Liberia-Petroleum-Raffinerie

Erweiterte Suche

Die Liberia-Petroleum-Raffinerie ist eine ehemalige Erdölraffinerie in der westafrikanischen Republik Liberia.

Die Ölanlieferung erfolgte per Pipeline aus dem Freeport Monrovia. Die von der Raffinerie gelieferten Produkte umfassten Benzin, Flugpetrol, Dieselkraftstoff, Heizöl, Schweröl sowie Technische Gase. Außerdem speiste die Raffinerie ins regionale Stromnetz ein.[1]

Lage

Die Raffinerie liegt im Stadtteil Gardnersville, etwa sieben Kilometer östlich des Hafens und fünf Kilometer nördlich der Altstadt von Monrovia. Das zunächst außerhalb der Stadtgrenzen angelegte Industriegebiet und Raffineriegelände wurde mit einer etwa zehn Kilometer langen Pipeline mit dem Hafengelände verbunden.

Ölterminal

Das bezogene Rohöl wurde mit Tankschiffen angeliefert, hierzu befindet sich im Hafen ein spezielles Terminal, das über eine Rohrbrücke mit den Lagertanks verbunden ist, dieser Anlagenteil ist noch in Betrieb.[1]

Lagerplatz

Die Gesamtlagerkapazität der Raffinerie verteilte sich auf die Tanks im Freeport für Rohöl und die Tanks im Raffineriegelände für die Raffinerieprodukte und Treibstoffe. Die Tanks im Raffineriegelände sind durchgerostet und das Erdreich ist kontaminiert. Ein Großteil der Tanks und Rohrleitungen im Bereich des Lagerplatzes sind bereits demontiert.

Verladebahnhof

Im Freeport besteht ein als Verladebahnhof genutzter Bereich mit Tanks, hier wurden die Kesselwagen der Bergwerksgesellschaften mit Treibstoffen befüllt.

Gas- und Ölkraftwerk

Die Raffinerie verfügte über eine autarke Stromversorgung, realisiert durch ein Gas- und Ölkraftwerk im Hafengelände, das nach Stilllegung der Raffinerie für die Stromversorgung der Stadt Monrovia genutzt wird.[1]

Geschichte

Mit dem wirtschaftlichen Aufbruch Liberias in den 1960er Jahren stieg der Bedarf an Mineralölprodukten sprunghaft an, die Tubman-Regierung konnte mit Nigeria und Kamerun günstige Liefervertäge zum Bezug von Rohöl abschließen und investierte in den Bau einer eigenen Raffinerieanlage. Mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges wurde der Werksbetrieb zunächst unterbrochen, die noch vorhandenen Ölreserven wurden bis 1982 aufgebraucht und die Raffinerie wurde 1982 stillgelegt. Nach dem Ersten liberianischen Bürgerkrieg wurde das Raffineriegelände durch Kriegsflüchtlinge übernommen und ausgeplündert, aus den verwertbaren Teilen wurden ohne Genehmigung der Stadt Elendsquartiere im Umfeld der Anlage errichtet.

Die vorhandenen Tanks im Hafengelände werden seit dem mit Importware befüllt. Die Hauptgeschäftsfelder der Firma sind der Import und Lagerung von Raffinerie-Erzeugnissen sowie die Belieferung von Zwischenhandels-Unternehmen (West Oil, Monrovia-Oil-Transport Coorparation, Srimex, Origin Oil, Total Oil, Gulf Trading). Von Januar bis September 2006 wurden für 15.3 Millionen US-Dollar Raffinerieprodukte durch die Gesellschaft gehandelt. Im Staatshaushalt Liberias besitzen Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe einen bedeutenden Anteil. Teile des Managements der beteiligten Firmen und selbst die ehemalige Oberbürgermeisterin von Monrovia, Ophelia Hoff-Saytumah, sind in einen Korruptionsskandal verwickelt, bei dem illegale Lieferungen mit unversteuerten Kraftstoffen in beträchtlichem Umfang festgestellt wurde. Das Raffineriegelände ist mit Ölrückständen und Chemikalien tiefgründig kontaminiert, die Ruinen der Raffinerie-Anlagen sollen als Schrott verwertet werden. Der Firmensitz wurde in den 1980er Jahren in das Hafengelände verlagert. Aus den Geschäftsunterlagen von 2006 gehen zahlreiche Defizite in Bezug auf Brand- und Katastrophenschutz hervor, so besaß die Firma im Berichtszeitraum keine erforderliche Löschtechnik.[1]

Mitarbeiter

Die Raffinerie hatte 2006 noch eine Belegschaft von etwa 230 Mitarbeitern. Die für den Betrieb der technischen Anlagen erforderlichen Ingenieure, Techniker und Arbeiter sind nicht mehr vorhanden.[1]

Sonstiges

Die Liberia Petroleum Refining Company Oilers sind ein Fußballverein in Monrovia.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Liberia Petroleum Raffinerie Comp.: Executive Report (2006). In: Frontpage Africa (Portal). Abgerufen am 10. Januar 2011.


6.3322222222222-10.728888888889Koordinaten:

6° 19′ 56″ N, 10° 43′ 44″ W

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

25.11.2021
Sonnensysteme | Exoplaneten
Wenig Kollisionsgefahr im Planetensystem TRAPPIST-1
Sieben erdgrosse Planeten umkreisen den Stern TRAPPIST-1 in nahezu perfekter Harmonie.
23.11.2021
Optik
„Maßgeschneidertes“ Licht
Ein Forscherteam entwickelt erstmals ein Lichtfeld, welches die Struktur des vierdimensionalen Raums widerspiegelt.
15.11.2021
Schwarze Löcher
Woher kommt das Gold?
Wie werden chemische Elemente in unserem Universum produziert?
08.11.2021
Teilchenphysik
Neue Einblicke in die Struktur des Neutrons
Sämtliche bekannte Atomkerne und damit fast die gesamte sichtbare Materie bestehen aus Protonen und Neutronen – und doch sind viele Eigenschaften dieser allgegenwärtigen Bausteine der Natur noch nicht verstanden.
08.11.2021
Physikdidaktik | Strömungsmechanik
Warum Teekannen immer tropfen
Strömungsmechanische Analysen der TU Wien beantworten eine alte Frage: Wie kommt es zum sogenannten „Teapot-Effekt“?
05.11.2021
Teilchenphysik | Thermodynamik
Elektronen-Familie erzeugt bisher unbekannten Aggregatzustand
Ein internationales Forschungsteam des Exzellenzclusters ct.
04.11.2021
Galaxien | Schwarze Löcher
Jet der Riesengalaxie M87
In verschiedenen Wellenlängen lässt sich ein gigantischer Teilchenstrahl beobachten, der von der Riesengalaxie M87 ausgestoßen wird.
04.11.2021
Galaxien
Am weitesten entfernter Nachweis von Fluor in sternbildender Galaxie
Eine neue Entdeckung gibt Aufschluss darüber, wie Fluor – ein Element, das in unseren Knochen und Zähnen als Fluorid vorkommt – im Universum entsteht.
02.11.2021
Monde | Kometen und Asteroiden
Planetologen erforschen schweres Bombardement des Mondes vor 3,9 Milliarden Jahren
Der Mond war vor 3,9 Milliarden Jahren einem schweren Bombardement mit Asteroiden ausgesetzt.
29.11.2021
Optik | Quantenoptik
Nur durch Billiardstel Sekunden getrennt
Ultrakurze Lichtblitze dauern weniger als eine Billiardstel Sekunde und haben eine wachsende technologische Bedeutung.