Atacamawüste

Lage der Atacama (gelb)

Die Atacamawüste erstreckt sich entlang der Pazifikküste Südamerikas zwischen dem 18. und 27. Breitengrad Süd, also in etwa zwischen den Städten Tacna im Süden Perus und Copiapo im Norden Chiles, über eine Distanz von rund 1200 Kilometern. Von West nach Ost werden drei Längszonen unterschieden: Die Küstenkordillere, das Zwischental und das Andenmassiv.

Die Atacamawüste ist eine der trockensten Landschaften der Erde. In ihrem zentralen Bereich besteht schon seit wenigstens 15 Millionen Jahren ein hyperarides Klima. Es gibt Orte, an denen jahrzehntelang kein Regen registriert wurde. Ihr südlicher Bereich zwischen dem 24. und 27. Breitengrad war bis Anfang des 21. Jahrhunderts völlig unbesiedelt.[1][2]

Klima

Valle de la Luna

Die Atacama liegt im Regenschatten der Anden; auftretende Ostwinde sind trocken und bringen keine Niederschläge. Nahe der Küste verhindert eine kalte Meeresströmung, der Humboldtstrom, die Entwicklung von Regenwolken, so dass, anders als weiter nördlich oder südlich, kein Steigungsregen fällt. Das kalte Meerwasser bedingt allerdings, dass die Atacama kühl ist und insbesondere in Küstennähe oft Nebel vorherrscht, weshalb die Atacama auch zu den Nebelwüsten gehört. Durch die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño, das mit einem Zurückbleiben des Humboldtstroms einhergeht, kommt es relativ regelmäßig im Abstand von etwa sechs bis zehn Jahren zu heftigen Niederschlägen. Diese führen dann für einen kurzen Zeitraum zum Erblühen der Wüste.

Im Februar 2012 wie auch im Vorjahr zerstörten die Starkregenfälle Straßen und verursachten Erdrutsche. In Toconao und Río Grande etwa wurden Häuser unterspült und Felder vernichtet, die Bewohner waren wochenlang von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.

Im Jahresmittel fällt hier nur etwa ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im Death Valley in den USA gemessen wird. Es gibt Wetterstationen in der Atacama, die in ihrer Geschichte nicht einen Tropfen Niederschlag verzeichnet haben. Es herrschen große Temperaturunterschiede zwischen Tag (30 °C) und Nacht (–15 °C).

Geschichte

Lamas

Die Atacamawüste ist etwa 15 Millionen Jahre alt. Obwohl die Atacama zu den wasserärmsten Gebieten der Welt zählt, wurde sie bereits relativ früh besiedelt. An den wenigen Oasen ließen sich die Völker der Atacameños, der Aymara, der Diaguitas und der Chinchorros nieder. Letztere sind vor allem für die mit bis zu 20.000 Jahren ältesten Mumien der Welt bekannt: mumifizierte Babys, die vor mehr als 7000 Jahren bestattet wurden. Im 15. Jahrhundert wurde das Gebiet Teil des Inkareiches. Im Jahr 1536 durchquerte der Konquistador Diego de Almagro als erster Europäer die Atacama. Nach dem Zerfall der Inka-Herrschaft kam die Wüste unter spanische Herrschaft. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der südamerikanischen Staaten ließen die Atacama an Bolivien fallen.

Die 1832 entdeckten Silbervorkommen in Chañarcillo machten Chile zu einem bedeutenden Silberproduzenten. Im Salpeterkrieg (1879–1884) war Chile mit britischer Unterstützung gegen Peru und Bolivien erfolgreich und konnte im Norden sogar neues Staatsgebiet hinzugewinnen. Bis dahin war die heutige Región de Atacama die nördlichste Provinz Chiles. Bolivien verlor durch den Krieg seinen direkten Zugang zum pazifischen Ozean – ein Konfliktpunkt, der bis heute zwischen den beiden Staaten schwelt.

1916 begann die Ausbeutung der Kupferlagerstätten bei Potrerillos.

2003 wurde die nach der Wüste benannte Mumie Atacama-Humanoid gefunden.

Wissenschaftliche Nutzung

Mumie aus der Atacama-Wüste

Aufgrund des extrem trockenen Wüstenklimas sind mehrere große Sternwarten auf den Bergen in der Wüste errichtet worden. Die Sternwarten La Silla und Las Campanas liegen rund 50 km südlich von Vallenar. Auf dem Berg Cerro Paranal – 120 km südlich der Hafenstadt Antofagasta – hat die Europäische Südsternwarte das Paranal-Observatorium errichtet. Weitere Teleskope sind das auf der Chajnantor-Hochebene liegende Atacama Large Millimeter Array und das Atacama Pathfinder Experiment. Weiterhin befindet sich auf dem Cerro Armazones derzeit mit dem E-ELT eines der weltgrößten größten Teleskope in Bau.

Die USA nutzten die Atacamawüste zum Testen einiger ihrer Marssonden.

Das Mineral Atacamit wurde 1801 in dieser Wüste entdeckt und nach ihr benannt.

Wirtschaft

Heute bilden die Vorkommen von Lithium, Kupfer, Silber, Gold und Platin eine Wirtschaftsgrundlage Chiles. In Netzen, den Atrapanieblas, wird Küstennebel an Berghängen in der Atacama aufgefangen, der zur Wassergewinnung dient. In Chile laufen hierzu mehrere Pilotprojekte.

Einzelnachweise

  1.  Pablo A. Marquet, Francisco Bozinovic et al.: Los ecosistemas del Desierto de Atacama y area andina adyacente en el norte de Chile. In: Revista Chilena de Historia Natural. 71, 1998, S. 593-617 (online (PDF; 1,7 MB), abgerufen am 27. April 2013).
  2.  Calogero M. Santoro, Bernardo T. Arriaza, Vivien G. Standen, Pablo A. Marquet: People of the Coastal Atacama Desert. Living Between Sand Dunes and Waves of the Pacific Ocean. 2005 (online (PDF; 2,9 MB), abgerufen am 27. April 2013).

Literatur

  • Sir Ranulph Fiennes, Sebastian Junger u. a.: Extreme der Erde. National Geographic Deutschland, Hamburg 2004, S. 100, ISBN 3-936559-31-7

Weblinks

 Commons: Atacamawüste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorlage:Commonscat/WikiData/Difference


-22-69.5Koordinaten:

22° 0′ 0″ S, 69° 30′ 0″ W

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