Heinrich Immendorff

Erweiterte Suche

Heinrich Immendorff (* 29. Februar 1860 in Lingen; † 30. Januar 1938 in Jena) war ein deutscher Agrikulturchemiker. Er wirkte seit 1900 an der Universität Jena und bearbeitete vornehmlich die Umsetzung von mineralischen Düngemitteln im Boden und Probleme der Bodenversauerung.

Lebensweg

Heinrich Immendorff besuchte das Realgymnasium in Minden und studierte seit 1880 Naturwissenschaften in Leipzig, München und Berlin und ab 1885 an der Universität Bonn. Dort promovierte er 1885 mit einer Dissertation über das Aluminiumchlorid. Nach mehrmonatiger Tätigkeit als Privatassistent bei dem in Bonn lehrenden Chemiker Friedrich August Kekulé entdeckte er sein Interesse für die Agrikulturchemie. 1886 übernahm er eine Assistentenstelle an der Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppelsdorf. Dort erwarb er 1891 die Venia legendi für das Gesamtgebiet der Agrikulturchemie.

1892 ging Immendorff als Laboratoriumsvorsteher an die Moorversuchsstation Bremen, wo er Untersuchungen über die physiologischen Wirkungen der Moor-Humussäuren durchführte. 1900 wurde er als außerordentlicher Professor für Agrikulturchemie an die Universität Jena berufen. Gleichzeitig übernahm er die Leitung der agrikulturchemischen Abteilung der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Jena. 1920 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius. 1932, im Alter von 72 Jahren, wurde er emeritiert.

Forschung und Lehre

Die lückenlose Dokumentation agrikulturchemischer Versuchs- und Kontrolltätigkeit war für Immendorff stets ein besonderes Anliegen. Deshalb publizierte er über die Ergebnisse seiner Aktivitäten in Bremen und Jena zahlreiche Berichte. Von überregionalem Interesse beachtenswert sind die von ihm als Alleinautor herausgegebenen fünf Jahresbände (1896-1900) der Schriftenreihe "Das landwirtschaftliche Versuchswesen und die Thätigkeit der landwirtschaftlichen Versuchsstationen Preussens'".

In Jena führte Immendorff in Kontakt mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft umfangreiche Konservierungsversuche mit Stalldünger durch. Im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit standen Versuche über die physiologische Reaktion von mineralischen Düngemitteln, über die Umsetzung des Kalkstickstoffs in Ackerböden und aktuelle Probleme der Bodenversauerung. Als langjährigem Leiter der Flussüberwachungsstelle in Gerstungen an der Werra oblag ihm die Kontrolle der in Werra und Fulda eingeleiteten Abwässer der Kaliindustrie.

Immendorff galt bei den Studierenden der Universität Jena als ein außerordentlich beliebter Hochschullehrer. Trotz fortgeschrittener Spezialisierung vertrat er in seinen Lehrveranstaltungen noch das traditionelle Gesamtgebiet der Agrikulturchemie, das heißt er hielt Vorlesungen über Pflanzen- und Tierernährung. Für seine Verdienste um die Agrikulturchemie wurde ihm der Titel Hofrat verliehen.

Bücher und Schriften

  • Beiträge zur Kenntniss der Wirkung des Aluminiumchlorids. Diss. phil. Univ. Bonn 1885.
  • Das landwirtschaftliche Versuchswesen und die Thätigkeit der landwirtschaftlichen Versuchstationen in Preussen im Jahre 1896. Verlag Paul Parey Berlin 1898. – Vier weitere Bände ebd. für die Jahre: 1897 (1899); 1896 (1900); 1899 (1902); 1900 (1903). Alle Jahresbände sind erschienen als Ergänzungsbände der Zeitschrift Landwirtschaftliche Jahrbücher.
  • Calciumcyanamid (Stickstoffkalk oder Kalkstickstoff) als Düngemittel (gemeinsam mit E. Kempski). Verlag Eugen Ulmer Stuttagert 1907.
  • Altes und Neues aus dem Gebiete der Düngerlehre. Vortrag gehalten in der Ökonomischen Gesellschaft im Königreich Sachsen zu Dresden am 7. Januar 1910. Verlag Fritzsche & Schmidt Leipzig 1910.

Literatur

  • C. Dreyspring: Hofrat Prof. Dr. Heinrich Immendorff zum goldenen Doktor-Jubiläum. In: Das Superphosphat Jg. 11, 1935, S. 25-26 (mit Bild).
  • K. H. Siemens: Herrn Hofrat Prof. Dr. Immendorff zum 75. Geburtstag und zum goldenen Doktorjubiläum. In: Die Phosphorsäure Bd. 5, 1935, S. 125-126 (mit Bild).

Weblinks

Diese Artikel könnten dir auch gefallen

Die letzten News aus den Naturwissenschaften

17.01.2022
Quantenphysik | Teilchenphysik
Ladungsradien als Prüfstein neuester Kernmodelle
Ein internationales Forschungsprojekt hat die modernen Möglichkeiten der Erzeugung radioaktiver Isotope genutzt, um erstmals die Ladungsradien entlang einer Reihe kurzlebiger Nickelisotope zu bestimmen.
13.01.2022
Sonnensysteme | Planeten | Elektrodynamik
Sauerstoff-Ionen in Jupiters innersten Strahlungsgürteln
In den inneren Strahlungsgürteln des Jupiters finden Forscher hochenergetische Sauerstoff- und Schwefel-Ionen – und eine bisher unbekannte Ionenquelle.
12.01.2022
Schwarze Löcher | Relativitätstheorie
Die Suche nach einem kosmischen Gravitationswellenhintergrund
Ein internationales Team von Astronomen gibt die Ergebnisse einer umfassenden Suche nach einem niederfrequenten Gravitationswellenhintergrund bekannt.
11.01.2022
Exoplaneten
Ein rugbyballförmiger Exoplanet
Mithilfe des Weltraumteleskops CHEOPS konnte ein internationales Team von Forschenden zum ersten Mal die Verformung eines Exoplaneten nachweisen.
07.01.2022
Optik | Quantenoptik | Wellenlehre
Aufbruch in neue Frequenzbereiche
Ein internationales Team von Physikern hat eine Messmethode zur Beobachtung licht-induzierter Vorgänge in Festkörpern erweitert.
06.01.2022
Elektrodynamik | Quantenphysik | Teilchenphysik
Kernfusion durch künstliche Blitze
Gepulste elektrische Felder, die zum Beispiel durch Blitzeinschläge verursacht werden, machen sich als Spannungsspitzen bemerkbar und stellen eine zerstörerische Gefahr für elektronische Bauteile dar.
05.01.2022
Elektrodynamik | Teilchenphysik
Materie/Antimaterie-Symmetrie und Antimaterie-Uhr auf einmal getestet
Die BASE-Kollaboration am CERN berichtet über den weltweit genauesten Vergleich zwischen Protonen und Antiprotonen: Die Verhältnisse von Ladung zu Masse von Antiprotonen und Protonen sind auf elf Stellen identisch.
04.01.2022
Milchstraße
Orions Feuerstelle: Ein neues Bild des Flammennebels
Auf diesem neuen Bild der Europäischen Südsternwarte (ESO) bietet der Orion ein spektakuläres Feuerwerk zur Einstimmung auf die Festtage und das neue Jahr.
03.01.2022
Sterne | Elektrodynamik | Plasmaphysik
Die Sonne ins Labor holen
Warum die Sonnenkorona Temperaturen von mehreren Millionen Grad Celsius erreicht, ist eines der großen Rätsel der Sonnenphysik.
30.12.2021
Sonnensysteme | Planeten
Rekonstruktion kosmischer Geschichte kann Eigenschaften von Merkur, Venus, Erde und Mars erklären
Astronomen ist es gelungen, die Eigenschaften der inneren Planeten unseres Sonnensystems aus unserer kosmischen Geschichte heraus zu erklären: durch Ringe in der Scheibe aus Gas und Staub, in der die Planeten entstanden sind.