Human Leukocyte Antigen

Lage der humanen Leukozyten-Antigene auf dem Chromosom 6 mit seinen Genorten HLA-A, -B, -C, -DR, -DQ und -DP.

Das humane Leukozytenantigen-System (HLA-System, HL-Antigene, engl. Human Leukocyte Antigen) ist eine Gruppe menschlicher Gene, die für die Funktion des Immunsystems zentral sind. Das System kommt unter dem Namen Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC von engl. Major Histocompatibility Complex) bei allen Wirbeltieren vor. Bei Menschen wird der MHC als HLA-System bezeichnet. Weitere Synonyme sind Histo-Kompatibilitäts-Antigen und Transplantations-Antigen.

Genetik

Die Gene für alle HLA-Proteine mit Ausnahme des β-Mikroglobulins (Chromosom 15) finden sich etwa in der Mitte des kurzen (p-)Armes auf dem Chromosom 6 und lassen sich topographisch in zwei Klassen einteilen:

  • Klasse-I-Antigene (A, B & C)
  • Klasse-II-Antigene (DR, DP & DQ)

Nomenklatur

Der Name eines HLA-Antigens setzt sich wie folgt zusammen:

  • der Abkürzung „HLA“
  • dem Buchstaben, der den Isotyp bezeichnet, den Genort (z. B. HLA-B)
  • der (oft weggelassenen) Angabe der Erhebungsmethode in Klammern (z. B. (PCR-SSO) oder (PCR-SSP))
  • einem (manchmal weggelassenen) Sternchen (*)
  • einer Gruppennummer, die die spezifische Antigenvariante bezeichnet (z. B. HLA-B27 oder auch HLA-B (PCR-SSO) *27).
  • einer zweistelligen Nummer, die die Variante der Gruppe beschreibt (z. B. HLA-B*1501)
  • einer zweistelligen Nummer, die eine Variante mit synonymer Nukleotidsubstitution angibt (z. B. HLA-B*150101)
  • einer zweistelligen Nummer, die die Intronvariation angibt (z. B. HLA-B*15010102)
  • einem Buchstaben: N für Nicht-Ausprägung, L für schwache Ausprägung (z. B. HLA-B*15010102 N)

Medizinische Bedeutung

HL-Antigene dienen der Bestimmung der Histokompatibilität, die für den Erfolg von Transplantationen wichtig ist. Je ähnlicher sich die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Gefahr von Abstoßungsreaktionen. Inzwischen setzt sich jedoch die Erkenntnis durch, dass die Bedeutung der Ähnlichkeit der HLA-Merkmale für den Erfolg einer Transplantation überschätzt wurde. Identische HLA-Merkmale finden sich nur bei eineiigen Zwillingen oder Klonen.

Eine weitere wichtige Bedeutung kommt den HL-Antigenen durch die HLA-Typisierung zu. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass viele Krankheiten mit bestimmten HL-Antigenen assoziiert sind. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf das Krankheitsrisiko ziehen.

Des Weiteren wird eine HLA-Austestung von Spender und Empfänger auch in speziellen Fällen vor einer Transfusion von Thrombozytenkonzentraten durchgeführt. Bei Empfängern, die in der Vorgeschichte mehrfach Thrombozyten erhalten haben, kann es zu einer Sensibilisierung kommen, so dass unpassende Thrombozyten schnell wieder zerstört werden. Die Transfusion von HLA angepaßten Thrombozyten kann dann notwendig sein, um überhaupt einen Anstieg der Thrombozytenzahlen zu erzeugen.

Vererbung

Jeder Mensch besitzt 2 HLA-Merkmale (Allele) pro Genort, ein mütterlich und ein väterlich ererbtes. Die HLA-Gene für die verschiedenen Genorte werden gekoppelt als festes Set (Haplotypen) vererbt.

Beispiel: Der Vater hat den Genotyp A1,2;B8,40;DR3,6, dann hat er den Haplotyp a (A1;B8;DR3) und den Haplotyp b (A2;B40;DR6). Die Mutter hat den Genotyp A2,29;B15,44;DR6,7, dann hat sie den Haplotyp a (A2;B15;DR6) und den Haplotyp b (A29;B44;DR7). Jedes Kind erbt von jedem Elternteil jeweils einen Haplotypen. Es gibt demnach nur vier mögliche Genotypen für ein Kind:

  • A1,2;B8,15;DR3,6
  • A1,29;B8,44;DR3,7
  • A2,2;B40,15;DR6,6
  • A2,29;B40,44;DR6,7

Als Vaterschaftstest ist eine HLA-Typisierung daher gut geeignet.

Literatur

  • Reinhold Eckstein: Immunhämatologie und Transfusionsmedizin. Urban&Fischer/Elsevier, München 2004, ISBN 3-437-21032-7.
  • Ralf Waßmuth: Einführung in das HLA-System. Ecomed-Verlag, Landberg/Lech 2005, ISBN 3-609-16332-1.

Weblinks

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