus dem Augsburger Unternehmen, das Blau gemeinsam mit Kommerzialrat Riedinger betrieb, entstand später die Deutsche Blaugas-Gesellschaft, die Fabriken in Wien, Budapest, Bukarest, Sankt Petersburg, in den USA, Kanada und Kuba ins Leben rief. Das Blaugas, das nicht etwa eine blaue, sondern vielmehr eine wasserhelle Farbe hat und das lediglich nach seinem Erfinder so genannt wurde, kam in Stahlflaschen zum Versand und hatte den Vorzug, dass es von allen technisch herstellbaren Gasarten den höchsten Heizwert besaß. Zum Unterschied von Steinkohlengas ist es frei von Kohlenmonoxid und deshalb ungiftig. Seine Hauptverwendung fand es zu Beleuchtungszwecken, vornehmlich überall dort, wo Steinkohlengas nicht zur Verfügung stand. In Dänemark und Holland wurden eigene Blaugasfabriken zum Betrieb der Leuchtfeuer errichtet.

Als jedoch das Elektrische Licht immer größere Verbreitung fand und schließlich das bei der Benzingewinnung als Nebenprodukt erzeugte Propangas aufkam, dessen Herstellung bedeutend billiger und dessen Versand und Anwendung noch einfacher war, wurde das Blaugas mehr und mehr vom Markt verdrängt. Eine Folge dieses Rückgangs war, dass im Herbst 1933 auch die Blaugasfabrik in Augsburg stillgelegt und der Hauptbetrieb des Unternehmens nach einer Stadt in Norddeutschland verlegt wurde.

Einen beinahe unerwarteten Aufschwung erlebte die Blaugasherstellung noch einmal, als Versuche, die Motoren der Zeppelinluftschiffe mit Blaugas zu betreiben, sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Ausschlaggebend dafür war die Tatsache, dass sich das Gewicht von Blaugas von dem der Luft kaum unterscheidet und die Mitführung großer Mengen dieses Betriebsstoffes das Luftschiff nicht unnötig belastete. Das Ersetzen des beim Verbrauch des Gases entstandenen Leerraums in den Tanks durch die Umgebungsluft war einfach und veränderte den Auftrieb des Luftschiffes nicht. Dieser Vorzug trat bei der ersten Amerikafahrt des Zeppelinluftschiffes klar zutage. Der Erfinder erlebte so noch einmal einen neuen Verwendungszweck des Blaugases. Vom Jahr 1929 ab erzeugte der Zeppelinbau Friedrichshafen das benötigte Blaugas in einer von dem Augsburger Werk eingerichteten Fabrikationsstätte selbst. Die Einstellung des Luftschiffverkehrs hat auch dieser Verwendung des Blaugases ein Ende bereitet.

Hermann Blau war verheiratet mit Frau Caroline Blau, hatte eine Tochter, Martha, sowie vier Söhne Hermann, Rudolf, Edmund und Theodor.

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