Segeberger Kalkberg

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Der Kalkberg ist ein Felsen im Zentrum von Bad Segeberg, der dem Namen widersprechend nicht aus Kalkstein (Calciumcarbonat), sondern oberflächennah aus Gips (wasserreichem Calciumsulfat) und im Kern unverwittert aus Anhydrit (reinem Calciumsulfat) besteht.

Kalkberg vom Freilichttheater mit Aussichtsplattform und Flagge der Stadt

Geologie

Der Gips ging aus Sulfatsedimenten hervor, die vor etwa 250 Millionen Jahren vom Zechsteinmeer hier abgelagert wurden. Unter dem Berg liegt ein Steinsalzstock, der den Fels noch heute um ein bis zwei Millimeter im Jahr anhebt (Salztektonik). Wie der rote Felsen auf Helgoland oder die Münsterdorfer Geestinsel ist der Kalkberg damit eine der wenigen Erhöhungen in Schleswig-Holstein, die nicht von den Eiszeiten verursacht wurde. Der Abbau des Steinsalzstocks misslang in den 1860er Jahren; die Bohrungen soffen ab. Aus ihnen bezog das Solbad Segeberg jedoch jahrzehntelang seine Sole. Natürliche Veränderungen insbesondere in den sichtbaren Bergwänden führten ab 2006 zu größeren Sicherungsmaßnahmen (u. a. Verankerungen und Sicherungsnetze), um die jetzige Form und zugleich auch das schützenswerte Fledermaushabitat erhalten zu können. [1] Auch weiterhin muss der Felsen ständig kontrolliert und gesichert werden.[2]

Geschichte

Alte Ansicht des Kalkberges

Ursprünglich war der Kalkberg über 110 Meter hoch. Nach jahrhundertelangem Abbau des Gipses ragt er nur noch 91 Meter empor. Im Mittelalter stand auf dem Kalkberg – damals noch Alberg genannt – die von Kaiser Lothar 1134 gegründete Siegesburg. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört. Heute ist nur noch ein Brunnenschacht von ihr erhalten.

Erst 1913 entdeckt wurden die Kalkberghöhlen, die sich im unteren Teil des Felsens befinden. Sie sind die Heimat von Fledermäusen und dem nur hier vorkommenden Segeberger Höhlenkäfer (Choleva septentrionis holsatica).

Vor dem ersten Weltkrieg war der Kalkberg Eigentum des Preußischen Staates, der Jahr für Jahr mit dem Gipsabbau nicht unbeträchtliche Gewinne einstrich. Nach der Entdeckung der Höhle willigte das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe ein, den Steinbruch-Betrieb einzustellen, und übereignete Berg und Höhle mit der Maßgabe eines dauerhaften Schutzes der Stadt Bad Segeberg zu treuen Händen. Schließlich wurde der Berg im Jahre 1922 endgültig von der Stadt käuflich erworben. Der Selbstverpflichtung zum Erhalt des Berges kam man allerdings erst recht spät nach: Erst 1931 endete der Gipsabbau, durch den der Berg im Laufe der Zeit etwa zwei Drittel seiner ursprünglichen Masse eingebüßt hatte.

In die durch den Gipsabbau entstandene Grube baute der Reichsarbeitsdienst 1934–1937 das Kalkbergstadion, einen damaligen Thingplatz mit circa 7.800 Sitz- bzw. 12.000 Stehplätzen. Auf der heutigen Freilichtbühne finden seit 1952 alljährlich die Karl-May-Spiele Bad Segeberg statt.

Erst am 11. April 1942 wurde der Überrest des Kalkberges mit einem Teil der Höhle per Verordnung als Naturdenkmal ausgewiesen. Das Naturdenkmal umfasste dabei lediglich den offen anstehenden Felsenbereich und den unmittelbar darunter befindlichen Teil der Höhle. Weite Teile des auch schon damals bekannten Höhlensystems blieben damit rechtlich schutzlos.

Die Schutzverordnung wurde am 18. September 1995 durch eine stark erweiterte neue Verordnung ersetzt, die über den Kalkberg hinaus auch die Höhle in ihrer vollständigen Ausdehnung und den am Fuße des Kalkberges befindlichen Kleinen Segeberger See unter Naturschutz stellte. Kalkberg, Höhle und Kleiner Segeberger See wurden hier erstmals als geologische Einheit erfasst.

Touristisches

Brunnenschacht der Siegesburg von einer Plattform auf dem Kalkberg

Die über befestigte Wege erreichbare Gipfelplattform ist ein beliebter Aussichtspunkt. Der Blick reicht rundum weit in das Schleswig-Holsteinische Hügelland, bei guter Sicht bis zu den Kirchtürmen Lübecks. Eine Treppe vom Gipfelweg aus führt zum Rand des noch rund 43 Meter tiefen Brunnenschachtes der ehemaligen Siegesburg. Besuche der Kalkberghöhle von Bad Segeberg sind in der Zeit von April bis September möglich. Sie werden von Noctalis organisiert.

Einen Kalkberg gibt es auch in der niedersächsischen Stadt Lüneburg, den Lüneburger Kalkberg. Dort ist der Abbau des darunterliegenden Steinsalzstocks bereits im Mittelalter gelungen.

Literatur

  • Hans-Peter Sparr: Der Kalkberg. Naturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt Bad Segeberg. Hamburg 1997, ISBN 3-7672-1299-4

Einzelnachweise

  1. Dazu der NABU Schleswig-Holstein
  2. Vgl. die Lübecker Nachrichten vom 2. August 2011

Weblinks


53.93548611111110.317522222222Koordinaten:

53° 56′ 8″ N, 10° 19′ 3″ O

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