Valerius Cordus

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Valerius Cordus

Valerius Cordus (* 18. Februar 1515 in Kassel; † 25. September 1544 in Rom) war ein deutscher Botaniker, Arzt, Pharmakologe und Naturforscher. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „V.Cordus“.

Leben

Der Sohn des Euricius Cordus (Heinrich Ritze, 1486-1535) erwarb den Baccalaureus 1531 an der Universität Marburg und studierte dann in Leipzig. Ab 1539 studierte er (unter anderem bei Philipp Melanchthon) an der Universität Wittenberg Medizin und Botanik und lehrte dort anschließend als Professor.

Er führte beachtenswerte lokalfloristische Studien in Mittel- und Süddeutschland durch und beschrieb zahlreiche neue, teilweise seltene Pflanzenarten. Er war ein vorzüglicher Beobachter und hatte unter anderem die Fortpflanzung der Farne bereits klar erkannt. Über den Strichfarn Asplenium trichomanes schreibt er: „Er produziert weder Blüte noch Samen, pflanzt sich aber trotzdem fort, und zwar durch der Unterseite der Blätter anhaftendes Pulver, wie alle anderen Farnarten auch.“

Auf Anregung seines Onkels, des Apothekers Johannes Ralla verfasste er die erste gesetzlich vorgeschriebene Pharmakopoe nördlich der Alpen unter dem Titel Dispensatorium pharmacorum omnium, quae in usu potissimum sunt (Nürnberg, 1535). In einem weiteren Werk beschreibt er die Destillation von Kräutern und Säuren: Annotationes in Pedacei Dioscorides de Materia Medica liber quinque. Liber de artificiosis extractionibus. Liber II de destillatione oleorum (Nürnberg, 1540).

Ein weiteres Werk, Stirpium descriptionis liber quintus (Straßburg 1561) blieb wegen seines frühen Todes ein Torso und wurde von Conrad Gesner postum herausgebracht.

Cordus wird die erstmalige Herstellung von Diethylether zugeschrieben, andere weisen seinem Onkel Johannes Ralla diese Leistung zu.

Ab 1542 unternahm er Studienreisen nach Italien, wo er 29-jährig an den Folgen eines Unfalls starb.

Ehrentaxon

Charles Plumier benannte ihm und seinem Vater Euricius Cordus zu Ehren die Gattung Cordia[1] der Pflanzenfamilie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Carl von Linné übernahm später diesen Namen[2][3].

Quellen

  •  Ilse Jahn: Geschichte der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-827-41023-1.
  •  Karl Mägdefrau: Geschichte der Botanik. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-437-20489-0.
  • Ludwig Winkler (Hrsg.): Das Dispensatorium des Valerius Cordus. (Faksimiledruck, hrsg. von der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie) Nemayer, Mittenwald 1934.
  • T. A. Sprague: The Herbal of Valerius Cordus. (In: The Journal of the Linnean Society of London. Vol. LII, Nr. 341) London 1939.
  • Heinz Scheible: Melanchthons Briefwechsel Personen 11
  • Theodor Husemann: Cordus, Valerius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4. Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 479 f.

Einzelnachweise

  1. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 13f.
  2. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 92
  3. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 520

Weblinks

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