Rochlitzer Porphyr

Rochlitzer Porphyr

Grab von Dedo V. der Feiste und seiner Frau im Kloster Wechselburg
Romanisches Portal im Kloster Wechselburg
Kursächsische Postmeilensäule aus Rochlitzer Porphyr
Fassadenplatten in Ankermontage, Rochlitzer Porphyr mit frischer Farbe und Aderbild

Der Rochlitzer Porphyr, auch Rochlitzer Porphyrtuff, ist ein vulkanisches Gestein, das nach moderner petrographischer Nomenklatur als rhyolitischer Tuff bezeichnet wird. Nach seiner Genese ist es Ignimbrit, eine Ablagerung aus einem pyroklastischen Dichtestrom. Der Rochlitzer Porphyr wird am Rochlitzer Berg und in einem kleineren Steinbruch auf der Pappelhöhe bei Rochlitz in Sachsen seit vielen Jahrhunderten als Naturwerkstein abgebaut und ist dadurch mit seinem petrographisch irreführenden Namen weit über seine Region bekannt geworden. Zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Bauwerke sind aus Rochlitzer Porphyr errichtet worden.

Gesteinsbeschreibung

Es handelt sich um ein rotes, rotviolettes, braunes, graugelbes Gestein. Oft ist es von unregelmäßigen Klüften durchzogen. Ferner finden sich Schieferfragmente und Sandkörner aus Schichten vom unteren Perm. Der Rochlitzer Porphyr ist ein sehr poröses Gestein und von zahlreichen Einschlüssen wie rundlichen Quarzen und Feldspaten gekennzeichnet. Die Lagerstätte durchziehen zahlreiche gelbliche Bänder.
Die korrekte petrographische Bezeichnung ist (vulkanischer) Tuff, denn das Vorkommen bildete sich als Ablagerung von pyroklastischen Dichteströmen. Das Gestein ist dick gebankt, die Bänke entsprechen einzelnen Dichteströmen.

Einzelne Fließeinheiten des "Rochlitzer Porphyrs"

Der historisch überlieferte Name dieses Bau- und Bildhauergesteines ist nach moderner Gesteinsnomenklatur irreführend, weil Gesteine mit typischen porphyrischen Gefügebildern andere Entstehungsbedingungen hatten. Es ist hierbei auf die unterschiedliche Anwendung in den Fachsprachen der Geologen und der Gesteinsverarbeiter zu achten.
Im 19. Jahrhundert war es in diesem Fall noch nicht getrennt. Der Geologe Carl Friedrich Naumann beschreibt 1836 in seinen Erläuterungen zur geognostischen Charte des Königreiches Sachsen die Gesteinsvorkommen am und um den Rochlitzer Berg. Dazu führte er in Hinblick auf die Lagerstättenverhältnisse aus: Nach ihrer petrographischen Eigenthümlichkeit sind besonders folgende Porphyre zu unterscheiden: 1.) der untere Rochlitzer Porphyr, 2.) der obere Rochlitzer Porphyr, ... und weiter ...lavendelblaue, perlgraue, fleisch- bis ziegelrothe sehr poröse Grundmasse mit sehr viel Quarzkörnern und wenig Steinmark; die Blasenräume mit hellrothem Thone überzogen; diese Varietät wird vorzüglich als Werkstein geschätzt.[1] Darauf beruht im Wesentlichen die anhaltende Verwendung des Begriffs bei den technisch-handwerklichen Anwendern sowie in architektur- und kunstgeschichtlichen Zusammenhängen.

Entstehung

Der Rochlitzer Porphyrtuff entstand durch die Aktivität eines Vulkans im Bereich des Rochlitzer Berges zur Ablagerungszeit des Rotliegend im Unterperm. Das Ausgangsmaterial war ein kieselsäurereiches Magma, welches in gigantischen plinianischen Vulkanausbrüchen in Form von Pyroklastika und Lavaströmen eruptiert wurde. Bedingt durch das kieselsäurereiche Magma wurden die Pyroklastika in erster Linie in Form von pyroklastischen Fließablagerungen sedimentiert. Die daraus entstandenen Gesteine werden Tuffe genannt. In besonders heißen pyroklastischen Dichteströmen kam es auch zur partiellen Aufschmelzung und/oder Verschmelzung der Komponenten; es entstand ein Schmelztuff oder Ignimbrit. Der letztere Name kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „ignis“ für „Feuer“ und „imbris“ für „Regen“ zusammen.

Die bei diesen Ausbrüchen ausgeworfenen Pyroklastika (Fließ- und Fallablagerungen) akkumulierten sich im weiteren Verlauf auf mehrere hundert Meter betragende Mächtigkeit in der dabei entstandenen Lagerstätte. Die Gesteinseinheit, in der der Rochlitzer Porphyr dominiert, wird in der modernen Terminologie auch als Rochlitz-Formation bezeichnet[2].

Verarbeitung

Das gesprengte Material wird mit Hilfe von Radladern und LKWs in das nur wenige Meter entfernte Werk transportiert. Dort werden die gewaltigen Blöcke durch Seilsäge, Brückensäge und Gatter in die für die Weiterverarbeitung geeignete Größe gebracht. Danach kann der Rochlitzer Porphyr mit handwerklichen und maschinellen Methoden weiter verarbeitet werden.

Verwendung

Steinfunde, deren Alter auf rund 3.000 Jahre geschätzt wird, belegen, dass der Rochlitzer Porphyr lange vor unserer Zeitrechnung z.B. als Mahlstein Verwendung fand.
Das Gestein wird unter der Handelsbezeichnung Rochlitzer Porphyr, Rochlitzer Porphyrtuff oder seltener auch Rochlitzer Marmor seit Jahrhunderten vertrieben. Ferner ist er für moderne und historisch bedeutsame Bildhauerwerke, Garten- und Landschaftsgestaltung, Grabmale, etc. eingesetzt worden.

Das schönste Material kommt aus dem Gleisbergsbruch und das härteste aus dem Mühlsteinbruch. Entsprechend eines geologischen Gutachtens ist für die kommenden 80 Jahre genügend Nutzgestein vorhanden.[3]

Das nicht für die Werksteinherstellung geeignete Gestein wird gemahlen für den Sportplatzbau und für Tennisplätze verwendet und es war die „Rochlitzer Decke“ die die Laufbahnen der Sportanlagen der Olympischen Sommerspiele 1936 rot färbte.[3]

Firmengeschichte

Bereits im Jahre 1585 wurde ein Steinbruch von der Steinmetzfamilie Haberkorn aufgeschlossen, der 300 Jahre im Besitz dieser Familie blieb. 1907 wurde ein Werk in Breitenborn in Sachsen mit Gleisanschluss eröffnet und 1910 erwarb ein Steinmetzmeister Emil Haberkorn das Werk und die 7 vereinigten Steinbrüche.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren bis zu 300 Personen in Brüchen und im Werk dieser Firma beschäftigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnete ein Familienmitglied der Haberkorns 1948 die Brüche und das Werk wieder, die 1972 verstaatlicht wurden. Die Gewinnungstechnologie in den 7 Steinbrüchen und die Sägetechnik war auf dem Vorkriegsniveau stehen geblieben. Mit der Wende kam das Aus für den staatseigenen Betrieb und nach einer erfolgreichen Reprivatisierung wurde der bis heute existierenden Betrieb neugegründet und befindet sich wieder im Eigentum der Haberkorns.[3]

Gebäude und Skulpturen

Mit der Errichtung geistlicher Herrschaftsgebäude erlebte das Gestein schließlich den Durchbruch. In Mittel- und Westsachsen ist es zu einem die Architektur prägenden Denkmalgestein geworden. So können die Rochlitzer Porphyrbrüche historische und neuzeitliche Verwendungen belegen.

  • Altes Rathaus und die Thomaskirche in Leipzig
  • Burg und Stadtkirche in Eilenburg
  • Schloss in Glauchau
  • St.-Nikolai-Kirche in Döbeln
  • Rittergut in Kössern
  • Basilika in Wechselburg
  • Schloss Rochlitz
  • Kirche in Beerwalde (Gemeinde Erlau)
  • Burg Kriebstein bei Waldheim (1382–1407)
  • Muldenbrücke in Rochlitz (1433)
  • St.-Petri-Kirche in Rochlitz (1450)
  • gotischer Chorbau und Schiff der Kunigundenkirche in Rochlitz (1417–1499)
  • Göhrener Viadukt bei Wechselburg (1871)
  • Neufassung des Kant-Grabs in Königsberg (Ostpreußen) (1924)
  • Grassimuseum in Leipzig (1925–1929)
  • Eingangshalle im Gebäude der Deutschen Bank in Chemnitz (1926)
  • Bismarckdenkmal in München
  • Schloss Colditz
  • Löwendenkmal der Bayer-Werke in Leverkusen
  • Fruchtbarkeitsbrunnen von Hugo Lederer am Arnswalder Platz in Berlin
  • Fundamentplatten des Brandenburger Tors in Berlin
  • Pöppelmannbrücke in Grimma (1718-1719)
  • Joseph-Görres-Denkmal in Koblenz (1928)
  • Block der Frauen / Denkmal Rosenstraße in Berlin
  • Jagdschloss Augustusburg
  • Neue Propsteikirche St. Trinitatis (2014) in Leipzig

Weitere Verwendung

Ende der 1990er Jahre wurde die Produktpalette der Vereinigten Porphyrbrüche erweitert.

Galerie

Literatur

  • Heiner Siedel: Sächsische „Porphyrtuffe“ aus dem Rotliegend als Baugesteine: Vorkommen und Abbau, Anwendung, Eigenschaften und Verwitterung. In: Institut für Steinkonservierung e. V. Bericht Nr. 22, 2006, S. 47-58. http://www.tu-dresden.de/biw/geotechnik/geologie/publikationen/download/Tuffe_IfS.pdf
  • Jens Czoßek: Sächsischer Marmor – Der „Porphyrtuff“ von Rochlitz. In: Die Erde knallt! Vulkane in Sachsen Ausstellungskatalog Museum der Westlausitz Kamenz. Kamenz 2008, ISBN 3910018475, S. 11-21.

Einzelnachweise

  1. Carl Friedrich Naumann: Erläuterungen zu Section XIV der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, oder Geognostische Skizze der Gegend zwischen Taucha, Strehla, Bräunsdorf und Altenburg. Dresden, Leipzig 1836, S. 112, 115
  2. G. Schwerdtner, H. Anger, M. Störr: Die Kaolinlagerstätten des Kemmlitzer Reviers. Bergbaumonographie. Bergbau in Sachsen, 13: 116 S., Dresden 2007
  3. 3,0 3,1 3,2 Axel Kalenborn: Ein Neubeginn für den Rochlitzer Porphyr. In: Stein Heft 12/1991, S. 28 ff

Weblinks

Commons: Rochlitzer Porphyr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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51.02290712.763367Koordinaten:

51° 1′ 22″ N, 12° 45′ 48″ O