Christian Streffer

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Christian Streffer (* 5. Juli 1934 in Schneidemühl) ist ein deutscher Strahlenbiologe und emeritierter Hochschullehrer.

Leben

Streffer studierte Chemie und Biochemie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Eberhard Karls Universität Tübingen, den Universitäten München, Hamburg und Freiburg i. Br. Er wurde Mitglied der Corps Saxonia Jena et Bonn (1954) und Borussia Tübingen (1955).[1] Er beschloss das Studium als Diplomchemiker im Dezember 1959 und promovierte im Januar 1963 in Freiburg zum Dr. rer. nat.. Nach einem Forschungsaufenthalt am Department of Biochemistry der Universität Oxford, England bei dem Nobelpreisträger Sir H. A. Krebs arbeitete er am Radiologischen Institut der Universität Freiburg als wissenschaftlicher Assistent und Oberassistent, 1967 habilitierte er sich für Molekulare Strahlenbiologie und wurde Wissenschaftlicher Rat und Professor für Strahlenbiologie am Radiologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1974 wurde er von der Universität Essen auf den Lehrstuhl für Medizinische Strahlenbiologie berufen; als Direktor leitete er das Institut am Universitätsklinikum Essen über 25 Jahre. 1976/1977 und 1981/1983 war er Dekan der Fakultät für Theoretische Medizin und von 1988 bis 1992 war er Rektor der Universität Essen. 1999 wurde er emeritiert.

Seit 1996 bis 2006 war er auch Direktor der Abteilung für ethische Fragen von Naturwissenschaft und Technik im Institut für Wissenschaft und Ethik, einem An-Institut der Universitäten Bonn und Duisburg-Essen. Seit 2008 ist er Emeritus Member der Main Commission, International Commission for Radiological Protection, ICRP. Daneben war er als Gutachter zum Strahlenrisiko für die Bundesregierung, Landesregierungen, Sozialgerichte und Berufsgenossenschaften tätig sowie "Overseas Expert" für die Japanische Regierung im Zusammenhang mit dem Reaktorunfall in Fukushima.

Er war Leiter verschiedener interdisziplinärer Projektgruppen und Erstautor bei der Publikation dieser Projekte; u. a.

  • „Environmental Standards: Combined Exposures and their Effects on Human Beings and their Environment“ (2003);
  • “Low Dose Exposures in the Environment: Dose-Effect Relations and Risk Evaluation” (2004);
  • “Ethische Probleme einer langfristigen globalen Energieversorgung” (2005).
  • Radioactive Waste – Technical and Normative Aspects of ist Disposal (2011).

Gastprofessuren erfolgten an den Universitäten Rochester, N.Y., U.S.A. und Kyoto, Japan.

Wissenschaftliche Arbeitsgebiete: Strahlenrisiko des Menschen insbesondere während der pränatalen Entwicklung; Untersuchungen der genomischen Instabilität, von Chromosomenveränderungen und biochemischer Systeme nach Bestrahlung. Experimentelle Tumortherapie mit ionisierenden Strahlen (Röntgenstrahlen, Neutronen). Fragen des Strahlenschutzes und der Bewertung des Strahlenrisikos einschließlich ethischer Fragen. Bewertung des Risikos nach Bestrahlung und gleichzeitiger Einwirkung toxischer Substanzen.

Kommissionsarbeit: Strahlenschutzkommission der Bundesregierung (Vorsitz 1984/85 und 1993-95), Internationale Kommission für Strahlenschutz (ICRP, Mitglied der Hauptkommission und Chairman des Committee 2 bis 30. Juni 2007, vorher Mitglied von Committee 1), Wissenschaftliches Komitee der Vereinten Nationen für Wirkungen ionisierender Strahlen (UNSCEAR), Leiter der Deutschen Delegation bis 2006. Vorstandsarbeit in einer Reihe wissenschaftlicher Gesellschaften. 1994 und 1995 Präsident der European Society for Radiation Biology.

Ehrungen

  • Holthusen-Ring der Deutschen Röntgen-Gesellschaft (1973)
  • Röntgen-Plakette der Stadt Lennep (1985)
  • Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland am Bande 1985, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1994)
  • Ehrendoktor|Dr. med. h. c. der Universität Kyōto, Japan (1995)
  • Bacq Alexander Award der European Society for Radiation Research (1996)
  • Marie-Sklodowska-Curie Medal of the Polish Society for Radiation Research (2001)
  • Friedrich-Dessauer Medaille der Deutschen Association for Radiological Protection (2002)
  • Ehrenpräsident der European Society for Radiation Biology (2002 -2008)
  • Hanns Langendorff Medaille der Hanns-Langendorff-Stiftung und der Gesellschaft für Medizinischen Strahlenschutz (2007)
  • Sievert Award der International Radiological Protection Association (2008)
  • Ulrich Hagen Medaille der Gesellschaft für biologische Strahlenforschung (2009)
  • Distinguished Service Award of the Radiation Research Society, USA (2009)
  • Ehrenmitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1996, 147, 26; 21, 666

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