Erwin Weiss (Chemiker)

Erweiterte Suche

Erwin Weiss (* 9. Juli 1926 in Arzberg/Oberfranken) ist ein deutscher Chemiker und Professor für Anorganische Chemie an der Universität Hamburg.[1]

Leben und Werk

Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft (1944-47) studierte er an der Technischen Hochschule (jetzt Technische Universität) München Chemie und wurde 1956 bei Walter Hieber zum Dr. rer. nat. promoviert. Seine Experimentalarbeit „Zur Strukturchemie von Metallcarbonylverbindungen und Aromatenkomplexen“ enthielt auch den röntgenographischen Kristallstrukturbeweis für die damals von Walter Hafner und Ernst Otto Fischer (Nobelpreis für Chemie 1973) synthetisierte sensationelle metallorganische Verbindung Dibenzolchrom oder Bis(benzol)chrom. Es folgten verschiedene Auslandsaufenthalte: 1956 als Stipendiat am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA, 1957-61 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am European Research Associates Forschungsinstitut (ERA) in Brüssel und 1961-65 als Abteilungsdirektor am Cyanamide European Research Institute (CERI) in Genf. 1965 folgte er einem Ruf als Professor an die Universität Hamburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1991 am Institut für Anorganische und Angewandte Chemie forschte und lehrte. Seine Forschungsschwerpunkte lagen bei der Synthese und röntgenographischen Strukturaufklärung metallorganischer Verbindungen mit einem weiten Spektrum von Metallen und Liganden, darunter Carbonyl-. Olefin- und andere Kohlenwasserstoff-Gruppen. Dabei wurden auch einige erste Vertreter mit Metall-Hauptgruppenelement-Mehrfachbindungen entdeckt. Bereits in Genf begonnene Untersuchungen der Struktur von Methyllithium als einfachster Organometall-Verbindung wurden systematisch erweitert und u. a. auf weitere Methyle und Organyle von Natrium, Kalium, Rubidium, Caesium und Magnesium ausgedehnt. Damit wurden die vielfältigen Koordinationsmöglichkeiten dieser Substanzklassen erkannt.[2] Die Ermittlung der Präzisionsstrukturen von LiCH3, NaCH3 und KCH3 gelang durch Anwendung von Neutronenstrahlung und Synchrotronstrahlung.

Mitgliedschaften und Auszeichnungen

  • Erwin Weiss ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.
  • 1969-71 war er Mitglied der Commission on the Nomenclature of Inorganic Chemistry der International Union of Pure and Applied Chemistry IUPAC.
  • 1992 erhielt er den Gay-Lussac-Humboldt-Preis der französischen Regierung.

Schriften (Auswahl)

Autor oder Mitautor von über 200 Publikationen in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften.

Einzelnachweise

  1. Fausto Calderazzo: A celebration of Inorganic Lives. Interview mit Erwin Weiss, In: Coordination Chemistry Reviews. 249 (2005), S. 873-881
  2. Erwin Weiss: Structures of Organic Alkali Metal Complexes and Related Compounds. In: Angew. Chem. 1993, 105, S. 1564-1587; auch In: Angew. Chem. Int. Ed. Engl., 1993, 32, S. 1501-1523.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

01.09.2021
Quantenoptik | Teilchenphysik
Lichtinduzierte Formänderung von MXenen
Licht im Femtosekundenbereich erzeugt schaltbare Nanowellen in MXenen und bewegt deren Atome mit Rekordgeschwindigkeit.
30.08.2021
Astrophysik | Optik
Neue mathematische Formeln für ein altes Problem der Astronomie
Dem Berner Astrophysiker Kevin Heng ist ein seltenes Kunststück gelungen: Auf Papier hat er für ein altes mathematisches Problem neue Formeln entwickelt, die nötig sind, um Lichtreflektionen von Planeten und Monden berechnen zu können.
31.08.2021
Quantenoptik | Thermodynamik
Ein Quantenmikroskop „made in Jülich“
Sie bilden Materialien mit atomarer Präzision ab und sind vielseitig einsetzbar: Forschende nutzen Rastertunnelmikroskope seit vielen Jahren, um die Welt des Nanokosmos zu erkunden.
30.08.2021
Quantenphysik | Thermodynamik
Extrem lang und unglaublich kalt
Bei der Erforschung der Welleneigenschaften von Atomen entsteht am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen für wenige Sekunden einer der „kältesten Orte des Universums“.
25.08.2021
Quantenoptik
Laserstrahlen in Vakuum sichtbar gemacht
Einen Lichtstrahl kann man nur dann sehen, wenn er auf Materieteilchen trifft und von ihnen gestreut oder reflektiert wird, im Vakuum ist er dagegen unsichtbar.
18.08.2021
Quantenphysik
Suprasolid in eine neue Dimension
Quantenmaterie kann gleichzeitig fest und flüssig, also suprasolid sein: Forscher haben diese faszinierende Eigenschaft nun erstmals entlang zweier Dimensionen eines ultrakalten Quantengases erzeugt.
18.08.2021
Teilchenphysik
Verwandlung im Teilchenzoo
Eine internationale Studie hat in Beschleuniger-Daten Hinweise auf einen lang gesuchten Effekt gefunden: Die „Dreiecks-Singularität“ beschreibt, wie Teilchen durch den Austausch von Quarks ihre Identität ändern und dabei ein neues Teilchen vortäuschen können.
18.08.2021
Plasmaphysik
Ein Meilenstein der Fusionsforschung
Am Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) in Kalifornien ist in diesen Tagen ein Durchbruch in der Fusionsforschung geglückt.
16.08.2021
Festkörperphysik | Quantenoptik
Ultraschnelle Dynamik in Materie sichtbar gemacht
Ein Forschungsteam hat eine kompakte Elektronen-„Kamera“ entwickelt, mit der sich die schnelle innere Dynamik von Materie verfolgen lässt.
16.08.2021
Elektrodynamik | Teilchenphysik
Wie sich Ionen ihre Elektronen zurückholen
Was passiert, wenn Ionen durch feste Materialien geschossen werden?