Flibanserin

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Strukturformel
Strukturformel von Flibanserin
Allgemeines
Freiname Flibanserin
Andere Namen
  • 1-(2-{4-[3-(Trifluormethyl)phenyl]piperazin-1-yl}ethyl)-1,3-dihydro-2H-benzimidazol-2-on
  • BIMT-17
Summenformel C20H21F3N4O
CAS-Nummer 167933-07-5
PubChem 6918248
Eigenschaften
Molare Masse 390,40 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Flibanserin ist ein experimenteller Arzneistoff, der von dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim zur Behandlung der hypoaktiven Sexualfunktionsstörung (HSDD) bei Frauen entwickelt wurde. Im Oktober 2010 gab Boehringer die Einstellung der Entwicklung bekannt.[2]

Pharmakologische Eigenschaften

Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)

Auf molekularer Ebene vermittelt Flibanserin seine pharmakologischen Effekte über Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren. Flibanserin ist ein Agonist am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A und eine Antagonist an 5-HT2A. Am Dopamin-Rezeptor D4 verhält sich Flibanserin als ein schwacher Partialagonist. Über diese Mechanismen beeinflusst Flibanserin die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn, die an der Steuerung von Sexualfunktionen beteiligt sind. So hemmt es einerseits die Freisetzung des sexualitätshemmenden Serotonins und steigert andererseits die Freisetzung der sexualitätsteigernden Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin.[3]

Pharmakokinetik

Aus oralen Darreichungsformen wird Flibanserin zu über 90 % in Form des aktiven Arzneistoffs oder seiner Stoffwechselprodukte (Metabolite) in den systemischen Kreislauf aufgenommen. Sein Verteilungsvolumen beträgt etwa 180 Liter. Flibanserin wird über das Cytochrom-P450-Enzymsystem verstoffwechselt, wobei das Isoenzym CYP3A4 die wichtigste Rolle spielt. Eine Verstoffwechslung ist ferner auch über CYP2D6 möglich. Die Hauptprodukte der Verstoffwechslung sind die pharmakologisch inaktiven Metabolite Flibanserin-6-sulfat und Flibanserin-6,21-disulfat. Flibanserin und seine Metabolite werden zu nahezu gleichen Teilen über die Galle und den Urin ausgeschieden. Die terminale Plasmahalbwertzeit von Flibanserin beträgt etwa 10 Stunden und unter Einbeziehung seiner Metabolite etwa 66 Stunden.[4]

Klinische Angaben

Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen

Da Flibanserin über das Cytochrom-P450-Enzymsystem verstoffwechselt wird, besteht das Risiko einer möglichen Wechselwirkung mit Hemmstoffen und Induktoren dieses Enzymsystems. So führt die gleichzeitige Einnahme des CYP3A4-Hemmers Ketoconazol zu einem deutlichen Anstieg des Flibanserinspiegels im Blut und einer verschlechterten Verträglichkeit. Eine Zunahme der Flibanserin-Nebenwirkungen konnte auch bei gleichzeitiger Anwendung von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, Triptanen, der Antibabypille und Alkohol beobachtet werden.[4]


Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

In klinischen Studien traten häufig (>10 %) Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit auf. Gelegentlich (1–10 %) konnten Schlaflosigkeit, Angstzustände, Mundtrockenheit, Abdominalschmerzen, Verstopfungen, nächtliches Harnlassen, Palpitation und Stress als Nebenwirkungen beobachtet werden. Das Risiko einer Synkope kann unter Flibanserin erhöht sein. Ebenso kann das Unfall- und Verletzungsrisiko nach Einnahme von Flibanserin wegen seiner sedierenden Nebenwirkungen erhöht sein.[4]

Klinische Entwicklung

Flibanserin wurde in insgesamt sieben klinischen Studien der Phase III getestet. In den zwei wichtigsten Studien konnte zwar eine statistische Überlegenheit gegenüber Placebo bezüglich der sexuellen Befriedigung gezeigt werden, jedoch konnte keine Verbesserung des Sexualverlangens nachgewiesen werden.[4]

Der Beraterausschuss der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde Food and Drug Administration sah die Wirksamkeit durch die Studiendaten nicht ausreichend belegt und kritisierte gleichzeitig die vergleichsweise schlechte Verträglichkeit. Der Ausschuss empfahl somit Flibanserin nicht für die Behandlung hypoaktiver Sexualfunktionsstörungen zuzulassen und forderte weitere Wirksamkeits- und Sicherheitsbelege an.[5] Im Oktober 2010 gab Boehringer bekannt, die Entwicklung von Flibanserin vorerst einzustellen.[2]

Einzelnachweise

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. 2,0 2,1 Spiegel online: Pharmakonzern stoppt Lustpille für die Frau, 8. Oktober 2010
  3. Borsini F, Evans K, Jason K, Rohde F, Alexander B, Pollentier S: Pharmacology of flibanserin. In: CNS Drug Rev. 8, Nr. 2, 2002, S. 117–42. PMID 12177684.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Division of Reproductive and Urologic Products Office of New Drugs Center for Drug Evaluation and Research, Food and Drug Administration (20. Mai 2010): Background Document for Meeting of Advisory Committee for Reproductive Health Drugs (June 18, 2010). NDA 22-526. Flibanserin. (Proposed trade name: Girosa). Boehringer Ingelheim. Abgerufen am 3. Juli 2010.
  5. Biermann D: Flibanserin fällt bei FDA durch. In: Pharmazeutische Zeitung. Nr. 26, 2010.

Weblinks

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