Jean-Baptiste Boussingault

Erweiterte Suche

Boussingault ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Mondkrater siehe Boussingault (Mondkrater).
Jean-Baptiste Boussingault

Jean-Baptiste (Joseph Dieudonné) Boussingault (* 2. Februar 1802 in Paris; † 11. Mai 1887 ebenda) war ein französischer Chemiker und Agrarwissenschaftler.

Leben und Wirken

Jean-Baptiste Boussingault, Sohn eines Kaufmanns, ging nach dem Studium als Bergbauingenieur 1821 im Auftrag einer englischen Firma nach Südamerika. Hier beschäftigte er sich vorrangig mit geologischen Untersuchungen. Auf Empfehlung Alexander von Humboldts unternahm er ausgedehnte Forschungsreisen in Südamerika und erwarb sich hohes wissenschaftliches Ansehen. Sein Versuch, 1831 den Chimborazo zu besteigen, scheiterte jedoch. 1832 kehrte er nach Frankreich zurück. 1834 wurde er Professor für Chemie in Lyon, 1839 erhielt er einen Lehrstuhl für landwirtschaftliche und analytische Chemie am Konservatorium in Paris.

Bereits 1836 hatte Boussingault ein Landgut in Pechelbronn/Elsaß gekauft und dort eine landwirtschaftliche Versuchsstation eingerichtet. Hier beschäftigte er sich mit Problemen der Tierernährung und der Photosynthese, vor allem aber mit Fragen der Bodenfruchtbarkeit, der Fruchtfolge und der Düngung. Sein besonderes Interesse galt dabei der Stickstoffernährung der Pflanzen.

1837 führte Boussingault Gefäßversuche mit Leguminosen durch. Ohne zusätzliche Stickstoffdüngung konnte er dabei in der geernteten Pflanzenmasse hohe Stickstoffgewinne nachweisen. Er folgerte daraus, dass die Pflanzen während ihres Wachstums Stickstoff aus der Luft aufnehmen. Obgleich er aufgrund von Ergebnissen anderer Experimente später von dieser Schlussfolgerung wieder abrückte, waren seine Versuche aus dem Jahre 1837 die Geburtsstunde der Idee von einer biologischen Fixierung elementaren Luftstickstoffs durch die Pflanzen. Erst 1886 konnte Hermann Hellriegel die Richtigkeit dieser Idee überzeugend nachweisen.

Boussingault war aber nicht nur ein herausragender Chemiker, sondern auch ein praxiserfahrener Landwirt, der sein Gut nach wissenschaftlichen Grundsätzen bewirtschaftete. Mit seinem Buch "Économie rurale" (2 Bände, Paris 1844 und 1845), das in mehrere Sprachen übersetzt wurde - auch eine deutschsprachige Ausgabe ist erschienen - hat er die Entwicklung der Pflanzenernährung, der Bodenkunde und des Pflanzenbaus zu eigenständigen Agrardisziplinen nachhaltig beeinflusst.

1848 wurde Boussingault als gemäßigter Republikaner in die Nationalversammlung gewählt und drei Jahre später aufgrund seines politischen Engagement aus dem Lehrdienst entlassen. 1878 wurde ihm für seine Verdienste um die Wissenschaft die Copley Medal verliehen, außerdem wurde der Mondkrater Boussingault nach ihm benannt.

Hauptwerk

  • Die Landwirthschaft in ihren Beziehungen zur Chemie, Physik und Meteorologie, deutschsprachige Ausgabe von "Èconomie rurale" übersetzt von N. Graeger. 2 Bde. Halle 1844 u. 1845; 2. Aufl. ebd.; Bd. 3 1851 u. Bd. 4 = Supplement-Band auch unter dem Titel Beiträge zur Agrikulturchemie und Physiologie, ebd. 1856.

Literatur

  • Richard P. Aulie: Boussingault and the nitrogen cycle. In: Proceedings of the American Philosophical Society Bd. 114, 1970, S. 435-479 (m. Bild u. Bibliographie).
  • F. W. J. McCosh: Boussingault. Chemist and Agriculturist. D. Reidel Publishing Company Dordrecht 1984 ( m. Abbildungen u. vollst. Bibliographie).

Weblinks

 Commons: Jean-Baptiste Boussingault – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference

Die cosmos-indirekt.de:News der letzten Tage

21.11.2022
Galaxien | Schwarze Löcher | Teleskope
Schärfster Blick in den Kern eines Quasars
Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern präsentiert neue Beobachtungen des ersten jemals identifizierten Quasars.
22.11.2022
Festkörperphysik | Physikdidaktik
Chemielehrbücher: Es gibt keine Kohlensäure - Falsch!
Die Existenz von Kohlensäure war in der Wissenschaft lange umstritten: theoretisch existent, praktisch kaum nachweisbar, denn an der Erdoberfläche zerfällt die Verbindung.
21.11.2022
Quantenphysik
Ein Quant als Winkel
Die Feinstrukturkonstante ist eine der wichtigsten Naturkonstanten überhaupt: In Wien fand man nun eine bemerkenswerte neue Art, sie zu messen – nämlich als Drehwinkel.
21.11.2022
Akustik | Quantenoptik
Akustische Quantentechnologie: Lichtquanten mit Höchstgeschwindigkeit sortiert
Einem deutsch-spanischen Forscherteam ist es gelungen einzelne Lichtquanten mit höchster Präzision zu kontrollieren.
18.11.2022
Schwarze Löcher | Relativitätstheorie
Rekonstruktion eines ungewöhnlichen Gravitationswellensignals
Ein Forschungsteam aus Jena und Turin (Italien) hat die Entstehung eines ungewöhnlichen Gravitationswellensignals rekonstruiert.
18.11.2022
Thermodynamik | Festkörperphysik
Bläschenbildung: Siedeprozess deutlich genauer als bisher beschrieben
Siedet eine Flüssigkeit in einem Gefäß, bilden sich am Boden winzige Dampfbläschen, die aufsteigen und Wärme mit sich nehmen.
15.11.2022
Sterne | Planeten | Atomphysik | Quantenphysik
Neues vom Wasserstoff: Erkenntnisse über Planeten und Sterne
Mit einer auf Zufallszahlen basierenden Simulationsmethode konnten Wissenschaftler die Eigenschaften von warmem dichten Wasserstoff so genau wie nie zuvor beschreiben.
15.11.2022
Sterne | Kernphysik
Kosmische Schokopralinen: Innerer Aufbau von Neutronensternen enthüllt
Mit Hilfe einer riesigen Anzahl von numerischen Modellrechnungen ist es Physikern gelungen, allgemeine Erkenntnisse über die extrem dichte innere Struktur von Neutronensternen zu erlangen.
15.11.2022
Thermodynamik
Neue Aspekte der Oberflächenbenetzung
Wenn eine Oberfläche nass wird, spielt dabei auch die Zusammensetzung der Flüssigkeit eine Rolle.