Descloizit


Descloizit

Descloizit
Descloizite-239949.jpg
Descloizitstufe vom Berg Aukas (Berg Aukus), Distrikt Grootfontein, Otjozondjupa, Namibia
Chemische Formel

Pb(Zn,Cu)[OH|VO4][1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate, Vanadate - wasserfreie Phosphate mit fremden Anionen
8.BH.40 (8. Auflage: VII/B.27) nach Strunz
41.05.02.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Pnam (Raumgruppen-Nr. 62)
Farbe hell- bis dunkelbraun, olivgrün, grau bis schwarz, schwarzgrün; mit steigendem Kupfergehalt auch gelb bis orange
Strichfarbe Hellgelbbraun
Mohshärte 3 bis 3,5
Dichte (g/cm3) 5,6 bis 6,2
Glanz Fettglanz, Diamantglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig, spröde
Spaltbarkeit keine
Habitus prismatische, säulige, tafelige Kristalle; radialstrahlige, traubige Aggregate; Krusten
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 2,185 nβ = 2,265 nγ = 2,350[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,165[2] ; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 85° bis 90° ; berechnet: 88°[2]
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Säure löslich
Besondere Kennzeichen leicht schmelzbar

Descloizit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb(Zn,Cu)[OH|VO4][1] und entwickelt überwiegend prismatische, säulige oder tafelige Kristalle, aber auch radialstrahlige oder traubige Mineral-Aggregate, sowie krustige Überzüge.

Descloizit bildet mit Mottramit eine lückenlose Mischreihe. In jedem Mischungsverhältnis bilden sich orthorhombische Kristalle mit ähnlichen kristallographischen und physikalischen Eigenschaften. Allerdings ändert sich die Farbe immer mehr in ein bräunliches, fast schwarzes Rot je höher der Zinkanteil wird. Beim kupferreichen Mottramit ist die Farbe dagegen grün bis schwarzgrün.[3]

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Descloizit in den Sierras de Córdoba in der zentralargentinischen Provinz Córdoba. Beschrieben wurde das Mineral 1854 durch Augustin Alexis Damour (1808-1902), der das Mineral nach seinem Mitarbeiter und Freund, dem französischen Mineralogen Alfred Des Cloizeaux (1817-1897) benannte, um dessen Verdienste auf dem Gebiet der Kristallographie zu ehren.[4]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Descloizit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Arsendescloizit, Čechit, Mottramit und Pyrobelonit die „Descloizitgruppe“ mit der System-Nr. VII/B.27 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Descloizit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadeat“ und dort in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und deren Stoffmengenverhältnis zum Phosphat-, Arsenat bzw. Vanadatkomplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen (OH usw.):RO4 = 1:1“ zu finden ist, wo es ebenfalls als Namensgeber die „Descloizitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BH.40 und den weiteren Mitgliedern Čechit, Mottramit und Pyrobelonit bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Descloizit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er ebenfalls Namensgeber der „Descloizitgruppe“ mit der System-Nr. 41.05.02 und den weiteren Mitgliedern Mottramit, Pyrobelonit, Čechit und Duftit-Alpha innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten

Als Psittacinit werden grüne Varietäten von Descloizit bezeichnet.[5]

Bildung und Fundorte

Vanadinit (rot) und Descloizit (schwarz) aus Georgetown, Grant County, New Mexico, USA

Descloizit ist ein typisches Sekundärmineral und findet sich in der Oxidationszone von Erzgängen, insbesondere mancher Blei-Zink-Kupfererz-Lagerstätten.

Weltweit konnte Descloizit bisher (Stand: 2011) an rund 340 Fundorten nachgewiesen werden.[2] Neben seiner Typlokalität Sierras de Córdoba konnte das Mineral noch an weiteren Fundpunkten in den Provinzen Córdoba und Río Negro gefunden werden.

In Deutschland fand sich das Mineral unter anderem im Schwarzwald (Baden-Württemberg), Niederbayern, im Odenwald (Hessen), im Niederbergischen Land (NRW), in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Bad Bergzabern und im sächsischen Erzgebirge.

In Österreich trat das Mineral bisher vor allem in der Regionen Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark und Tirol auf und in der Schweiz fand man Descloizit bisher nur am Hinteren Zinggenstock im Kanton Bern.

Weitere Fundorte sind unter anderem Algerien, Australien, Brasilien, Chile, China, Griechenland, Iran, Italien, Japan, Kirgisistan, die Demokratische Republik Kongo, Marokko, Mexiko, Namibia, Polen, Portugal, Russland, Sambia, Simbabwe, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Türkei, Usbekistan, das Vereinigte Königreich (Großbritannien), die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[6]

Kristallstruktur

Descloizit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62) mit den Gitterparametern a = 7,59 Å; b = 9,42 Å; c = 6,06 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung

Descloizit ist ein seltenes, jedoch wichtiges Vanadiumerz.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 459.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 MinDat - Descloizite (englisch)
  3. J. Ladurner, F. Purtscheller: Das große Mineralienbuch. 2. Auflage. Pinguin Verlag, Innsbruck/Tirol, 1970, S. 108
  4. Annales de chimie et de physique, Troisiéme série, Tome XLI, Paris 1854 - Notice sur la Descloizite, Nouvelle espèce Minérale, par M. A. DAMOUR (französisch, PDF 308,5 kB)
  5.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  6. Mindat - Localities for Descloizite

Literatur

  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 632.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 166.

Weblinks

 Commons: Descloizite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference