Acrylester-Styrol-Acrylnitril

Verner Pantons Stuhl Panton, 1959/60. Der erste marktfähige Kunststoff-Freischwinger (hinterbeinloser Stuhl) wurde aus Acrylester-Styrol-Acrylnitril gefertigt.[1]

Acrylester-Styrol-Acrylnitril (auch Acrylnitril-Styrol-Acrylester genannt, Kurzzeichen ASA) ist ein schlagzähes Terpolymer (Copolymer aus drei Arten von Monomereinheiten). Es hat ähnliche Eigenschaften wie ABS, ist jedoch viel witterungsbeständiger.

Chemischer Aufbau

Im ASA sind Acrylester-Anteile gleichmäßig in einem SAN- (Styrol-Acrylnitril)-Polymer verteilt und durch aufgepfropfte SAN-Ketten verbunden. Die Acrylesterkomponente liegt dispers vor, ist i. A. leicht vernetzt und wirkt als Schlagzähmodifikator. Für die Synthese wird überwiegend n-Butylacrylat verwendet, zur Verbesserung der Tieftemperaturzähigkeit können bestimmte Anteile an Cyclohexylacrylat als Comonomer verwendet werden.

Bei der Konfektionierung werden für die jeweilige Anwendung geeignete Additive in die Kunststoffmatrix eingearbeitet. Hier sind insbesondere UV-Stabilisatoren, Antioxidantien und Gleitmittel zu nennen.

Eigenschaften

ASA bildet hochwertige, glänzende und kratzfeste Oberflächen. Es kann auch transparent eingestellt werden. Durch Zusatz von Mattierungsmitteln oder Erzeugung größerer Acrylesterphasen können matte Oberflächen erreicht werden.

Die sehr gute chemische Beständigkeit ist aufgrund der höheren Polarität der Acrylesterkomponente im Vergleich zur Polybutadienkomponente bei ABS zu erklären. ASA zeigt eine sehr gute Beständigkeit gegenüber wässrigen Medien inkl. verdünnter Säuren/Alkalien sowie Waschlaugen und eine gute gegenüber Ölen/Fetten, Alkoholen und aliphatischen Kohlenwasserstoffen. Unbeständig ist ASA gegenüber vielen Estern, Ethern und Ketonen, bei deren Präsenz die Oberfläche anquellen bzw. Spannungsrisse ausbilden kann.

Verwendung

Halbautomatische Espressomaschine.
Obermaterial: ABS
Material des Wassertanks: ASA

ASA kann als witterungsbeständige Platte im Bauwesen (PermaSkin™), für hochwärmebeanspruchte elektrische Geräte wie z. B. Kaffeemaschinen und Mikrowellen, im Sport- und Freizeitbereich als Surfbrett oder auch in der Außenhaut von Automobilen eingesetzt werden.

Handelsnamen

Acrylester-Styrol-Acrylnitril wird international unter verschiedenen Markennamen produziert und vertrieben:

Darüber werden Kunststoffblends mit Polycarbonaten (PC) produziert:

  • Terblend S (BASF AG, Deutschland)[3]
  • Bayblend A (Bayer AG, Deutschland)[3]

Normen

  • DIN EN ISO 6402-1 Kunststoffe - Acrylnitril-Styrol-Acrylat (ASA)-, Acrylnitril-(Ethylen-Propylen-Dien)-Styrol (AEPDS)- und Acrylnitril-(chloriertes Polyethylen)-Styrol (ACS)-Formmassen - Teil 1: Bezeichnungssystem und Basis für Spezifikationen (ISO 6402-1:2002); Deutsche Fassung EN ISO 6402-1:2002
  • DIN EN ISO 6402-2 Kunststoffe - Acrylnitril-Styrol-Acrylat (ASA)-, Acrylnitril-(Ethylen-Propylen-Dien)-Styrol (AEPDS)- und Acrylnitril-(Chloriertes Polyethylen)-Styrol (ACS)-Formmassen - Teil 2: Herstellung von Probekörpern und Bestimmung von Eigenschaften (ISO 6402-2:2003); Deutsche Fassung EN ISO 6402-2:2003

Belege

  1. Andrej Kupetz: Ein Material in Form gebracht. Kunststoffe 5/2010, S. 90-94.
  2. 2,0 2,1 2,2 Hans Domininghaus: Die Kunststoffe und ihre Eigenschaften. Springer, Berlin-Heidelberg 2005 (6. Aufl.); S. 776.
  3. 3,0 3,1 Hans Domininghaus: Die Kunststoffe und ihre Eigenschaften. Springer, Berlin-Heidelberg 2005 (6. Aufl.); S. 781.

Literatur

  • Hans Domininghaus: Die Kunststoffe und ihre Eigenschaften. 6. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2005, S. 764–781, ISBN 3-540-21410-0 (VDI-Buch).

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