Thyreostatikum

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Thyreostatika sind Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion hemmen und gegen Überfunktionen der Schilddrüse eingesetzt werden.

Man unterscheidet Substanzen, die die Synthese der Schilddrüsenhormone hemmen (Iodisationshemmstoffe, Thiamide, etwa Carbimazol/Thiamazol (Wirkform), Propylthiouracil) und Substanzen, die den Jodtransport in die Schilddrüsenzelle hemmen (Iodinationshemmstoffe, etwa Perchlorat). Darüber hinaus haben hohe Dosen von Jod selbst über einen begrenzten Zeitraum einen hemmenden Effekt auf die Schilddrüsenfunktion (vgl. Wolff-Chaikoff-Effekt).

Indikationen

Thyreostatika kommen bei verschiedenen Formen der Hyperthyreose zum Einsatz:

  • Morbus Basedow: Autoimmunerkrankung, neigt zu spontanen Remissionen aber auch Rezidiven. Die Behandlung mit Thiamazol wird über 12 bis 18 Monate durchgeführt und soll die Zeit bis zu einer eventuellen Remission überbrücken. Der Beginn der Therapie erfolgt mit einer hohen Initialdosis, die nach Einstellung einer euthyreoten Stoffwechsellage (nach circa 3 bis 6 Wochen) auf eine Erhaltungsdosis gesenkt wird. Die Substitution von Thyroxin (T4) kann die Stoffwechseleinstellung erleichtern. Die Rezidivquote wird mit bis zu 50 % angegeben, im Falle eines Rezidivs erfolgt die weitere Behandlung mittels Radiojodtherapie oder subtotaler/totaler Thyreoidektomie
  • Funktionelle Schilddrüsenautonomie: Areale mit nicht bedarfsgerechter, autonomer Sekretion von Schilddrüsenhormonen. Mit spontanen Remissionen ist - im Gegensatz zum Morbus Basedow - nicht zu rechnen, die thyreostatische Therapie zielt auf die Einstellung einer euthyreoten Stoffwechsellage zur Vorbereitung auf Radiojodtherapie/Operation ab.
  • Jodinduzierte Hyperthyreose: bei bestehender, latenter Autonomie kann eine einmalige Gabe hochdosierten Jods (z. B. im Rahmen einer Konstrastmittelgabe bei Röntgenuntersuchungen) zum klinischen Bild einer Hyperthyreose führen. Die Therapie ist unter Umständen langwierig und erfolgt mit einer Kombination von Thiamazol und Perchlorat. Eine Prophylaxe vor entsprechenden Untersuchungen ist mit diesen Substanzen möglich.

Unerwünschte Wirkungen der thyreostatischen Therapie

  • Blutbildveränderungen (Agranulozytose, Leukopenie)
  • allergische Reaktionen
  • Hypothyreose
  • Struma
  • Magen-Darm-Beschwerden

Masthilfsmitttel

Thyreostatika wurden früher in der Tierproduktion als Masthilfsmittel eingesetzt.[1] Seit 1981 ist diese Verwendung in den Staaten der EU verboten.[2]

Quellen und Einzelnachweise

  1. Der Spiegel, 21. Juni 1971, Wenn sie nicht fressen, spritze ich sie selbst
  2. Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES über "Masthilfsmittel", abgerufen am 25. Februar 2012

Weblinks

MeSH Thyreostatikum

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