Urofuransäuren

Die allgemeine Struktur der Urofuransäuren mit R = H oder R = CH3

Urofuransäuren (engl. urofuran acids) sind eine Gruppe von Dicarbonsäuren, die einen Furanring enthalten und als Stoffwechselprodukt der Furanfettsäuren entstehen.

Vorkommen und Entstehung

Die kurzkettigeren Urofuransäuren finden sich im tierischen und menschlichen Blut, sowie im Harn (Namensherkunft).[1]

Physiologie

Im Fall einer Urämie sammeln sich Urofuransäuren, insbesondere 3-Carboxy-4-methyl-5-propyl-2-furanpropionsäure (CMPF, in der Grafik n und m = 2, R = CH3), im Blut an. Durch die starke Bindung an Humanalbumin[2] lässt sich dieses Stoffwechselprodukt auch per Hämodialyse nicht aus dem Blut entfernen.[3] Mittels Peritonealdialyse kann CMPF aus dem Blut entfernt werden.[4] CMPF ist der Hauptinhibitor für proteinbindende Wirkstoffe und ein urämisches Toxin.[5][6] Es inhibiert direkt die Organischen Anionentransporter Typ 1 und Typ 2 (OAT1, OAT2), wodurch der Transport beziehungsweise die Ausscheidung verschiedener Arzneimittel und endogener organischer Säuren gestört wird.[7] Zu diesen endogenen Säuren gehört beispielsweise Thyroxin (T4).[8] Bei Patienten mit Urämie finden sich bis zu 0,2 mMol/l CMPF im Serum.[9] Die Bindungskonstante Ka von CMPF an Albumin beträgt 1,3x107 Mol-1.[10] Es bildet dabei 1:1-Komplexe, speziell an der Bindungsstelle 1 des Albumins.[11][12][13]

Entdeckung

Die Urofuransäuren wurden 1979[14] von den österreichischen Chemikern Michael und Gerhard Spiteller an der Universität Bayreuth als Stoffwechselprodukt der Furanfettsäuren im Harn entdeckt.[15]

Weiterführende Literatur

Einzelnachweise

  1. F. D. Gunstone: Fatty Acid and Lipid Chemistry. Verlag Springer, 1996, S. 16, ISBN 0-834-21342-7 eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche.
  2. Yasuhiro Tsutsumi, Toru Maruyama, Akira Takadate, Masafumi Goto, Hiroshi Matsunaga, Masaki Otagiri: Interaction Between Two Dicarboxylate Endogenous Substances, Bilirubin and an Uremic Toxin, 3-Carboxy-4-Methyl-5-Propyl-2-Furanpropanoic Acid, on Human Serum Albumin. In: Pharmaceutical Research. 16, S. 916–923, doi:10.1023/A:1018842506896.
  3. Herbert E. Spiegel: Advances in clinical chemistry. Band 29, Academic Press, 1992, ISBN 0-120-10329-X, S. 74–75 eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche.
  4. Claude Jacobs: Replacement of renal function by dialysis. Verlag Springer, 1996, ISBN 0-792-33610-0, S. 18, eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche
  5. R. Vanholder, R. De Smet, N. Lameire: Protein-bound uremic solutes: the forgotten toxins In: Kidney Int. Suppl. 78, 2001, S. S266–S270 PMID 11169024 (Review).
  6. Guido Michels, Uta C. Hoppe: Stoffwechselnotfälle. In: Repetitorium Notfallmedizin. 2008, S. 199–212, doi:10.1007/978-3-540-33705-8_9
  7. H. Sun, L. Frassetto, L. Z. Benet: Effects of renal failure on drug transport and metabolism In: Pharmacol. Ther. 109, 2006, S. 1–11 PMID 16085315 (Review).
  8. C. F. Lim, B. F. Bernard, M. de Jong, R. Docter, E. P. Krenning, G. Hennemann: A furan fatty acid and indoxyl sulfate are the putative inhibitors of thyroxine hepatocyte transport in uremia In: J. Clin. Endocrinol. Metab. 76, 1993, S. 318–324 PMID 8432774.
  9. C. F. Lim, J. R. Stockigt, A. J. Curtis, K. N. Wynne, J. W. Barlow, D. J. Topliss: A naturally occurring furan fatty acid enhances drug inhibition of thyroxine binding in serum In: Metab. Clin. Exp. 42, 1993, S. 1468–1474 PMID 8231843.
  10. Y. Tsutsumi, T. Deguchi, M. Takano, A. Takadate, W. E. Lindup, M. Otagiri: Renal disposition of a furan dicarboxylic acid and other uremic toxins in the rat. In: J. Pharmacol. Exp. Ther. 303, 2002, S. 880–887, PMID 12388676, doi:10.1124/jpet.303.2.880.
  11. H. Mabuchi, H. Nakahashi: A major inhibitor of phenytoin binding to serum protein in uremia. In: Nephron 48, 1988, S. 310–314, PMID 3362278.
  12. S. J. Henderson, W. E. Lindup: Interaction of 3-carboxy-4-methyl-5-propyl-2-furanpropanoic acid, an inhibitor of plasma protein binding in uraemia, with human albumin. In: Biochem. Pharmacol. 40, 1990, S. 2543–2548, PMID 2268372.
  13. T. Sakai, A. Takadate, M. Otagiri: Characterization of binding site of uremic toxins on human serum albumin. In: Biol. Pharm. Bull. 18, 1995, S. 1755–1761, PMID 8787801.
  14. M. Spiteller, G. Spiteller: Trennung und Charakterisierung saurer Harnbestandteile. In: J. Chromatogr. 164, 1979, S. 253–317, PMID 544607.
  15. Michael Spiteller, Gerhard Spiteller, Georg-Alexander Hoyer: Urofuransaeuren – eine bisher unbekannte Klasse von Stoffwechselprodukten. In: Chemische Berichte 113, 1980, S. 699–709, doi:10.1002/cber.19801130227

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