Ludwig Wilhelm Gans

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Ludwig Wilhelm von Gans (* 6. August 1869 in Frankfurt am Main; † 1946 in Kopenhagen) war ein deutscher Chemiker, Industrieller und wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft Opfer des Nationalsozialismus.

Familie

Ludwig Wilhelm von Gans wurde als jüngster Sohn des Großindustriellen Friedrich von Gans und seiner Ehefrau Auguste Ettling (1839-1909) geboren. Friedrich Ludwig Gans wurde 1912 als Fritz von Gans in den erblichen Adelsstand erhoben. Ludwig Wilhelm war der Enkel des Cassella-Mitgründers Ludwig Aaron Gans. Er war der jüngste von drei Kindern. Seine Schwester Adele (1863-1932) lebte später mit ihrem zweiten Ehemann in London, sein älterer Bruder Paul von Gans (1866-1915) starb schon relativ früh. Ludwig Wilhelm Gans konvertierte, wie seine ganze Familie in den 1880er-Jahren vom Judentum zum Protestantismus.

Ludwig Wilhelm von Gans war mit Elisabeth, geborene Keller, verheiratet, deren Vater Charles Keller ein berühmter Landschaftsgestalter war. Charles Keller studiert in Kew Gardens/England und war dann für Gärten, Parks und Anlagen in Monaco verantwortlich. In Monte Carlo wurde auch Elisabeth Keller geboren. Aus der Ehe gingen die Kinder Herbert, Armin, Marguerite und Gertrude hervor.

Die älteste Tochter Marguerite von Gans (1902-1979) heiratete 1922 den vermögenden Breslauer Bankier Dr.rer.pol. und Dr.jur. Ernst-Heinrich Heimann (*1896 Breslau). Auch dieses Ehepaar musste nach 1933 fast mittellos in die Schweiz fliehen.

Leben und Werk

Ludwig Wilhelm von Gans studierte Chemie und arbeitete nach dem Studium im väterlichen Unternehmen. Später gründete er 1897 sein eigenes Chemieunternehmen, die Firma Pharma-Gans, mit Sitz in Frankfurt. 1910 zog er mit seiner Familie nach Oberursel, wo er sich vom bekannten Architekten Otto Bäppler die Villa Gans (das spätere Haus der Gewerkschaftsjugend-heute Hotelprojekt) errichten ließ. Das Grundstück wurde ihm von seinem Schwiegervater übereignet. Die Villa wurde im Tudor-Stil eines englischen Landhauses errichtet mit Stallgebäude, Gewächshaus, Gesindehaus, Reithalle und Pförtner- und Jägerhaus. Die Villa selbst war über 30m lang und 21m tief. Der umliegende Park umfasste ca. 10 ha einschließlich eines groß angelegten Esskastanienhains. Auch die Chemiefirma zog nach Oberursel um, wo er 1911 zusätzlich das „Pharmazeutisches Institut L. W. Gans“ in Oberursel am Zimmersmühlenweg errichten ließ. Die Firma war erfolgreich und stellte unter anderem Seren für Impfstoffe und Insulin her. Bereits nach 18 Jahren zog 1928 die Familie Gans von Oberursel zurück nach Frankfurt in den Kettenhofweg 125. Villa und Park wurden einer Bank verkauft, das Inventar versteigert. Auch das Chemieunternehmen musste seinen Betrieb einstellen. Grund hierfür war einerseits ein verlorener Patentstreit mit den Cassella-Werken und andererseits die Weltwirtschaftskrise.

Engagement

Wie sein Vater legte auch Ludwig Wilhelm von Gans Wert auf sozialem Leistungen für seine Mitarbeiter. So erhielten seine Mitarbeiter ab 1912 eine Gewinnbeteiligung. Von 1913 bis 1919 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Oberursels. Als Mitglied der evangelischen Christuskirchengemeinde Oberursels erwies er sich als Spender.

Zeit des Nationalsozialismus

Auch wenn er seit mehr als 50 Jahren Christ war, galt er im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie als Jude. 1938 musste er daher in die Schweiz emigrieren. Bei einem Besuch eines Bekannten in Dänemark wurde er im April 1940 nach der Besetzung des Landes verhaftet. Dadurch konnte er nicht im Rahmen der Rettung der dänischen Juden nach Schweden flüchten und wurde am 6. Oktober 1943 im Alter von 74 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Im Ghetto Theresienstadt waren auch sein Vetter Arthur von Weinberg und seine Cousine Emma Bonn festgehalten.

Ludwig Wilhelm von Gans überlebte die Zeit im Theresienstadt. Nach der Befreiung war Ludwig von Gans jedoch halb verhungert und durch die Haftbedingungen geistig verwirrt. Nach der Befreiung wurde er nach Schweden und dann nach Dänemark gebracht. 1946 starb Ludwig von Gans durch Suizid.

Quellen

Literatur

  • Angela von Gans, Monika Groening: Die Familie Gans 1350 - 1963. Verlag Regionalkultur, Heidelberg 2006, 464 Seiten, ISBN 978-3-89735-486-9.

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