Terpentinöl


Terpentinöl

Vor allem aus Kiefern wird Balsam gewonnen, aus dem Terpentinöl destilliert wird.

Terpentinöl (auch als Balsamterpentinöl, echtes Terpentinöl, Kienöl oder Terpentingeist bezeichnet, lateinisch Oleum terebinthinae), umgangssprachlich häufig auch einfach Terpentin, wird durch Destillation aus dem Balsam Terpentin vor allem von Kiefern (Pinus sp.) gewonnen.[1]

Bei völligem Austreiben des Terpentinöls und Wassers aus dem Balsam (Destillation) hinterbleibt Kolophonium. Das mit dem Destillat übergegangene Öl wird nach erfolgter Schichtentrennung von dem Wasser abgelassen und zur Entfernung mitgerissener Farbstoffe, Harze und Säuren (Ameisensäure) nochmals mit Wasser und etwas Kalk destilliert.

Terpentinöl wird beispielsweise als Verdünner und Lösungsmittel für Anstrichmittel (Farbe), aber z. B. auch für medizinische Anwendungen eingesetzt. Als preiswertere Alternative (Terpentinersatz) wird heute häufig Testbenzin verwendet.

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
Gefahrensymbole
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R-Sätze 10-20/21/22-36/38-43-51/53-65
S-Sätze (2)-36/37-46-61-62

Eigenschaften

Struktur des Pinen-Isomers (+)-α-Pinen

Terpentinöl erscheint als eine farblose, leichte und leichtflüchtige, stark riechende und brennend schmeckende Flüssigkeit, die mit rußender Flamme brennt und in Ether, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Petrolether und 5–10 Teilen 90-prozentigen Alkohols, jedoch nicht in Wasser löslich ist.

Die Dichte beträgt 0,860–0,877 g/cm³, die Siedetemperatur 155–165 °C.[3]

Französisches Terpentinöl ist stark linksdrehend, amerikanisches rechtsdrehend (siehe optische Aktivität), nur ganz vereinzelt finden sich schwach linksdrehende Öle. Beide im übrigen gleichwertigen Öle bestehen aus Gemischen isomerer Terpene (zum allergrößten Teil Pinen), die in flachen Gefäßen an der Luft nur teilweise verdunsten und einen durch Sauerstoffaufnahme veränderten Rest (Dicköl der Porzellanmaler) hinterlassen, schließlich aber zu einem harten durchsichtigen Firnis eintrocknen (verharzen). Auf dieser Eigenschaft beruht die Verwendung des Terpentinöl als Bindemittel für Farben.

Verwendung

Terpentinöl löst die meisten Harze, auch Kautschuk, Schwefel und Phosphor, mischt sich mit ätherischen und fetten Ölen und Firnis und wird daher vielfach in der Technik, besonders zur Herstellung von Lacken, zum Verdünnen von Ölfarben und zum Verfälschen ätherischer Öle benutzt. Weiter dient es zur Entfernung von Fettflecken und zum Bleichen von Stoffen, die Chlor nicht vertragen, wie beispielsweise Elfenbein. In hochwertiger Schuhcreme wird es ebenfalls verwendet.[4][5]

In der Medizin wurde es für reizende und zerteilende Einreibungen verwendet, sowie bisweilen tropfenweise innerlich verordnet.[6] Als Verfälschungsmittel hat man besonders höher siedende Petroleumdestillate, Harz- und Kampferöle beobachtet, die sogar als selbständige Waren unter dem Namen künstliches oder Patent-Terpentinöl (Larixolin, Paintoil) im Handel erscheinen und für manche Zwecke verwendbar sind. Sie verringern aber wegen zu großer Flüchtigkeit die Haltbarkeit der Lackanstriche und haben den Nachteil des üblen Geruchs und der Feuergefährlichkeit. Zu ihrem Nachweis genügt die Bestimmung des spezifischen Gewichts, des Entflammungspunktes und besonders der Refraktion. Die im Terpentinöl enthaltenen Aromaten (Terpene) gelten als allergieauslösend bzw. -verstärkend.[7] Als alternatives Lösungsmittel kann Testbenzin verwendet werden.

Herkunft

In Merck’s Warenlexikon, das bis 1922 erschien, wurden verschiedene Terpentinölqualitäten anhand der Herkunft unterschieden:[5]

Außer dem französischen und amerikanischen Terpentinöl ist das deutsche (russisch-polnische) Terpentinöl, das richtiger als Kienöl (lat. oleum pini, seu terebinthinae germanicum, frz. Essence de pin, engl. pine oil) bezeichnet wird, eine wichtige Handelsware. Es wird bei der Teerschwelerei aus dem Wurzelholz der Wald-Kiefer, Pinus sylvestris, gewonnen, zeigt eine gelbliche Farbe, sowie ziemlich starken, unangenehmen Geruch und trocknet nicht so schnell wie amerikanisches oder französisches Terpentinöl. Das Kienöl ist daher zum Mischen mit Lacken nicht geeignet, für Ölfarben nur, wenn es sich um äußere Anstriche handelt, da sein Geruch zu unangenehm wirkt. Es kommt aus Polen und Österreich in den Handel.

Des Weiteren seien noch spanisches, griechisches, österreichisches, venezianisches und indisches Terpentinöl als besondere Sorten genannt. Das spanische Terpentinöl stimmt mit dem französischen überein und hat neuerdings an Bedeutung gewonnen. Das griechische Terpentinöl, aus dem Terpentin der Aleppo-Kiefer, Pinus halepensis Miller, ist durch starke Rechtsdrehung ausgezeichnet (etwa +40°). Das österreichische (Neustädter) Terpentinöl stammt von der Schwarzkiefer, Pinus nigra, das venezianische von der Europäischen Lärche Larix decidua und das indische von Pinus longifolia Roxb.. Im Gegensatz zu den übrigen Terpentinölsorten enthält das indische Terpentinöl nur wenig Pinen, dagegen als Hauptbestandteil Sylvestren.

Verwandte Öle

Dem Terpentinöl verwandte Öle sind:

  1. Templin- oder Edeltannenzapfenöl, das aus den Zapfen von Abies alba Mill. (Weißtanne) gewonnen wird (lat. oleum templinum, frz. essence de templinum, engl. templin oil). Als Herkunftsgebiete kommen vor allem die Schweiz und Thüringen in Betracht. Es hat eine Dichte von 0,851 bis 0,870 g/cm³ und eine Drehung von -60 bis -84° und besteht zum größten Teil aus Linkslimonen.
  2. Edeltannennadelöl (Tannennadelöl)
  3. Latschen- oder Krummholzöl
  4. Fichtennadel- oder Kiefernnadelöl (Oleum pini silvestris)

Diese vier Öle werden vor allem in der Parfümherstellung und als Einreibungsmittel verwandt.

Einzelnachweise

  1. retro|bib: Merck's Warenlexikon, Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884, S.576
  2. Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 8006-64-2 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  3. Brockhaus ABC Chemie in zwei Bänden, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1965, Seite 1388.
  4. Balsamterpentinöl, Terpentinöl, Informationen eines Pigmente-Herstellers, abgerufen am 4. September 2012.
  5. 5,0 5,1 retro|bib: Merck's Warenlexikon, Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884, S.577.
  6. heilpflanzen-welt.de: Terpentinöl als Heilmittel, abgerufen am 8. Februar 2010.
  7. Information des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) 9, abgerufen am 8. Februar 2010.

Weblinks