J. W. Weiler & Cie.

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J. W. Weiler & Cie war eine Anilin- und Salpetersäurefabrik, die 1. Oktober 1861 von dem Kaufmann Joseph Wilhelm Weiler (* 1819; † 1875) gegründet wurde. Sie lag an der Venloer Straße in Ehrenfeld bei Köln. Die Anlage, die auf der Reduktion des Nitrobenzins nach Bechamp basierte, belieferte die neu gegründeten Farbstoffproduzenten im unteren Rhein-Bereich mit immer größeren Mengen Anilins. Das Unternehmen expandierte sehr schnell. Nach dem plötzlicher Tod des Gründers (1875) übernahm sein Sohn Dr. Julius Weiler (* 1850; † 1904), der Chemie mit Adolf (von) Baeyer studiert hatte, das Management. Im Jahr 1880 betrug der Anteil an der deutschen Anilinproduktion schon etwa 35 %, bis 1886 hatte die Kapazität der aromatischen Amine dann 1200 Tonnen erreicht. [1] Im Jahre 1880 begann man mit der Fabrikation von Salpetersäure in der Fabrik von Müngersdorf und übernahm 1881 käuflich die seit den 40er Jahren bestehende Wöllner’sche Schwefelsäurefabrik in Köln-Riehl. [2] 1889 wurde sie mit einem Kapital von 2.125.000 Mark in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und nannte sich fortan „Chemische Fabriken, vorm. J. W. Weiler & Cie“. 1889 wurde die 1887 in Annen von den Kaufleuten Heinrich Korfmann und Ewald Franke gegründete Sprengstoff-Fabrik „Wittener Roburit-Fabrik"[3] übernommen.

In einer Selbstdarstellung von 1893 heißt es: Sie betreibt die Fabrikation von Anilin und verwandten Produkten als Rohmaterial der Farbenfabrikation und ist die älteste und eine der bedeutendsten ihrer Art. Sie besitzt Filialen in Köln-Müngersdorf und Riehl. Ausgehend von den Produkten der Teerdestillation erzeugt sie die Kohlenwasserstoffe der Benzolreihe, ihre Nitroderivate, sowie Dinitrobenzol und Binitrotoluol, Anilin, die Toluidine, Xylidine, Naphthylamin und Anilinsalz und liefert alle diese Produkte im Zustande vollkommener Reinheit an die Farbenindustrie. Die für ihren Bedarf nötige Salpeter- und Schwefelsäure, welche Säuren sie auch zum Verkauf bringt, erzeugt sie selbst. Ein Teil der Produktion wird nach den Vereinigten Staaten exportiert.[4]

1896 fusionierte sie mit ihrem besten Kunden, dem Uerdinger Unternehmen Teerfarbenfabrik Dr. E. ter Meer & Cie unter dem Namen „Chemische Fabriken – vormals Weiler-ter Meer“. Um die Logistik zu verbessern wurde die Produktion der aromatischen Amine vollständig nach Uerdingen verlagert und der Standort Ehrenfeld geschlossen.

Dieses Konstrukt ging 1916 in der Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenfabriken und 1925 in der I.G. Farben auf.

Teilnahme an Weltausstellungen

  • Paris 1867: Silberne Medaille
  • Weltausstellung 1873 in Wien: Fortschrittsmedaille
  • World’s Columbian Exposition 1893 in Chicago

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Scheinert: „Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Teerfarbenindustrie und der chemischen Technik vor dem Ersten Weltkrieg“ (Zeitschrift für Unternehmensgeschichte (ZUG) Jahr: 1988 Heftnummer: 4 Seite(n): 217-231).
  2. 50 Jahre Kölner Bezirks-Verein Deutscher Ingenieure - Geschichtliche Aufzeichnungen - Hannover: Roerts (1911).
  3. http://www.friedhof-witten.de/image/roburit.pdf
  4. Führer durch die Ausstellung der chemischen Industrie Deutschlands auf der kolumbischen Weltausstellung in Chicago 1893. Gedruckt bei J. Sittenfeld, 1893. 115 Seiten.

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