Quarto (Walzen)


Quarto (Walzen)

Quarto ist ein Begriff zur Beschreibung von Walzgerüsten mit einem typischen Grundaufbau. Diese Walzgerüste bestehen immer aus zwei Arbeitswalzen und zwei Stützwalzen, sie werden sowohl im Warm- als auch im Kaltwalzbereich eingesetzt.

Aufbau eines Quarto-Walzgerüstes

Quarto-Walzensatz bei Bilstein in Hohenlimburg

Quarto-Walzgerüste bestehen aus:

  • Sohlplatte
  • offener-/ geschlossener Walzenständer
  • Baustücken mit Lager
  • zwei Stützwalzen
  • zwei Arbeitswalzen
  • Walzen-Ausbalancierung
  • Anstellvorrichtung
  • Seitenführung
  • Walzarmaturen
  • Biege und Schiebeeinrichtungen

Im Gegensatz zum Duo-Walzgerüst hat das Quarto-Walzgerüst zwei Stützwalzen. Diese Stützwalzen ermöglichen zum einen eine Verringerung des Arbeitswalzendurchmessers, zum anderen reduzieren sie das Durchbiegen der Arbeitswalzen auf Grund der sehr hohen Walzkräfte.

Einsatz in der Vorstraße

In modernen Walzwerken sind sie häufig als Walzgerüst in der so genannten Vorstraße im Reversierbetrieb anzutreffen. Hier wird das Vormaterial, wie etwa eine Bramme aus der Stranggießanlage oder auch ein Vorblock aus dem Blockguss, in mehreren Stichen ausgewalzt.

Einsatz in Grobblechwalzwerken

Wie schon angedeutet, ist der Vorgänger des Quarto-Walzgerüstes das Duo-Walzgerüst. Erst mit dem Einsatz des Quarto-Walzgerüstes war es möglich, die Breite des Grobbleches bei gleichzeitiger Gewährleistung entsprechender Oberflächenplanheit signifikant zu erweitern.

Heute können ohne größere Probleme Grobbleche bis zu einer Breite von 5.600 mm ausgewalzt werden. Hierzu werden meist Brammen aus dem Strangguss mit einer Dicke von 450 mm verarbeitet. Die verwendeten Brammen werden auf eine Temperatur von ca. 1.250 °C erwärmt. Dies geschieht meistens in Stoßöfen bzw. Hubbalkenöfen. Nun ist es nicht möglich, aus einer Bramme von 450 mm Dicke gleich ein Grobblech von 80 mm zu walzen. Aus diesem Grund arbeiten Grobblechwalzwerke im Reversierbetrieb, walzen also mit mehreren Stichen. Die erforderlichen Walzkräfte steigen hier auf mehr als 22.000 Tonnen.

Während des Walzens wird das Walzgut mehrmals auf dem Rollgang gedreht. Dieses Drehen hat großen Einfluss auf die technologischen Eigenschaften des Grobbleches. Durch dieses Verfahren bildet sich eine mehr oder weniger starke Textur aus. Das Wissen um den Verlauf dieser Textur ist für die spätere Bearbeitung sehr wichtig. So erfolgt meist eine Kennzeichnung der Hauptwalzrichtung auf dem Walzgut, hierdurch kann dann zum Beispiel ein Kesselbauer gezielt die technologischen Eigenschaften des Materials ausnutzen.

Durch häufige Änderung der Walzrichtung, also häufiges Drehen des Walzgutes, kann aber auch die Ausprägung der Textur reduziert werden. Auch dies ist je nach späterer Anwendung von Vorteil.

Einsatz in Fertigstraßen

Auch hier in den so genannten Fertigstraßen oder auch Fertigstaffeln sind Quarto-Walzgerüste anzutreffen. In Fertigstraßen wird häufig in Kombination mit Vorstraßen, Warmband bzw. Warmbreitband ausgewalzt. Im Bereich des Kaltwalzens werden die Fertigstraßen auch als Tandemstraße bezeichnet. Fertigstraßen oder Tandemstraßen bestehen aus mehreren hintereinander angeordneten Walzgerüsten. Hier wird in jedem Walzgerüst ein Teil der Umformarbeit geleistet. Der Walzvorgang selbst läuft kontinuierlich, also nicht reversierend ab.

Im Warmwalzbereich wird so aus dem Vorband welches von der Vorstraße kommt ein Warmband bzw. Warmbreitband von bis zu 1,5mm Dicke.

Durch das Auswalzen des Warmbandes in der Tandemstraße (Kaltwalzen) entsteht ein Band von wenigen zehntel Millimetern Dicke.

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