Sulfochlorierung

Sulfochlorierung

(Weitergeleitet von Reed-Reaktion)

Als Sulfochlorierung bezeichnet man den Austausch (Substitution) von Wasserstoff durch die Sulfonylchloridgruppe (SO2Cl) in Alkanen. Diese Reaktion ist eine radikalische Substitution und wird auch als Reed-Reaktion bezeichnet.[1]

Alkane reagieren mit einer Mischung aus Schwefeldioxid/Chlor zu Alkylsulfonylchloriden:

RH + SO2/Cl2  RSO2Cl + HCl

Reaktionsablauf

Startreaktion

Die Kettenreaktion wird initialisiert durch Zufuhr geeigneter Energie, z.B. Licht. Es kommt zum Bindungsbruch der Cl-Cl-Bindung:

Cl2 + hν 2Cl

Das Chlormolekül wird homolytisch gespalten, das heißt in zwei gleiche Hälften (Chloratome) geteilt (Im Gegensatz zur Heterolyse. Den erzwungenen Bindungsbruch durch elektromagnetische Strahlung bezeichnet man auch als Radiolyse.

Fortpflanzungsreaktionen

Ein Chlorradikal reagiert mit dem Alkan unter Bildung eines Alkylradikals und Chlorwasserstoff:

RH + Cl R + HCl

Anschließend verbindet sich das Alkylradikal mit dem Schwefeldioxid:

R + SO2  RSO2

Zuletzt entsteht das Alkylsulfonylchlorid unter Freisetzung eines neuen Chlorradikals:

RSO2 + Cl2  RSO2Cl + Cl

Die Kette beginnt von Neuem.

Kettenabbruchreaktionen

Der Kettenabbruch erfolgt durch Rekombination von Radikalen:

2 Cl Cl2 + Energie
2 R R2 + Energie

Die überschüssige Energie wird durch Stoßrelaxation abgebaut.

Die Sulfochlorierung ist nicht selektiv, d. h. man erhält oft ein Gemisch stellungsisomerer Alkylsulfonylchloride.

Varianten der Reaktion

Unter bestimmten Bedingungen (40–80 °C) erfolgt lediglich eine Chlorierung des Alkans:

RH + SO2Cl2 +ΔT  RCl + SO2 + HCl

Anwendung

Die durch diese Reaktion hergestellten Alkylsulfonylchloride sind wichtige Zwischenprodukte bei der technischen Synthese von Detergentien.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Römpp CD 2006, Georg Thieme Verlag 2006.