Goyazit

Goyazit

Goyazit
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Milchweiße Goyazitkristalle aus Rapid Creek, Yukon, Kanada (Sichtfeld: 20 mm)
Chemische Formel

SrAl3[(OH)6|PO3OH|PO4][1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate, Vanadate
8.BL.10 (8. Auflage: VII/B.36) nach Strunz
42.07.03.03 nach Dana
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditrigonal-skalenoedrisch 32/m[2]
Farbe Farblos, Weiß, Rosa, Violett, Zitronengelb, Braun, Grau, Orange
Strichfarbe weiß
Mohshärte 4,5 bis 5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,26 ; berechnet: 3,29[3]
Glanz Glasglanz bis Harzglanz, Perlmuttglanz auf Spaltflächen
Transparenz durchsichtig
Bruch uneben
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}
Habitus tafelig nach - c -, rhomboedrisch, isometrisch
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,620 nε = 1,630[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,010[4] ; einachsig positiv
Pleochroismus Schwach in dicken Körnern: ω = Hellrosa; ε = Gelblich, Grünlich
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Arsenogoyazit

Goyazit, auch als Bowmanit, Hamlinit oder Lusungit bekannt, ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate, das an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorkommen kann, insgesamt aber wenig verbreitet ist.

Goyazit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung SrAl3[(OH)6|PO3OH|PO4][1] und entwickelt meist durchsichtige Kristalle von etwa zwei Zentimetern Durchmesser mit tafeligem, rhomboedrischem oder pseudokubischem Habitus und glas- bis harzähnlichem Glanz auf unbeschädigten Kristallflächen. Spaltflächen weisen dagegen Perlmuttglanz auf. Des Weiteren tritt Goyazit auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate auf.

Besondere Eigenschaften

Perfekt ausgebildeter, pseudokubischer und zitronengelber Goyazit aus Ilfeld im thüringer Harz (Sichtfeld: 0,4 mm)

Reiner Goyazit ist farblos oder durch Gitterbaufehler bzw. bei vielkristalliner Ausbildung weiß. Durch Fremdbeimengungen kann er aber auch eine graue, rosa bis violette, zitronengelbe, orange oder braune Farbe annehmen. Die Strichfarbe ist jedoch immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Goyazit wurde erstmals bei Diamantina im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais entdeckt. Analysiert und beschrieben wurde das Mineral 1884 von Augustin Alexis Damour, der es nach der benachbarten, für ihre diamanthaltigen Flusssande bekannte Provinz Goiás (ehemals Goyaz) benannte.[5]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Goyazit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Arsenocrandallit, Arsenoflorencit-(La), Arsenoflorencit-(Ce), Arsenoflorencit-(Nd), Arsenogorceixit, Arsenogoyazit, Arsenowaylandit, Benauit, Crandallit, Dussertit, Eylettersit, Florencit-(La), Florencit-(Ce), Florencit-(Nd), Gorceixit, Graulichit-(Ce), Kintoreit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit, Springcreekit, Waylandit, Zairit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Goyazit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und dem Verhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex RO4, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen (OH, etc.) : RO4 = 3 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Arsenocrandallit, Arsenoflorencit-(Ce), Arsenogorceixit, Arsenogoyazit, Benauit, Crandallit, Dussertit, Eylettersit, Florencit-(Ce), Florencit-(La), Florencit-(Nd), Gorceixit, Graulichit-(Ce), Pattersonit, Kintoreit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit, Springcreekit, Waylandit und Zaïrit sowie den bisher nicht durch die IMA bestätigten Minerale Arsenoflorencit-(La), Arsenoflorencit-(Nd) und Arsenowaylandit die unbenannte Gruppe 8.BL.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Goyazit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er zusammen mit Crandallit, Gorceixit, Lusungit, Plumbogummit, Kintoreit, Benauit und Springcreekit in der „Crandallitgruppe“ mit der System-Nr. 42.07.03 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)3Zq × x(H2O)“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Goyazit und Siderit (dunkelgrau) aus Rapid Creek, Yukon, Kanada

Goyazit bildet sich in hydrothermal argillitisierten Verwitterungszonen (argillic alteration) granitischen Pegmatiten, das heißt in dieser Zone wurden verschiedene Minerale in Tonminerale umgewandelt[6]. Ebenso findet sich das Mineral aber auch in kaolinitisierten Lehmböden ehemaliger vulkanische Tuffe und Karbonatite. Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Apatite, Baryt, Diamant, Herderit, Kaolinit, Monazit, Pyrit, Quarz und Sphalerit.[3]

Insgesamt konnte Goyazit bisher (Stand: 2011) an rund 120 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität Diamatina trat das Mineral in Brasilien noch an mehreren Stellen des Jequitinhonha-Tals und bei Barreiro in Minas Gerais, in den Karbonatiten von Goyaz sowie in den Gemeinden Viseu (Pará) und Frei Martinho (Paraíba) auf.

In Deutschland fand sich Goyazit unter anderem in der Grube Clara in Baden-Württemberg; am Rotenfels, bei Leupoldsdorf und am Großen Waldstein im Fichtelgebirge und bei Hagendorf-Waidhaus in der Oberpfalz in Bayern sowie an den Greifensteinen und bei Sadisdorf in Thüringen.

In Österreich wurde das Mineral bisher am Katschberg zwischen Kärnten und Salzburg sowie an mehreren Stellen der Fischbacher Alpen und am Galgenberg bei Leoben in der Steiermark gefunden und in der Schweiz trat es bisher nur in den Kantonen Graubünden und Wallis auf.

Weitere Fundorte sind Australien, Bolivien, Burundi, China, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kenia, Madagaskar, Malawi, Namibia, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tunesien, Ukraine, Usbekistan und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Kristallstruktur

Goyazit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166) mit den Gitterparametern a = 7,02 Å und c = 16,50 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung

Goyazit hat außer als Mineralprobe keine wirtschaftliche Bedeutung.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 462.
  2. Webmineral - Goyazite (englisch)
  3. 3,0 3,1 Handbook of Mineralogy - Goyazite (englisch, PDF 63,9 kB)
  4. 4,0 4,1 Mindat - Goyazite (englisch)
  5. A. Damour (1884): Note sur un nouveau phosphate d'alumine et de chaux, des terrains diamantifères, in: BULLETIN DE LA SOCIETE MINERALOGIOUE DE FRANCE, Paris, 7, S. 204-205 (französisch, PDF 147,8 kB)
  6. Definition von argillic alteration

Weblinks

Commons: Goyazite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

  • Mineralienatlas:Goyazit (Wiki)