William Astbury

Erweiterte Suche

William Thomas Astbury (* 25. Februar 1898 in Longton (heute zu Stoke-on-Trent); † 4. Juni 1961 in Leeds) war ein englischer Physiker und Molekularbiologe. Seine Arbeit an Keratin bildet die Grundlage für Linus Paulings Entdeckung der α-Helix. Er befasste sich aber auch mit der Struktur der DNA und machte die ersten Schritte zur Erläuterung besagter Struktur.

Jugend und Studium

Er wurde in Longton geboren als viertes von sieben Kindern. Sein Vater, William Edwin Astbury, war Töpfer. Mit seinem jüngeren Bruder Norman teilte er die Liebe zur Musik.

Auch William Astbury wäre ebenfalls Töpferer geworden, hätte er nicht ein Stipendium an der Longton High School bekommen, wo sein Interesse von Schuldirektor und stellvertretenden Schuldirektor, beides Chemiker, gefördert wurde. Nach der High School bekam er ein Stipendium für das Jesus College der Universität Cambridge. Nach zwei Semestern in Cambridge musste er sein Studium wegen des Ersten Weltkriegs unterbrechen, kehrte jedoch nach Cambridge zurück und beendete sein Studium.

Röntgenstrukturanalytische Arbeiten

Im Jahr 1928 erhielt Astbury einen Ruf an die Universität Leeds wo er die Struktur von Faserproteinen wie Keratin, einem Bestandteil der Wolle, und Collagen mit Unterstützung der Textilindustrie untersuchte. Diese Substanzen ergaben röntgendiffraktographisch keine scharfen Linien wie Kristalle, anhand der Muster konnte die mögliche Struktur jedoch eingegrenzt werden.

In den dreißiger Jahren stellte Astbury fest, dass sich das Röntgenbeugungsmuster von feuchter Wolle stark veränderte. Anhand der Daten postulierte er eine Helix-Struktur (α-Helix) und für gestreckte Fasern eine neue β-Struktur. Diese Vermutungen erwiesen sich später als qualitativ richtig. Linus Pauling, der ca. 20 Jahre später die richtige Detailstruktur entdeckte, behielt Astburys Nomenklatur bei.

Astbury war auch der Erste, der eine Wasserstoffbrückenbindung zur Stabilisierung von Proteinstrukturen vorschlug. Die Röntgenstrukturuntersuchungen von Proteinen wie Myosin und Fibrin zeigten ebenfalls, dass diese in einer Helix-Struktur und gefaltet vorlagen. Astbury untersuchte auch schon früh DNA-Proben, konnte aber mit den erhalten Daten die Struktur nicht deuten.

Astbury erhielt viele Auszeichnungen und Ehrungen.

Werke

  •  W.T. Astbury und H.J. Woods: The Molecular Weights of Proteins. In: Nature. 127, 1931, S. 663-665.
  •  W.T. Astbury und A. Street: X-ray studies of the structures of hair, wool and related fibres. I. General. In: Trans. R. Soc. Lond. A230, 1931, S. 75-101.
  •  W.T. Astbury: Some Problems in the X-ray Analysis of the Structure of Animal Hairs and Other Protein Fibers. In: Trans. Faraday Soc. 29, 1933, S. 193-211.
  •  W.T. Astbury und H.J. Woods: X-ray studies of the structures of hair, wool and related fibres. II. The molecular structure and elastic properties of hair keratin. In: Trans. R. Soc. Lond. A232, 1934, S. 333-394.
  •  W.T. Astbury und W.A. Sisson: X-ray studies of the structures of hair, wool and related fibres. III. The configuration of the keratin molecule and its orientation in the biological cell. In: Proc. R. Soc. Lond. A150, 1935, S. 533-551.

Literatur

  •  K. Bailey: William Thomas Astbury (1898-1961): A Personal Tribute. In: Adv. Protein Chem. 17, 1961, S. x-xiv.
  •  J. D. Bernal: William Thomas Astbury. 1898–1961. In: Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society. 9, 1963, S. 1–35. (Online-Version; pdf-Datei; 4,4 MB).
  •  M. Huggins: The structure of fibrous proteins. In: Chem. Rev. 32, 1943, S. 195-218.
  •  H. Neurath: Intramolecular folding of polypeptide chains in relation to protein structure. In: J. Phys. Chem. 44, 1940, S. 296-305.
  •  Robert Olby: Astbury, William Thomas. In: Dictionary of Scientific Biography. Charles Scribner's Sons, New York 1970, ISBN 0684101149, S. 319–320.
  •  H.S. Taylor: Large molecules through atomic spectacles. In: Proc. Am. Philos. Soc. 85, 1942, S. 1-12.

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

24.01.2022
Satelliten | Raumfahrt | Astrophysik
James Webb Weltraumteleskop am Ziel
Die Wissenschaft kann möglicherweise bald erforschen, wie das Universum seinen Anfang nahm, denn das neue Weltraumteleskop James Webb hat seine Endposition erreicht.
17.01.2022
Quantenphysik | Teilchenphysik
Ladungsradien als Prüfstein neuester Kernmodelle
Ein internationales Forschungsprojekt hat die modernen Möglichkeiten der Erzeugung radioaktiver Isotope genutzt, um erstmals die Ladungsradien entlang einer Reihe kurzlebiger Nickelisotope zu bestimmen.
13.01.2022
Sonnensysteme | Planeten | Elektrodynamik
Sauerstoff-Ionen in Jupiters innersten Strahlungsgürteln
In den inneren Strahlungsgürteln des Jupiters finden Forscher hochenergetische Sauerstoff- und Schwefel-Ionen – und eine bisher unbekannte Ionenquelle.
12.01.2022
Schwarze Löcher | Relativitätstheorie
Die Suche nach einem kosmischen Gravitationswellenhintergrund
Ein internationales Team von Astronomen gibt die Ergebnisse einer umfassenden Suche nach einem niederfrequenten Gravitationswellenhintergrund bekannt.
11.01.2022
Exoplaneten
Ein rugbyballförmiger Exoplanet
Mithilfe des Weltraumteleskops CHEOPS konnte ein internationales Team von Forschenden zum ersten Mal die Verformung eines Exoplaneten nachweisen.
07.01.2022
Optik | Quantenoptik | Wellenlehre
Aufbruch in neue Frequenzbereiche
Ein internationales Team von Physikern hat eine Messmethode zur Beobachtung licht-induzierter Vorgänge in Festkörpern erweitert.
06.01.2022
Elektrodynamik | Quantenphysik | Teilchenphysik
Kernfusion durch künstliche Blitze
Gepulste elektrische Felder, die zum Beispiel durch Blitzeinschläge verursacht werden, machen sich als Spannungsspitzen bemerkbar und stellen eine zerstörerische Gefahr für elektronische Bauteile dar.
05.01.2022
Elektrodynamik | Teilchenphysik
Materie/Antimaterie-Symmetrie und Antimaterie-Uhr auf einmal getestet
Die BASE-Kollaboration am CERN berichtet über den weltweit genauesten Vergleich zwischen Protonen und Antiprotonen: Die Verhältnisse von Ladung zu Masse von Antiprotonen und Protonen sind auf elf Stellen identisch.
04.01.2022
Milchstraße
Orions Feuerstelle: Ein neues Bild des Flammennebels
Auf diesem neuen Bild der Europäischen Südsternwarte (ESO) bietet der Orion ein spektakuläres Feuerwerk zur Einstimmung auf die Festtage und das neue Jahr.
03.01.2022
Sterne | Elektrodynamik | Plasmaphysik
Die Sonne ins Labor holen
Warum die Sonnenkorona Temperaturen von mehreren Millionen Grad Celsius erreicht, ist eines der großen Rätsel der Sonnenphysik.