Wittichenit
Wittichenit | |
Wittichenitkristall (Größe: 2,4 x 1,8 x 0,6 cm) vom Mount Gunson, Andamooka (Lake Torrens), South Australia, Australien | |
Chemische Formel |
Cu3BiS3 |
Mineralklasse | Sulfide und Sulfosalze 2.GA.20 (8. Auflage: II/E.03) nach Strunz 03.04.08.01 nach Dana |
Kristallsystem | orthorhombisch |
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin | rhombisch-disphenoidisch $ \ 222 $ [1] |
Farbe | Stahlgrau, Bleigrau bis Zinnweiß |
Strichfarbe | Schwarz |
Mohshärte | 2 bis 3 |
Dichte (g/cm3) | gemessen: 6,01 ; gemessen: 6,19 |
Glanz | Metallglanz |
Transparenz | undurchsichtig |
Bruch | muschelig, spröde |
Spaltbarkeit | gut |
Habitus | prismatische Kristalle, massige Aggregate |
Wittichenit (veraltet Kupferwismutglanz oder Kupferwismuterz) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu3BiS3 und entwickelt meist feinkörnige bis massige Mineral-Aggregate, aber auch tafelige bis kurzprismatische Kristalle von stahlgrauer, bleigrauer bis zinnweißer Farbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals gefunden wurde Wittichenit 1853 in der „Grube Daniel“ im ehemaligen Bergbaurevier Wittichen (Baden-Württemberg, Deutschland) und beschrieben durch Gustav Adolf Kenngott[2], der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte und auch dem verwandten Mineral Emplektit seinen endgültigen Namen gab[3].
Klassifikation
In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Wittichenit noch zur undifferenzierten Abteilung der „Sulfosalze“, wo er zusammen mit Skinnerit eine eigene Gruppe bildet.
Mit der Neustrukturierung in der 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik wurden auch die Abteilungen der Klasse der Sulfide teilweise neu definiert und präziser aufgeteilt. Das Mineral befindet sich nun entsprechend in der Abteilung der „Sulfoarsenide, Sulfoantimonide, Sulfobismuthide“ und dort in der Unterabteilung der „Insel(Neso)-Sulfarsenide, usw., ohne zusätzlichen Schwefel (S)“, wo er ebenfalls zusammen mit dem Skinnerit die unbenannte Gruppe 2.GA.20 bildet.
Die Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Wittichenit in die Abteilung der „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der allgemeinen Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], wobei A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ sind. Dort bildet er zusammen mit Skinnerit und Moëloit in der unbenannten Unterabteilung „03.04.08“.
Bildung und Fundorte
Wittichenit bildet sich in hydrothermal in kupfer- und bismuthaltigen Erzgängen, oft in Paragenese mit anderen Bismut- bzw. Kupfer-Mineralen wie Bornit, Chalkosin, Chalkopyrit, Digenit, Djurleit, Emplektit, Pyrit, Stromeyerit und Tennantit, aber auch mit Aragonit, Baryt, Calcit, Fluorit und Rammelsbergit sowie gediegen Bismut.
Weltweit konnte Wittichenit bisher an rund 180 Fundorten (Stand: 2010) nachgewiesen werden, so unter anderem in Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Bolivien, Bulgarien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Griechenland], Grönland, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Marokko, Namibia, Nordkorea, Norwegen, Österreich, Peru, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich (Großbritannien) und Vereinigte Staaten (USA).[4]
Kristallstruktur
Wittichenit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 mit den Gitterparametern a = 7,723 Å; b = 10,395 Å und c = 6,716 Å[5] sowie Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Webmineral - Wittichenite (englisch)
- ↑ Adolf Kenngott: Die Minerale der Schweiz nach ihren Eigenschaften und Fundorten ausführlich beschrieben. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1866 (online verfügbar über openlibrary.org "Die freie Bibliothek")
- ↑ tw.strahlen.org - Emplektit
- ↑ Mindat - Localities for Wittichenite (englisch)
- ↑ American Mineralogist Crystal Structure Database - Wittichenite (englisch, 1973)
Literatur
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 474.
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 53.
- v. Kurrs Mineralreich in Bildern (3. Auflage), bearbeitet von Prof. Dr. A. Kenngott in Zürich, Verlag J.F. Schreiber, Esslingen 1878 online verfügbar als PDF (3,5 MB)
Weblinks
- Mineralienatlas:Wittichenit (Wiki)
- Handbook of Mineralogy - Wittichenite (englisch, PDF 60,6 kB)