Baumberger Kalksandstein

Baumberger Kalksandstein

St. Paulus-Dom in Münster aus Baumberger Sandstein
Inneres des Doms in Osnabrück aus Baumberger Sandstein
Erker am Historischen Rathaus in Bocholt

Der Baumberger Kalksandstein oder auch einfach Sandstein ist ein natürlicher fein- bis mittelkörniger mergeliger Kalksandstein, der seit 1000 Jahren in den münsterländischen Baumbergen nahe den Ortschaften Havixbeck, Billerbeck und Nottuln abgebaut wird. Er entstand in der Zeit der Oberen Kreide im Campan.

Petrographie und Vorkommen

Dieser Sandstein ist von grauer, im verwitterten Zustand von gelblich-bräunlicher Färbung. Es besteht aus 39 Prozent Karbonat- (zerriebener Fossilschutt) und aus 31 Prozent Biogen- und aus 19 Prozent Klasten (davon 16 Prozent Quarz, 3 Prozent Feldspat und Gesteinbruchstücke) und aus 11 Prozent Glaukonit. Die häufigste Korngröße liegt bei 0,1 Millimeter[1].

Der Baumberger Sandstein wird in drei verschiedene Werksteinschichten unterschieden, wobei die oberste und die unterste Schicht die härtesten sind. Aufgrund des hohen Kalkgehalts und des großen überliegenden Drucks ist die unterste Schicht sehr hart und wird deswegen hauptsächlich für den Außenbereich verwendet. Diese Schicht kann im Gegensatz zu den anderen beiden Schichten neben der charakteristischen gelblichen Farbe eine hell- bis dunkelgraue Färbung aufweisen. Derzeit sind noch drei Steinbrüche für die Werksteinförderung in Betrieb.

Eigenschaften und Verwendung

Das Gestein ist vergleichsweise weich und gilt als ein sehr verwitterungsanfälliges Baumaterial. Der Zerfall der Steine ist auf zwei Haupteinflussfaktoren zurückzuführen:

  1. Die Verwendung von ungeeignetem Material aus den "Coesfelder Schichten",
  2. Die nicht lagergerechte Verarbeitung des Materials.

Vor allem der zweite Punkt hat dem Ansehen und Verwendung des Baumberger Sandsteines sehr geschadet. Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass der Stein in der gleichen Lage verarbeitet werden soll, wie er dem Steinbruch entnommen wurde. Geschieht das nicht, stehen die Werkstücke auf Spalt, gewißermaßen auf dem Kopf. Solche Werkstücke wie beispielsweise der Figurenschmuck am Billerbecker Dom mussten bereits nach 100 Jahren ausgetauscht werden, weil sie vollständig verwittert waren. Heute muss deshalb bei der Bestellung von Baumberger Kalksandstein der Verwendungszweck und Einbaulage angegeben werden, damit das geeignete Material für den jeweiligen Zweck ausgesucht werden kann.

Verwendet wird dieser Naturstein für Massivbauten, Pflaster- und Bordsteinen, Treppen, Fensterbänke und Bodenplatten außen. Im Mittelalter fand er in ganz Norddeutschland und den Niederlanden Anwendung. Der Baumberger Sandstein wurde unter anderem am Bocholter und am Münsteraner Rathaus sowie am Kölner, Münsteraner und Osnabrücker Dom verbaut und für Grabsteine auf dem Zentralfriedhof in Münster verwendet. Er eignet sich sowohl für die Herstellung von Bauplastik und -zier und als auch für die Herstellung moderner Skulpturen durch Steinbildhauer.

Das Baumberger Sandsteinmuseum in Havixbeck informiert über die Entstehung dieses Natursteins, die Handwerksgeschichte der Steinbrecher, Steinhauer, Steinmetzen und Bildhauer in den Baumbergen sowie der Verbreitung und Verwendung des Materials in der Vergangenheit und Gegenwart. Am besten geeignet ist der Baumberger Kalksandstein für Anwendung im Innenbereich.

Siehe auch

  • Liste der Sandsteine
  • Sphenocephalus, ein ausgestorbener Fisch, dessen Fossilien im Baumberger Kalksandstein gefunden wurden.

Literatur

  • Wolf-Dieter Grimm: Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland. Hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Lipp-Verlag, München 1990, ISBN 3-87490-535-7.

Siehe auch

  • Baumberger Sandsteinmuseum

Weblinks

Einzelnachweis

  1. Grimm: Denkmalatlas wichtiger Denkmalgesteine. Gestein Nr. 145 (siehe Literatur)